Finanzielle Situation bei Werder Auf der Suche nach mehr Geld

Bei Werder könnten womöglich bald externe Geldgeber einsteigen. Pikant dabei: Angeblich knüpfen einige potenzielle Investoren ihr Engagement an den Rücktritt von Willi Lemke. Aus dem Aufsichtsrat heißt es, man werde alle Optionen prüfen.
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Auf der Suche nach mehr Geld
Von Marc Hagedorn

Bei Werder ist man offenbar kurzfristig bereit, Schulden zu machen, um die Mannschaft im Winter verstärken zu können. Dazu forciert der Klub die Suche nach strategischen Partnern: Externe Geldgeber könnten womöglich bald einsteigen. Pikant dabei: Angeblich knüpfen einige potenzielle Investoren ihr Engagement an den Rücktritt von Aufsichtsratsboss Willi Lemke. Aus dem Aufsichtsrat heißt es, man werde alle Optionen prüfen.

Thomas Eichin hat kürzlich in kleiner Journalistenrunde ein wenig über Werder, den Bundesliga-Standort Bremen, die Investitionen der Konkurrenz und über machbare und nicht machbare Transfers geplaudert. Irgendwann fiel auch der Name Caiuby. Der 26-jährige Brasilianer ist ein Spieler ganz nach dem Geschmack von Werders Geschäftsführer. Allein: Caiuby wechselte im Sommer für eine Ablösesumme von einer Million Euro nicht nach Bremen, sondern vom FC Ingolstadt zum FC Augsburg.

Eichin muss auf dem Transfermarkt fast ohne Geld auskommen. Er holte Izet Hajrovic, Alejandro Gálvez und Fin Bartels – ein ablösefreies Trio. Schon in der vergangenen Saison hatte Werder im Wettbieten etwa um Junior Malanda oder Ja-Cheol Koo keine Chance. Malanda ging am Ende für gut zwei Millionen zum VfL Wolfsburg, Koo sogar für fünf zum FSV Mainz 05.

Gern hätte Werders Sportliche Leitung, zu der auch Trainer Robin Dutt gehört, ein paar Millionen Euro in neue Spieler investiert. Kandidaten gab es auch in diesem Sommer noch: Am weitesten waren die Gespräche mit Bryan Ruiz vom FC Fulham vorangeschritten. Am Ende aber platzte das Geschäft, weil der Aufsichtsrat die nötigen Millionen für den WM-Star Costa Ricas nicht lockermachen wollte.

Vielleicht ist aber bald Geld da. Eichin hat mehrfach betont, im Fall Ruiz am Ball zu bleiben. Und offenbar ist man bei Werder Bremen nun bereit, sich kurzfristig zu verschulden, um im Winter neue Spieler zu kaufen. Parallel dazu arbeitet man beim Klub weiterhin intensiv daran, externe Geldgeber mittels strategischer Partnerschaften ins Boot zu holen. Bis dato hat sich noch kein Engagement ergeben. Aber es ist Bewegung im Thema Finanzen.

Lange Jahre kam es für die Entscheider im Klub nicht infrage, neue Schulden zu machen, um in die Mannschaft zu investieren. Geschäftsführer Klaus-Dieter Fischer, der gleichzeitig auch Präsident des Gesamtvereins SV Werder Bremen ist, hat nun mit seinem Plädoyer, eine „nicht zu umfangreiche Verschuldung“ zu riskieren, nicht nur in Fankreisen, sondern auch im eigenen Unternehmen für mächtig Wirbel gesorgt.

Lemke ist „völlig überrascht“

„Der Vorschlag von Herrn Fischer kam für mich völlig überraschend“, sagte Aufsichtsratsboss Willi Lemke am Mittwoch. Bisher nämlich hat Fischer, den viele für den mächtigsten Mann bei Werder halten, stets die defensive Ausgabenpolitik verteidigt. Jetzt aber, kurz vor seinem Ausscheiden aus allen Ämtern zum Jahresende, schwenkt Fischer plötzlich um – auch mit Blick auf den verpatzten Saisonstart und die prekäre Tabellensituation.

Lemke selbst ist zurzeit nicht in Bremen, sondern in seiner Funktion als UN-Botschafter in Moskau. Am Wochenende wird er zurückerwartet, dann stehen Gespräche an. „Aufsichtsrat und Geschäftsführung suchen nach der richtigen Strategie, und dafür müssen wir uns alle Wege offen halten“, sagt Marco Bode, der einen Sitz im Aufsichtsgremium hat. Der Ex-Profi deutet damit an, dass die vorsichtige Finanzpolitik – zumindest kurzfristig – aufgegeben werden könnte. Aufsichtsratskollege Hans Schulz formuliert es ähnlich: „Klar ist: Ein Abstieg wäre eine Katastrophe, deshalb muss man über alles nachdenken.“

Tatsächlich hätte ein Abstieg fatale Folgen: Allein die Einnahmen aus den Fernsehgeldern würden um geschätzte 15 Millionen Euro sinken. Der Etat für die Profimannschaft (zurzeit circa 30 Millionen Euro) müsste gekürzt werden. Auch die Einnahmen aus Ticketverkäufen und der Vermietung von Logen fielen geringer aus.

Dabei ist das Geld schon jetzt knapp. Fast 22 Millionen Euro Miese hat Werder in den Geschäftsjahren 2011/12 und 2012/13 gemacht. Ende November wird Klubchef Klaus Filbry das nächste Minus verkünden müssen. Die Rede ist von bis zu acht Millionen Euro. Wie Werder das aktuelle Geschäftsjahr 2014/15 abschließt, wird sehr davon abhängen, wie weit der Klub im DFB-Pokal kommt beziehungsweise wie gut er in der Liga abschneidet. Das Eigenkapital aus den fetten Champions-League-Jahren wird laut Fischer am Ende dieser Saison jedenfalls aufgebraucht sein – was bedeutet, dass derzeit ein weiteres Minus von etwa acht Millionen Euro einkalkuliert ist.

Besonders pikant an der aktuellen Situation ist, dass es angeblich potenzielle Investoren gibt, die ihr Engagement aber offenbar an das Ende der Ära Lemke knüpfen. Lemke ist erst im vergangenen Jahr bis Ende 2015 von den Mitgliedern wiedergewählt worden. Heißt: Lemke müsste von sich aus zurücktreten. Ob es dazu kommen könnte, wollte Lemke gestern nicht sagen. Nur so viel: Gegen Gespräche mit möglichen Partnern wolle er sich nicht sträuben. Mit Blick auf den HSV sagte Lemke zu unmoralischen Angeboten aber auch: „Falls es an personelle Forderungen geknüpft ist, fände ich das sehr bedenklich, denn es erinnert mich an Verhältnisse bei anderen Vereinen.“ Wie die Bereitschaft zu einem kampflosen Rückzug klingt das erst mal nicht.

Lesen Sie auch

Lesen Sie auch

Lesen Sie auch

Lesen Sie auch

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+