Werder-Verteidiger Wie geht es nach dem Streik für Friedl weiter?

Werder-Verteidiger Marco Friedl wollte einen möglichen Wechsel zu Union Berlin mit einem Streik forcieren. Lässt sich das Verhältnis von Spieler und Verein noch kitten?
30.08.2021, 10:28
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Carsten Sander

Für die positiven Schlagzeilen Wochenendes beim SV Werder Bremen hat Doppelpacker Marvin Ducksch gesorgt, für die negativen war Streik-Profi Marco Friedl verantwortlich. Der 23-Jährige hat wegen eines Abwerbeversuchs von Union Berlin seinen Einsatz gegen Hansa Rostock verweigert. Dabei war ein Wechsel am Sonntag noch in weiter Ferne. Werder reagiert mit Enttäuschung und einer Strafe für den Verteidiger, will aber trotzdem weiter mit Friedl zusammenarbeiten. Es sei denn, die eigenen Ablösevorstellungen werden erfüllt.

Die Geschichte begann am Samstagabend, mehrere Stunden nach dem Abschlusstraining. Um 19 Uhr klingelte bei Trainer Markus Anfang das Telefon. Friedl rief an, um mitzuteilen, er würde gegen Rostock nicht spielen. „Er hat mir gesagt, dass er sich nicht in der Lage sieht, seine Leistung abrufen zu können“, berichtet Anfang, sieht darin aber die Aussage eines ferngesteuerten jungen Mannes: „Marco ist kein schlechter Junge. Die Entscheidung, die da getroffen wurde, war keine gute Entscheidung. Da ist er nicht gut beraten worden.“

Das Ziel der Friedl-Seite ist eindeutig: Keine Karriere-Fortsetzung in Liga zwei, stattdessen ein Wechsel zurück in die Erstklassigkeit. Union Berlin bietet diese Option. Diese Absichten sind auch nichts, was zu verteufeln wäre, von diesen Wechseln lebt schließlich das ganze Fußball-Geschäft. Das Vorgehen ist es aber, das Werder zornig macht. Sportchef Frank Baumann sieht darin nicht nur ein Foul an den Mitspielern, sondern auch einen Vertragsbruch. „Ein Spieler sollte sich zur Verfügung stellen, so lange er bei uns unter Vertrag steht. Marco hat das für sich anders gesehen“, erklärt er. Die erste Reaktion des Clubs ist eine Geldstrafe für den Spieler. Aber das löst natürlich nicht das Problem.

Werder lässt im Fall Friedl Gnade walten

Werder hat jetzt einen Spieler, der trotz eines bis 2023 laufenden Vertrags weg will, der aber bleiben soll. Normalerweise lösen Ablösezahlungen dieses Problem. Aber nach zwei Gesprächen über einen Transfer – Stand Sonntagnachmittag – sei die Kluft zwischen Forderung und Angebot noch sehr groß, so Baumann, der deshalb sagt: „Es kann sein, dass Marco Spieler von Werder Bremen bleibt.“

Aber geht das überhaupt noch? Dass es nach dem Ego-Trip des Spielers Risse gibt in den Verhältnissen zwischen Anfang und Friedl sowie Friedl und Baumann, ist logisch. Dennoch verhalten sich die Werder-Verantwortlichen selbst auch im Sinne des Geschäfts und deuten statt einer Verbannung Gnade für Friedl an. Sie können es sich schlicht nicht leisten, einen Spieler mit einem geschätzten Marktwert von 7,5 Millionen Euro kaltzustellen. Beziehungsweise auf eine Ablöse in dieser Größenordnung zu verzichten. Deshalb bleibt es bei der Bewertung des Friedl-Fouls bei einem nachsichtigen Tadel.

„Der Weg, den Marco jetzt gegangen ist, ist nicht der richtige Weg. Das habe ich ihm auch gesagt. Aber er ist 23 Jahre alt – haben wir in dem Alter nicht alle mal einen Fehler gemacht?“, fragt Anfang. Baumann sagt gar, dass er „überzeugt“ ist, dass eine weitere Zusammenarbeit möglich ist: „Das ist auch weiterhin unser Ziel – trotz dieser Geschichte.“

Lesen Sie auch

Werder-Trainer Anfang sieht Schuld nicht allein bei Friedl

Werder Bremen bekommt in diesem Sommer bereits zum zweiten Mal zu spüren, wie machtlos Vereine sind, wenn Spieler ihre persönlichen statt der gemeinsamen Ziele verfolgen. Vor dem DFB-Pokal-Spiel beim VfL Osnabrück (0:2) war es Josh Sargent, der wegen des bereits verabredeten Wechsels zu Norwich City nicht mehr spielen wollte. Nun ist es Friedl, der auch ohne fixen Transfer in der Hinterhand in den Ausstand trat. Es sind zwei Spieler, die bei Werder ihre Karriere in Schwung gebracht haben, dennoch im Zweifel Loyalität Loyalität sein lassen.

Anfang bleibt trotzdem der Meinung: An den Spielern allein – in diesem Fall Friedl – liegt es nicht. „Er hat sich sicher keinen Gefallen getan. Er hat Leute um sich herum, die ihn beraten. Vielleicht ist es aber ganz gut, auch mal wieder auf sein eigenes Gefühl zu hören. Der Junge will doch Fußball spielen. Wenn er sich dann aber in dem begrenzt, was er gerne macht, dann geht das in die falsche Richtung.“

Bei Markus Anfang hat sich Marco Friedl am Sonntagnachmittag erneut via Telefon gemeldet. Eine Nachricht ging ein: „Er hat mir geschrieben und hat zum Sieg gratuliert. Er ist ja kein schlechter Mensch."

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+