Kampf gegen Torflaute Werder-Stürmer Marvin Ducksch wirbt für eine objektivere Betrachtung

Die Frage, ob Marvin Ducksch das öffentliche Gerede um seine Tor-Durststrecke seit dem Bundesliga-Aufstieg nerven würde, beantwortet er eindeutig. Der Werder Stürmer wirbt aber auch für mehr Wertschätzung.
19.09.2022, 15:40
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Werder-Stürmer Marvin Ducksch wirbt für eine objektivere Betrachtung
Von Malte Bürger

Es wirkte so, als hätte Marvin Ducksch nur auf diese Frage gewartet. Werder Bremens Stürmer lächelte sie deshalb kurz nach dem 1:1 bei Bayer Leverkusen auch ziemlich gelassen weg. So beantwortete er das Nachhaken der Journalisten, ob ihn das öffentliche Gerede um seine Tor-Durststrecke seit dem Bundesliga-Aufstieg eigentlich nerven würde, mit einem eindeutigen: „Gar nicht, überhaupt nicht.“ Das war nicht nur so dahergesagt, wie es Profis gerne mal tun. Es wirkte absolut glaubwürdig. Und Ducksch nutzte die Gelegenheit, um im Gegenzug selbst in den Angriffsmodus zu schalten – indem er für mehr Wertschätzung seiner Arbeit warb.

Der 28-Jährige kennt nämlich das Geschäft, gefallen müssen ihm alle Aspekte daran deshalb aber nicht. Etwa die Tatsache, dass seine vielen Vorlagen nicht richtig gewürdigt werden – wo doch auch sie alles andere als unwichtig für Werders Spiel sind. „Ich glaube, dass das von außen einfach gar nicht gesehen wird“, meinte er und fällte damit ein ziemlich vernichtendes Urteil. „Stürmer werden an Toren gemessen, aber da ich noch kein Tor geschossen habe…“, ließ er den Satz unvollendet, aber unmissverständlich ausklingen. „Ich habe eine Statistik gelesen, dass ich vor dem Leverkusen-Spiel 19 Mal aufs Tor geschossen habe und davon kein Tor erzielt habe. Ich glaube nicht, dass es alles klare Torchancen waren, sondern teilweise waren das auch Schüsse von außerhalb des Strafraums oder Direktabnahmen“, erklärte er. „Ich bin auf einem guten Weg. Klar, ich habe noch kein Tor gemacht, aber das kommt.“

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Von dieser Einschätzung ist auch sein Trainer überzeugt. Deshalb reiht sich Ole Werner auch keineswegs in die Reihe der Kritiker ein. „Ich sehe es auch so, dass man Stürmer von außen immer an dem misst, was jeder sehen kann. Das sind die Tore. Da erkennt jeder im Stadion, ob der Ball nun drin ist oder nicht“, erzählte er. „Das ist immer sehr leicht. Aber für die Bewertung einer Leistung ist ja viel mehr wichtig.“ Und deshalb schauen Werner und sein Trainerstab genauer hin, wenn es um die Analyse der Leistung von Marvin Ducksch geht, der in Leverkusen abermals fünf Torschüsse seiner Nebenleute vorbereitet hatte.

„Ich will nicht sagen, dass er der Dreh- und Angelpunkt in unserem Offensivspiel ist, aber er ist sicherlich einer derjenigen, die wahnsinnig viel einleiten“, unterstrich Werders Chefcoach deshalb. „Am Ende ist für mich als Trainer wichtig, dass die Mannschaft funktioniert. Natürlich ist es für einen Stürmer schöner, wenn er dann auch noch treffen würde, aber so lange er seine Aufgaben erfüllt, ist es trotzdem eine gute Leistung. Das ist eine Unterscheidung, die wir intern machen müssen im Vergleich zu dem, was vielleicht von außen thematisiert wird.“

Es ist nicht so, dass ich gar nicht drüber nachdenke, das geht auch an mir nicht vorbei.
Marvin Ducksch

Den Rückhalt seines Vorgesetzten hat Ducksch also. Was sich dadurch aber nicht ausblenden lässt, ist die emotionale Seite der Angelegenheit. Denn nur, weil Ducksch die öffentliche Kritik nicht interessiert, bedeutet das ja nicht automatisch, dass er derzeit ein niedriges Frustrationslevel hat. „Es ist nicht so, dass ich gar nicht drüber nachdenke, das geht auch an mir nicht vorbei“, gab er zu. „Ich arbeite tagtäglich hart im Training, ich versuche, es auf dem Platz umzusetzen. In der einen oder anderen Situation war auch ein bisschen Pech dabei, aber ich lasse den Kopf nicht hängen.“ Während der wöchentlichen Einheiten ist in der Tat keine Verkrampfung oder übermäßige Enttäuschung zu erkennen. Ducksch scherzt wie gewohnt mit seinen Mitspielern, zeigt vollen Einsatz in den Übungen und trifft dort auch reihenweise ins Tor.

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Nur wenn es um Punkte geht, da klappt es bislang nicht. Und so steht er nach insgesamt 38 Bundesliga-Partien weiterhin bei lediglich zwei Karrieretreffern in Deutschlands-Eliteliga, die er während seiner Stationen in Paderborn (2014/2015) und Düsseldorf (2018/2019) erzielt hat. Auch weil er kürzlich gegen Augsburg in der Nachspielzeit einen Elfmeter nicht an Keeper Rafal Gikiewicz vorbeibrachte.

Eine Etage tiefer sind die Zahlen wesentlich beeindruckender, dort ist er ein Torjäger allererster Güte. In 138 Spielen hat er im Unterhaus satte 71 Mal getroffen – und 34 weitere Tore vorbereitet. In Werders Aufstiegssaison war er mit seiner Raffinesse und Technik ein ganz elementarer Faktor. Diese Qualitäten kommen auch deshalb in der ersten Liga bislang nicht so zum Tragen, weil Ducksch sein Spiel anpassen musste. „Ich verteidige teilweise ein bisschen defensiver“, schilderte er. „Ich habe diese Aufgabe, glaube ich, sehr gut angenommen. In der Vorbereitung habe ich auch daran gearbeitet, dass ich in einen guten Fitnesszustand bekomme – den habe ich.“

All das soll sich irgendwann auszahlen. Möglichst schnell. „Ich versuche, der Mannschaft mit meiner Arbeit nach hinten zu helfen, ihr mit Vorlagen und dem Einleiten von Angriffen zu helfen. Wenn wir dann die Spiele gewinnen und ich nicht treffe, dann nehme ich das“, betonte Ducksch. „Aber irgendwann wird der Knoten platzen.“

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