Konto füllt sich, Kader leert sich

Maximilian Eggestein verlässt Werder und ist auf dem Weg nach Freiburg

Der nächste Spieler verlässt offenbar Werder: Maximilian Eggestein zieht es nach Freiburg. Am Mittwoch stehen für Eggestein noch Medizincheck und Unterschrift an, ehe der Transfer offiziell verkündet wird.
17.08.2021, 15:50
Lesedauer: 3 Min
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Von Carsten Sander, Daniel Cottäus

Seine (Noch)-Mitspieler waren am Nachmittag gerade auf dem Trainingsplatz angekommen, um in die neue Arbeitswoche zu starten, da verließ auch Maximilian Eggestein das Wohninvest Weserstadion, in zivil. Dunkelblauer Pulli, dunkelblaue Hose, die Sneaker strahlend weiß – so posierte der 24-Jährige auf dem Parkplatz an der Seite eines Fans routiniert für ein Selfie, und längst war zu diesem Zeitpunkt klar, dass es ein Abschiedsfoto sein würde.

Eggestein verlässt den SV Werder Bremen und steht unmittelbar vor einem Wechsel zum Bundesligisten SC Freiburg. Das hatte zunächst der „Kicker“ berichtet. Am Mittwoch stehen für den Mittelfeldspieler im Breisgau Medizincheck und Unterschrift an, ehe der Transfer offiziell verkündet wird. „Ich wünsche dir alles Gute“, rief der Fan noch schnell in Richtung Eggestein, ehe der in seinem schwarzen Mercedes vom Stadiongelände fuhr und sich samt Reisekoffer auf dem Rücksitz auf den Weg in Richtung Süden machte.

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Beim SC Freiburg wird der 24-Jährige die Nachfolge von Baptiste Santamaria antreten, der für kolportierte 14 Millionen Euro an den französischen Erstligisten Stade Rennes transferiert wurde. Wie viel dieser Summe die Freiburger nach Bremen weiterreichen müssen, ist zunächst nicht bekannt. Eggesteins Vertrag mit Werder lief noch bis Sommer 2023, sein Marktwert, der einst über 30 Millionen Euro betragen hatte, wird vom Branchenportal „transfermarkt.de“ aktuell auf 7,5 Millionen Euro geschätzt. Es ist davon auszugehen, dass Werder einen Betrag in dieser Größenordnung für sein Eigengewächs einstreicht. 2011 war Eggestein vom TSV Havelse als Jugendspieler nach Bremen gewechselt. Nun geht er nach 181 Profi-Pflichtspielen.

Werder Bremen gibt den nächsten Stammspieler ab

Für Werder bedeutet das zweierlei: Erstens den Verlust eines weiteren Stammspielers, sprich einen sportlichen Rückschlag. Zweitens aber auch weiteren wirtschaftlichen Spielraum. Zur Erinnerung: Insgesamt 30 Millionen Euro an Transferüberschüssen hat sich der Club bis spätestens Sommer 2022 zum Ziel gesetzt, was eine Art Grundvoraussetzung dafür ist, um das große Finanzloch, das Abstieg und Corona in die Vereinskassen gerissen haben, füllen zu können. Mit dem Transfer von Eggestein dürfte dieses Ziel für den Moment bereits erreicht sein. Schließlich hatte schon der Gesamterlös nach den Verkäufen von Milot Rashica, Josh Sargent, Yuya Osako, Ludwig Augustinsson und Eggesteins jüngerem Bruder Johannes knapp unterhalb der 30- Millionen-Euro-Marke gelegen.

Heißt: Auf der Einnahmenseite haben Sportchef Frank Baumann und der Leiter Profifußball Clemens Fritz ihr Soll erfüllt – umso dringender geht es jetzt allerdings darum, in den nur noch zwei verbleibenden Wochen bis zur Schließung des Transferfensters am 31. August für Ersatz zu sorgen. Wie schnell der manchmal da sein kann, haben die Freiburger gerade erst vorgemacht.

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Klar ist: Die Position von Maximilian Eggestein, sprich das defensive Mittelfeld, genießt bei Werders Kaderplanungen auch weiterhin keine Priorität, weil der Verein sich dort nach wie vor gut aufgestellt sieht. In Nicolai Rapp wurde bereits im Juni der Wunsch-Sechser von Trainer Markus Anfang verpflichtet, zudem können Kevin Möhwald, Christian Groß oder auch Nachwuchsspieler Ilia Gruev die Position bekleiden. Viel größer sind da bekanntlich die Personalsorgen im Sturm, wo es sowohl an einem Flügel- als auch an einem Mittelstürmer mangelt. Venlos Torjäger Georgios Giakoumakis (26) steht deshalb ganz oben auf der Werder-Wunschliste. Nach Informationen unserer Deichstube liegen beide Seiten in Sachen Gehaltsvorstellungen aber noch ein gutes Stück auseinander.

Maximilian Eggestein verlässt Werder Bremen nach zehn Jahren

Ein Thema, das Maximilian Eggestein nachvollziehbarerweise nicht mehr sonderlich interessieren wird – er selbst hat nach dem Abstieg mit Werder schließlich sein Ziel für diesen Sommer erreicht. Schon frühzeitig hatte der gebürtige Hannoveraner dem Verein mitgeteilt, dass er weiterhin erstklassig spielen möchte. Die Gespräche mit Freiburg sollen bereits über Wochen gelaufen sein, ehe sie nach dem Santamaria-Verkauf dann sehr schnell sehr konkret wurden. Und letztlich dazu führten, dass am Nachmittag bei Werder ein Mann vom Hof fuhr, der noch vor wenigen Jahren – ebenso wie sein Bruder Johannes, der künftig in Antwerpen spielt – als das neue Gesicht des Clubs aufgebaut werden sollte. Im Frühjahr 2019 stand Eggestein sogar kurz vor seinem Debüt in der deutschen Nationalmannschaft, doch danach zeigte seine Leistungskurve immer weiter nach unten – wie die von Werder insgesamt.

Am Ende trennen sich nun die Wege nach zehn gemeinsamen Jahren, was den eingangs erwähnten Fan übrigens sichtlich bewegte. Dass er das wohl letzte Foto von Maximilian Eggestein als Werder-Profi am Weserstadion geschossen hatte, war da nur ein kleiner Trost.

+++ Der Text wurde um 19:30 Uhr aktualisiert +++

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