Klare Ansage für die Profis Rolffs Rückblick auf eine ganz spezielle Werder-Woche

Es war ein wenig wie in alten Zeiten: Für eine Woche kehrte Wolfgang Rolff im Mai mit Thomas Schaaf an die Seitenlinie zurück, konnte den Abstieg aber nicht verhindern. Was erwartet er nur vom Team?
06.06.2021, 10:14
Lesedauer: 3 Min
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Von Björn Knips

Wolfgang Rolff hat viel erlebt im Fußball – zuletzt auch eine ganz besondere  Woche als Co-Trainer des SV Werder Bremen. Mit seinem alten Chef Thomas Schaaf sollte und wollte er die Grün-Weißen in einer Hauruck-Aktion vor dem Abstieg retten. Geklappt hat es nicht. „Die Enttäuschung war riesig“, sagt Rolff rückblickend im Gespräch mit der Deichstube. Und obwohl die Mission scheiterte, bereut er es nicht, es wenigstens versucht zu haben. „Ich würde es wieder tun", meint Rolff und erklärt zur Begründung: "Diese intensive Woche hat mir einmal mehr gezeigt, was für ein toller Club Werder ist.“

Umso mehr ärgert es ihn, dass die Bremer nun nur noch zweitklassig sind – ein Umstand, den es schnell wieder zu verändern gilt, sagt der 61-Jährige und richtet sich mit einer klaren Ansage an die Werder-Profis: „Ich weiß, die Saison war anstrengend. Alle brauchen etwas Urlaub. Ich erwarte trotzdem, dass beim Trainingsstart alle topfit und heiß sind, damit sich der neue Trainer nicht groß um die Fitness kümmern muss, sondern gleich am Fußballerischen arbeiten kann. Das sind die Jungs dem Verein jetzt schuldig.“

Nach dem vorletzten Spieltag, dieser so ernüchternden 0:2-Pleite in Augsburg, hatte Werder die Notbremse gezogen und Trainer Florian Kohfeldt entlassen. Club-Ikone Thomas Schaaf wurde um Hilfe gebeten – und der rief gleich bei seinem altbewährten Assistenten Rolff an. Von 2004 bis 2013 hatte das Duo den Bremern die goldenen Zeiten in der Champions League beschert, danach auch in Frankfurt und Hannover zusammengearbeitet. „Als Thomas mich angerufen hat, habe ich sofort zugesagt“, erinnert sich Rolff. Er fuhr umgehend ins Quarantäne-Trainingslager nach Barsinghausen. „Nach einem halben Tag war alles schon wieder sehr vertraut. Das liegt einfach an Werder. Alles ist total professionell, die ganzen Mitarbeiter sind einfach super“, lobt Rolff, gesteht  mit einem kleinen Lacher aber auch: „Jeden Spitznamen der Spieler  hatten wir nicht gleich drauf. Aber ich denke, wir sind trotzdem ganz gut angekommen.“

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Die Situation war gleichwohl extrem schwierig - obwohl die Mannschaft sehr offen gewesen sei und den späten Trainerwechsel gut angenommen habe. Rolff: „Man hat gemerkt, wie verunsichert die Spieler nach den vielen Niederlagen waren. Aber sie wollten es unbedingt schaffen.“ Zusammen mit Schaaf habe er versucht, vor allem das Selbstvertrauen zu stärken. „In der Mannschaft steckte viel mehr drin, das haben die 30 Punkte bis zum 24. Spieltag doch gezeigt. Wir haben ihnen gesagt, dass sie wieder an ihren Fußball glauben und mutig sein sollen.“ 

Der Vize-Weltmeister von 1986, der mit dem Hamburger SV den Europapokal der Landesmeister gewonnen hat, redet über die wenigen Trainingstage so enthusiastisch, als wäre er noch mittendrin in seiner  Werder-Comeback-Woche. Doch plötzlich seufzt er: „Nach zwei Minuten war alles wieder über den Haufen geworfen.“  Die Erinnerung an das einzige Spiel, das zur Rettung blieb, ist eine grausame. Borussia Mönchengladbach hatte sofort das 1:0 erzielt. Rolff will dabei aber nicht nur von Pech oder Schicksal sprechen: „Die Gladbacher konnten sich ohne Körperkontakt durchspielen. Das darf einfach nicht sein!“

Immerhin sei das Bremer Team noch einmal aufgestanden, habe seine Chance gesucht – und auch bekommen. Genau so, wie Schaaf und Rolff sich das vorgestellt hatten. Es war ihr Plan gewesen, durch Angriffsfußball zu Erfolgsmomenten, damit zu Selbstbewusstsein und schließlich zu den nötigen Punkten für den Klassenerhalt zu kommen. Doch Davie Selke vergab die große Gelegenheit zum 1:1.  „Wer weiß, was passiert wäre, wenn er getroffen hätte“, hadert Rolff. Nach dem 0:2 habe die Mannschaft dann einfach keine Energie mehr gehabt, um sich zu wehren. „Das tat schon weh“, erinnert sich der Ex-Profi: „So ein Abstieg ist einfach nicht schön.“

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Die Chance, selbst am Wiederaufstieg mitzuwirken, hat Rolff nicht bekommen. „Es war von Anfang an klar, dass es auf dieses Spiel und eine mögliche Relegation begrenzt war.“ Wenngleich: Eine ganz kleine Hoffnung hatte der 61-Jährige schon, dass es nach einer Rettung mit Schaaf und ihm weitergegangen wäre. „Vielleicht hätte man darüber gesprochen“, sagt Rolff, schränkt dann aber gleich wieder ein: „Wir befinden uns in Deutschland  immer noch in der Phase, in der ein Trainer möglichst zwischen 30 und 45 sein soll. Da sind Thomas und ich mit 60 und etwas mehr weit drüber.“

Rolff sagt das ohne Groll. Er findet Werders Entscheidung für Markus Anfang  (46) gut: „Er hat schon drei Clubs in der Zweiten Liga trainiert und  gute Ergebnisse erzielt. Und was mir noch wichtiger ist: Er lässt offensiv spielen. Das mag ich. Denn nur wenn du aktiv bist, wirst du auf Dauer Erfolg haben. Ich drücke ihm die Daumen und hoffe, dass Werder den Aufstieg schafft.“

Wolfgang Rolff selbst wartet ab. Er ist schon lange ein Weltenbummler. „Indien, Kuwait, China oder Dubai – wir werden sehen, wo es diesmal hingeht. Mir macht der Fußball immer noch so viel Spaß, ich werde ganz bestimmt nicht aufhören.“ Und sollte sich sein Freund Thomas Schaaf wieder melden oder auch Werder, Rolff würde sich sofort ins Flugzeug oder Auto setzen.

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