Ex-Werder-Trainer Skripnik So läuft der neue Saisonstart in der Ukraine

Die erste ukrainische Fußball-Liga ist in die neue Saison gestartet. In Kriegszeiten gelten allerdings besondere Auflagen. Auch Ex-Werder-Trainer Viktor Skripnik ist mit seinem neuen Club Vorskla Poltava dabei.
23.08.2022, 17:17
Lesedauer: 2 Min
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So läuft der neue Saisonstart in der Ukraine
Von Malte Bürger

Ein wenig unwirklich klingt es ja, doch am Dienstag hat die erste ukrainische Fußball-Liga tatsächlich wieder ihren Spielbetrieb aufgenommen. Seit einem halben Jahr läuft nun schon der russische Angriffskrieg in dem osteuropäischen Land, eine Entspannung der Lage ist nicht in Sicht. Und doch war der Termin bewusst gewählt, am Mittwoch wird in der Ukraine an die Unabhängigkeit von der Sowjetunion vor exakt 31 Jahren erinnert. Zunächst standen sich Schachtar Donezk und der FC Metalist 1925 Charkiw gegenüber, Tore fielen jedoch nicht. Das änderte sich am Nachmittag, als Viktor Skripnik, früherer Trainer des SV Werder Bremen, mit seinem neuen Verein Worskla Poltawa ins Geschehen eingriff. Gegen seinen vorherigen Arbeitgeber Zorya Luhansk gab es allerdings eine 1:3 (0:2)-Niederlage.

Damit überhaupt in Kriegszeiten Fußball gespielt werden kann, gelten besondere Auflagen. So müssen alle Partien der insgesamt 16 Mannschaften in Kiew oder im Westen der Ukraine ausgetragen werden. Zuschauer sind keine zugelassen. Darüber hinaus ist vorgeschrieben, dass sich in der Nähe sämtlicher Stadien ein Luftschutzbunker befinden muss. Sollte es tatsächlich zu einem Bombenalarm kommen, werden die Begegnungen für maximal eine Stunde unterbrochen. Kann eine Fortsetzung nicht gewährleistet werden, wird das Duell entweder nicht gewertet oder aber verlegt. Der Ligabetrieb soll nach Wunsch der Verantwortlichen für Ablenkung sorgen, doch selbstverständlich ist der Krieg allgegenwärtig. Beim Eröffnungsspiel gab es nicht nur eine Gedenkminute für die bisherigen Opfer, ein versehrter Veteran führte zudem symbolisch den Anstoß aus. Andrej Pawelko, Präsident des ukrainischen Fußballverbandes, betonte dennoch, dass der Ligastart eine "Demonstration der Furchtlosigkeit unseres Volkes, des unbrechbaren Geistes und des Strebens der Ukraine nach dem unvermeidlichen Sieg im Krieg um die Unabhängigkeit mit den russischen Besatzer" sei.

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Für den Ex-Bremer Skripnik begann der eigentliche Fußball-Alltag schon einige Zeit vorher. Ende Juli war der inzwischen 52-Jährige bereits mit seinem Team in der Qualifikation für die Uefa Conference League gefordert. Aufgrund des Krieges fiel die Vorbereitung entsprechend kurz aus – zumal Skripnik den Club gerade erst vom bisherigen Coach Juri Maximov, einem weiteren früheren Werder-Profi, übernommen hatte. Doch Worskla überraschte, bezwang den schwedischen Vertreter AIK Solna im Hinspiel mit 3:2. „Ich kenne die Jungs erst seit drei Wochen“, sagte Skripnik damals und erzählte, dass er die Qualitäten seiner Schützlinge nun erst so richtig kennengelernt habe. Begeistert hatte ihn vor allem die Einstellung: „Als ich in die Umkleidekabine geschaut habe, habe ich sie gesehen und verstanden, wie sehr sie auf dem Feld kämpfen wollten – füreinander und für unser ganzes Land“, betonte Skripnik.

Als eine Woche später das Rückspiel folgte, durften die Ukrainer lange vom Weiterkommen träumen. Letztlich gab es jedoch eine 0:2-Niederlage nach Verlängerung, nach der eifrig über das Schiedsrichter-Gespann diskutiert wurde. Beim entscheidenden Treffer der Schweden war ohne Torlinientechnik nämlich nicht einwandfrei erkennbar, ob der Ball wirklich hinter der Linie war. Ganz normaler Fußball-Alltag eben. Auch in dunklen Zeiten.

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