„Matsch wird aus unserer Sicht überbewertet“ Extrem-Hindernislauf des ATS Buntentor

Lauf-Organisator Gerrit Lubitz sagt im Interview, dass die neue Sportart für Jung und Alt geeignet ist. Sein Verein plant für den 2. Crow Mountain Survival im September 2019 aber schon jetzt Veränderungen.
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Von Thomas Heuberg

Sie sind seit 25 Jahren Langstreckler. Warum jetzt der neue Sport?

Gerrit Lubitz: Etwas Abwechslung tut gut. Außerdem zwackt hüftabwärts doch das Eine oder Andere. Da ist es nicht schlecht, wenn Hindernisse zu anderen Formen der Belastung zwingen.

Vom Langstreckler zum OCR-Läufer. Ist das der übliche Weg der Beteiligten?

Eher nicht. Einige probieren es mal aus und bleiben dabei. Viele entdecken den Sport aber über Mundpropaganda und Internet-Videos.

Ist der OCR-Sport eher etwas für jüngere Menschen?

Nein, nicht unbedingt. Es kommt auf Laufdistanz und Hindernisse an. Außerdem fordert der Sport zur Kooperation auf. Man darf sich also durchaus helfen und macht dabei auf der Strecke auch schon mal neue Bekanntschaften.

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Nun ist so ein Lauf ja nicht ganz billig. Der ATS Buntentor ist einstmals ein Arbeiterverein gewesen. Schließt man mit diesem Wettkampf nicht bestimmte Gruppen vom Sport aus?

Heute steht das „A“ beim ATSB für „allgemein“ – jeder ist willkommen. Der Wettkampf findet nur einmal im Jahr statt. Aufgrund des erheblichen Aufwands ist er schon teuer. Aber jeder Sportinteressierte weiß, dass Stadtmarathons, Agenturläufe und Triathlonveranstaltungen teilweise erheblich höhere Meldegelder nehmen – und das seit Jahren. Nebenbei sind bestimmte Sportarten schon im Trainingsbetrieb teuer, wenn man sich zum Beispiel ein Rennrad oder andere kostspielige Ausrüstungen anschafft.

Was ist denn für das Hindernistraining nötig?

Das Gleiche wie zum Laufen und eventuell noch ein paar Gartenhandschuhe für den besseren Griff an bestimmten Hindernissen.

Das ist nicht viel. Was kostet das Training beim ATS Buntentor?

Für 17 Euro im Monat kann man an allen Sportangeboten des ATSB teilnehmen – Arbeitslose, Studenten, Kinder und Jugendliche ermäßigt.

Und wenn man es nur mal ausprobieren möchte?

Für die öffentlichen Trainings nehmen wir von Externen einen Beitrag von zehn Euro. Darin sind Pizza oder Pasta aus der Vereinsgastronomie bereits enthalten, und die Aufbauhelfer bekommen ebenfalls ein Essen.

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Also kein Sport nur für Reiche?

Absolut nicht. Obwohl die Zahl der Wettkämpfe ständig wächst, gibt es regional natürlich deutlich weniger Startgelegenheiten als bei Straßen- und Crossläufen. Wer häufiger antreten möchte, hat entsprechende Reise- und Übernachtungskosten.

Die Buntentorer waren überregional bislang recht erfolgreich.

Es gab Teamsiege und Erfolge im Einzel. Aber Leistung ist nicht das entscheidende Kriterium. Es soll den Athleten Spaß machen, und für uns ist es positiv zu sehen, dass sich Mitglieder dem Verein anschließen.

Wie reagieren denn die Teilnehmer Ihres traditionellen Lauftreffs darauf?

Als wir begannen, den Parcours zu erstellen, war die Reaktion verhalten. Beim Finnbahnbau 2008 hatten Dutzende mit angepackt. Das war beim Hindernisbau anders. Es hatte auch kaum jemand Lust, das mal aktiv auszuprobieren.

Und das hat sich inzwischen geändert?

Ja, es trainiert jetzt auch schon mal der eine oder andere Lauftreffler mit, und nach dem ersten Crow Mountain Survival Ende September haben einige Streckenposten gesagt, wie angetan sie von der guten Stimmung und der Kooperation unter den Athleten waren. Mal sehen, wer 2019 von neben der Strecke auf die Strecke wechselt.

Das müsste ja ganz in Ihrem Sinne sein?

Was den Sport angeht, ganz sicher. Andererseits hatten wir in diesem Jahr 70 Streckenposten und werden 2019 wegen der Streckenverlängerung auf bis zu 15 Kilometer etwa 100 Helfer benötigen.

Woher kommen die?

Das gehört beim ATSB zur Tradition. Vom Wirt bis zum Vorsitzenden packen alle mit an.

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Wie geht es nach der Premiere weiter?

Ab sofort wird im Rahmen des Lauftreffs mittwochs um 18 Uhr auch Training an den dauerhaft installierten Hindernissen möglich sein. Außerdem gibt es am 14. und 28. Oktober um zehn Uhr öffentliches Training mit mehr Hindernissen.

Wie sieht der Ausblick auf 2019 aus?

Die Vorbereitungen auf den zweiten Crow Mountain Survival am 22. September 2019 haben natürlich längst begonnen. Wir werden bei der Parcours-Gestaltung noch mehr Wert auf die Hindernisse als auf den Schlamm unterwegs legen. Jetzt hatten wir auf zwölf Kilometern Strecke etwa zehn Meter Matschgrube. Matsch wird aus unserer Sicht überbewertet.

Das Gespräch führte Marc Gogol.

Info

Zur Person

Gerrit Lubitz (52),

Abteilungsleiter Laufen beim ATS Buntentor, gehörte zum Organisations-Team des „Crow Mountain Survival“. Er begann vor drei Jahren mit der Sportart Obstacle Course Racing (OCR).

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