Neuer Werder-Trainer

Anfang spricht gleich vom Aufstieg

Der SV Werder Bremen wird seinen neuen Chefcoach Markus Anfang am kommenden Sonntag offiziell vorstellen. Der 46-Jährige hat bis dahin noch Zeit, die Sonne im Süden zu genießen.
01.06.2021, 19:14
Lesedauer: 3 Min
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Von Björn Knips
Anfang spricht gleich vom Aufstieg

Werder stellt seinen neuen Chefcoach Markus Anfang am Sonntag offiziell vor.

Timm Schamberger / dpa

Markus Anfang ist noch im Urlaub, genießt irgendwo weit im Süden die Sonne und denkt dabei ganz gewiss auch sehr viel an den SV Werder Bremen. Denn seit Dienstag ist der 46-Jährige ganz offiziell der neue Coach des Bundesliga-Absteigers. Nach kurzen Irritationen am Montagabend inklusive einer Meldung über einen geplatzten Wechsel einigten sich Werder und Anfangs bisheriger Club Darmstadt 98 doch noch sehr schnell auf die Ablösemodalitäten. Zahlen nannten die Vereine nicht, aber Werder soll dem Vernehmen nach 400.000 Euro überweisen müssen. Bei einem Aufstieg würde sich diese Summe noch etwas erhöhen.

Und eben dieser Aufstieg ist auch das erklärte Ziel der Zusammenarbeit zwischen Werder und Anfang. Daraus macht der neue Coach keinen Hehl. „Werder ist ein großer Club, ein absoluter Traditionsverein mit großer Strahlkraft. Ich schätze Werder und seine Verantwortlichen sehr und bin sicher, dass wir eine gute Chance haben, den Aufstieg zu realisieren“, wird Anfang in einer Pressemitteilung zitiert und warnt dort zugleich: „Aber es darf niemand denken, dass es einfach wird. Dafür ist die 2. Liga zu stark und wird uns alles abverlangen. Wir stehen vor einer schwierigen, aber lösbaren Aufgabe, die unsere ganze Kraft, aber auch Geduld von uns allen erfordern wird. Ich bin hoch motiviert, um unser gemeinsames Ziel zu erreichen.“

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Sein Ex-Club hatte sich zunächst noch ziemlich quer gestellt. Werders Angebot, für den Trainerwechsel 200.000 Euro in Raten zahlen zu wollen, sollen 98-Verantwortliche als „Frechheit“ empfunden haben, berichtete der „kicker“. Die Hessen bezeichneten den Transfer schon als „geplatzt“. Doch Werder ließ sich von der Drohkulisse nicht beeindrucken. Am Dienstag wurde ein neues Angebot vorgelegt – und nach intensiven Verhandlungen eine Lösung gefunden. Die Grün-Weißen bekamen ihren absoluten Wunschkandidaten. In einem umfangreichen Auswahlprozess hatte Sportchef Frank Baumann nicht nur eine lange Checkliste abgearbeitet, sondern auch einen Sportpsychologen und einen Kommunikationsexperten eingebunden. Anfang avancierte zum Top-Favoriten, wurde kontaktiert und war offenbar sofort Feuer und Flamme, wie sein Statement zum Abschied auf der Internetseite von Darmstadt 98 vermuten lässt: „Ich hatte ein kurioses, aber auch sehr schönes Jahr in Darmstadt und werde immer im Positiven auf meine Zeit bei den Lilien zurückblicken. Nach der Kontaktaufnahme von Werder stand für mich allerdings schnell fest, dass ich diese Herausforderung annehmen möchte.“

Mit den Darmstädtern hatte Anfang die beste Rückrunde der Vereinsgeschichte gespielt und sich noch auf Platz sieben hochgekämpft. Mit Holstein Kiel und dem 1. FC Köln war der Ex-Profi (Schalke, Düsseldorf, Duisburg, Kaiserslautern) zuvor nur knapp am Aufstieg vorbeigeschrammt. Mit Kiel scheiterte er in der Relegation, in Köln wurde er trotz Tabellenführung drei Spieltage vor Schluss entlassen. „Markus hat auf seinen bisherigen Stationen als Cheftrainer im Profifußball gezeigt, dass er aus unterschiedlichen Gegebenheiten viel schaffen kann, dass er Siegermentalität vorleben und eine Mannschaft entwickeln kann“, ließ Baumann mitteilen und weiter: „Zudem hat er auch bereits Erfahrungen in einem herausfordernden Umfeld eines Traditionsvereins gesammelt und ist absoluter Kenner der 2. Liga.“

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Von seinen 99 Spielen im Bundesliga-Unterhaus hat Anfang 47 gewonnen und 27 verloren, sein Punkteschnitt liegt bei 1,68. Der gebürtige Kölner, der 2010 seine Trainerkarriere in der 6. Liga beim SC Kapellen-Erft begonnen hat, steht für offensiven Fußball mit vielen Treffern. Seine Teams stellten jeweils den Torschützenkönig der 2. Liga: Marvin Ducksch (18 Tore/Holstein Kiel/2017/18), Simon Terodde (29 Tore/1. FC Köln/2018/19) und Serdar Dursun (27 Tore/Darmstadt 98/2020/21). Anfang gilt als extrem ehrgeizig und sehr emotional an der Seitenlinie, ist dort noch aktiver als Florian Kohfeldt, sein Vorgänger beim SV Werder Bremen. Menschlich gehört der 46-Jährige in die Kategorie "harter Hund", der in der Kabine sehr deutliche Worte finden und dabei nicht gerade zimperlich sein soll.

Offiziell vorgestellt wird Anfang in Bremen erst am Sonntag. Bis dahin darf er noch Urlaub machen – allerdings mit der einen oder anderen Unterbrechung. „Wir sind überzeugt, mit ihm unsere Ziele erreichen zu können und werden nun gemeinsam die Kaderplanung angehen, um eine gute und wettbewerbsfähige Mannschaft zusammenzustellen“, so Baumann. Die Mission Wiederaufstieg hat begonnen.

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