Transfer zu Norwich City Sargent sagt Tschüss und lässt eine Absprache platzen

Josh Sargent geht, überraschenderweise: Hieß es noch am Donnerstag, Sargent könnte eine Zukunft bei Werder haben, ist der Transfer am Freitag schon fix. Was bedeutet das für den Verein?
06.08.2021, 19:10
Lesedauer: 4 Min
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Von Daniel Cottäus

Wissen Sie, was eine Nebelkerze ist? Gemeinhin ist damit eine Art Wurfgeschoss gemeint, das künstlichen Nebel erzeugen kann. Aber auch im Sprachgebrauch, also rein verbal, können Nebelkerzen gezündet werden. Der SV Werder Bremen hat es unlängst getan. Noch am Donnerstag hatte der Verein öffentlich erklärt, sich mit dem Gedanken zu beschäftigen, dass Stürmer Josh Sargent in diesem Sommer vielleicht doch nicht verkauft wird, und am Freitag: war Sargent weg! Der 21-Jährige steht nach Informationen unserer Deichstube unmittelbar vor einem Wechsel zum Premier-League-Klub Norwich City. Während des Pokalspiels beim VfL Osnabrück (15.30 Uhr) wird er schon nicht mehr zum Bremer Aufgebot gehören. 

Werder und Norwich sind sich über die Modalitäten des Transfers längst einig. So erhalten die Bremer die angestrebte Ablösesumme im zweistelligen Millionenbereich für den US-Amerikaner. Und dennoch lief die Sache am Ende etwas anders als geplant, denn in Osnabrück – da sollte Sargent eigentlich noch ein allerletztes Mal für Werder spielen, ehe der Transfer dann zu Beginn der kommenden Woche offiziell gemacht werden sollte. Eine entsprechende Absprache zwischen den beiden Klubs ließ der Profi am Freitagmittag allerdings überraschend platzen.

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Wegen des bevorstehenden Wechsels, „hat uns Josh mitgeteilt, dass er sich nicht mehr in der Lage sieht, am Samstag für uns zu spielen“, erklärt Werders Sportchef Frank Baumann. Kurios: Sargent soll sich vor dem Abschlusstraining am Freitag erst noch gemeinsam mit der Mannschaft umgezogen haben, ehe er zu Cheftrainer Markus Anfang ins Büro ging und ihm mitteilte, dass er am Wochenende nicht spielen werde.

Gegen 16.30 Uhr – als die (Noch)-Mitspieler am Osterdeich gerade die Einheit beendet hatten – fuhr Sargent dann in seinem Auto davon. Zurückkommen wird er nicht mehr, was für Werder zweifellos ein sportlicher Verlust ist. Schließlich hatte Sargent mit seinen zwei Toren gegen Düsseldorf gerade erst gezeigt, wie wertvoll er in der 2. Liga hätte werden können. Wirtschaftlich ist der Verkauf des Angreifers für den Verein aber ein großer Erfolg. Zum einen, weil Sargent im Januar 2018 ablösefrei aus den USA nach Bremen gekommen war und Werder mit ihm nun stattlichen Gewinn macht. Und zum anderen, weil jetzt endlich finanzieller Spielraum für die dringend benötigten Neuzugänge vorhanden ist. Bereits für die kommende Woche kündigte Sportchef Frank Baumann am Freitag Vollzugsmeldungen an.

Der Sargent-Abgang dürfte also zum entscheidenden Domino-Stein werden, der Werders Transferpläne endlich ins Rollen kommen lässt. Laut Baumann habe sich das Abwarten definitiv gelohnt. So hätte Werder den Stürmer „auch schon vor drei Wochen verkaufen können, aber dann hätten wir jetzt vielleicht drei, vier Millionen Euro weniger auf dem Konto“.

Auch insgesamt, das lässt sich wohl sagen, ist der Bremer Plan mit dem einstigen Nachwuchstalent aus den USA aufgegangen. Nachdem er zunächst in der U 23 zum Einsatz gekommen war (zwölf Pflichtspiele, sieben Tore, zwei Vorlagen), gelang Sargent in der Saison 2018/19 der Sprung ins Profiteam, für das er direkt bei seinem Debüt während des 3:1-Heimerfolg gegen Düsseldorf ein Tor erzielte. Düsseldorf als Sargents erster, Düsseldorf als letzter Gegner im Werder-Trikot – es ist eine dieser kleinen Randnotizen, die der Fußball verlässlich liefert. Insgesamt stand der Mann mit den roten Locken in 83 Pflichtspielen für die Profis auf dem Platz. Seine Bilanz: 15 Tore und neun Vorlagen. Nun beginnt für ihn auf der Insel ein neues Kapitel.

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Norwich City startet am Samstag, 14. August, mit einem Heimspiel gegen den FC Liverpool in die neue Saison, Sargent steht an neuer Wirkungsstätte also direkt ein Höhepunkt bevor. Die Mannschaft des deutschen Trainers Daniel Farke ist in der vergangenen Saison als Meister der zweiten englischen Liga aufgestiegen und hat sich für die Rückkehr in die Premier-League sehr viel vorgenommen. Sargent soll dabei ein Wunschspieler Farkes gewesen sein. Für den Angreifer ist das sicherlich nicht die schlechteste Voraussetzung, um im neuen Klub schnell anzukommen.

Sollte er aber trotzdem Schwierigkeiten haben, sich einzugewöhnen – ein Mann hilft ihm sicher liebend gern: Milot Rashica. Der Flügelstürmer war erst im Juni aus Bremen nach Norwich gewechselt und hat mit Sargent insgesamt 52 Mal für Werder auf dem Platz gestanden.

Rund elf Millionen Euro (plus etwaige Bonuszahlungen) haben sich die Engländer Rashicas Dienste kosten lassen. Dazu kommt nun ein weiterer zweistelliger Millionenbetrag für Sargent, sodass dem Norwich City Football Club bei der Konsolidierung des SV Werder Bremen in diesem Sommer schon jetzt eine ganz zentrale Bedeutung zugeschrieben werden kann.

Zur Sache

Durch die unmittelbar bevorstehenden Verkäufe von Josh Sargent (an Norwich City) und Yuya Osako (an Vissel Kobe) kommt nun endlich Bewegung in die Kaderplanungen des
SV Werder Bremen. Sportchef Frank Baumann kündigte am Freitag zeitnahe Verstärkungen an.

Vor allem durch den Verkauf von Sargent fließt frisches Geld in die so klamme Vereinskasse: Werder kassiert einen zweistelligen Millionenbetrag für den Stürmer. „Das können wir nicht ansatzweise komplett reinvestieren“, sagte Baumann im Gespräch mit unserer Deichstube. Einen gewissen Teil der Ablöse aber sehr wohl. „Ich gehe jetzt davon aus, dass wir in der nächsten Woche den einen oder anderen Neuzugang vorstellen können“, betonte der Sportchef, der nach wie vor auf der Suche nach neuem Personal für die Flügelpositionen ist. Das Sommer-Transferfenster hat noch bis zum 31. August geöffnet – und bei Werder soll noch einiges passieren. Im Juli hatte Baumann insgesamt noch 15 bis 20 Transfers angekündigt. 

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