Sommer-Neuzugang Wie Jens Stage bei Werder doch noch richtig durchstarten möchte

Zuletzt ist es ruhig um Werder-Neuzugang Jens Stage geworden, seine Einsatzzeiten waren nur noch sporadisch.
17.11.2022, 14:33
Lesedauer: 4 Min
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Von mbü/dco/kni

Im Testspiel gegen Heeslingen durfte sich Jens Stage mal wieder eine Halbzeit lang zeigen. Den Führungstreffer des späteren 3:1-Erfolges leitete er dabei mit ein, zudem vergab er bei einem Drehschuss noch eine gute Torchance. Kleine Szenen nur, aber solche, die durchaus wichtig für den 26-Jährigen sind. Zuletzt glichen seine Einsatzzeiten nämlich eher einem Auszug aus der Ziehung der Lottozahlen: 7 – 14 – 18 – 31. Mehr Minuten waren es an den vergangenen Spieltagen nicht, die zusammenkamen. Da ist also noch reichlich Luft nach oben. Schließlich war der Däne eigentlich als potenzieller Stammspieler geholt worden, der SV Werder Bremen hatte sich den Transfer vom FC Kopenhagen 4,5 Millionen Euro kosten lassen. Nicht eben wenig Geld für einen Verein, dessen Konto sich in den vergangenen Jahren vornehmlich dadurch auszeichnete, nicht allzu prall gefüllt zu sein. Und das weckte natürlich Erwartungen. Zuspruch gibt es aber nicht nur von Clemens Fritz, sondern auch vom Ex-Bremer Daniel Jensen.

„Man darf die Bewertung von ihm nicht nur an der Ablösesumme festmachen“, mahnt Fritz als Werders Leiter Profifußball im Gespräch mit unserer Deichstube. „Es war der erste Auslandswechsel in seiner Karriere, da braucht es manchmal eben etwas Zeit.“ Zeit, die der Verein dem Mittelfeldakteur ohne Wenn und Aber geben will. „Wichtig ist, dass Jens dranbleibt, und das tut er“, betont Fritz. „Er ist ein super Typ und hat eine hohe Intensität in seinem Spiel.“

Starker Bundesliga-Auftakt

Genau diese Energie ist es, diese physische Stärke, die man an der Weser noch viel häufiger als bisher von Stage sehen möchte. Als die Saison begann, da gehörte ihm im Fanlager die Rolle des Hoffnungsträgers. Er war einer, der Elemente einbringen sollte, die zuvor schmerzlich vermisst wurden. Als Stage dann beim Auftakt gegen den VfL Wolfsburg (2:2) prompt kompromisslos ein paar Zweikämpfe gewann und obendrein einen Treffer vorbereitete, war er endgültig in aller Munde. Doch ganz so auffällig ging es nicht weiter. Vielmehr tauchte der Mann aus Höjbjerg bei Aarhus ein wenig ab.

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Das nutzten die Konkurrenten im Kader. Ilia Gruev zum Beispiel. Der junge bulgarische Nationalspieler hatte schon in der vorherigen Zweitligasaison immer wieder wichtige Akzente gesetzt und sich mehr und mehr in den Vordergrund gespielt. Nun nutzte er diesen Vorteil unter Trainer Ole Werner für den nächsten Schritt, bewies, dass er nicht nur als Sechser in Frage kommt, sondern mit seiner Dynamik und Entschlossenheit auch auf der Acht ein entscheidender Faktor im Bremer System sein kann. Gruev hat Stage quasi mit dessen eigenen Mitteln zurückgedrängt. Zumindest für den Moment. Doch in der Zentrale tummeln sich ja noch mehr Akteure, die Stage das Leben und die Chance auf Einsätze schwer machen: Leonardo Bittencourt oder Romano Schmid etwa. Zudem kämpfen auch noch Niklas Schmidt und Nicolai Rapp um mehr Spielzeit. Der Weg ins Team ist also alles andere als einfach.

Geredet hat Jens Stage über seine Schwierigkeiten in der Bundesliga zuletzt eher selten. Zumindest in Deutschland. In seiner dänischen Heimat war das etwas anders. In der vergangenen Woche hat Stage nämlich Geburtstag gefeiert - wobei im grün-weißen Lager nicht wirklich Feierstimmung aufkam. Die Geschenke, die es nämlich gab, waren eher unschön: Werder holte sich an jenem Tag die 1:6-Abfuhr in München ab. Stage stand etwas mehr als eine halbe Stunde auf dem Platz und hinterher dem skandinavischen Streamingportal Viaplay Rede und Antwort. „Es ist klar, dass ich jedes Mal spielen möchte, aber wir sind mehr als ein Mann, der das will“, erklärte Stage gewohnt besonnen. „Jetzt kommt ein langer Winter, in dem ich kämpfen kann. Ich muss noch mehr pushen, denn es ist definitiv das Ziel, mehr zu spielen, als ich es bisher getan habe.“

Parallelen zu Daniel Jensen

Einer, der weiß, in welcher Situation sich Jens Stage gerade befindet, ist Daniel Jensen. Der 52-fache Nationalspieler kam einst unmittelbar nach der legendären Double-Saison 2003/2004 aus Murcia zu Werder, entsprechend viel wurde sich von der Neuverpflichtung versprochen. Doch Jensen konnte die Erwartungen nicht auf Anhieb erfüllen. „Als ich damals kam, war ich sofort verletzt und erst einmal länger weg“, erinnert sich der heute 43-Jährige. „Mein Start war also auch nicht so gut.“

Inzwischen hat Jensen seine Karriere längst beendet, ist in seiner Heimat gemeinsam mit Bruder Niclas, der ebenfalls Profi war, als Spielerberater tätig. Und deshalb ist er natürlich ein Experte, wenn es darum geht, was im dänischen Fußball so passiert. „Ich kenne Jens nicht persönlich, habe in Kopenhagen aber natürlich einige Spiele von ihm gesehen“, erzählt Jensen. Beim Topclub des Landes seien die dortigen Spieler zweifelsfrei auch Woche für Woche enorm gefordert, in den Augen des Ex-Bremers gibt es trotzdem klare Unterschiede. „Es ist immer noch etwas anderes, wenn du aus Dänemark in die Bundesliga wechselst“, unterstreicht er. „Da musst du einem Spieler immer etwas Zeit geben, um sich einzugewöhnen. Das ist nicht so einfach. Das Tempo auf dem Platz ist viel höher, es gibt einen ganz anderen Druck und auch bessere Spieler in all den Mannschaften.“

Daniel Jensen hat sich damals in Bremen bekanntlich doch noch durchgesetzt. Irgendwann im November ging sein Stern mit mehreren starken Spielen in Folge doch noch so richtig auf. Jens Stage wird da mehr Anlaufzeit brauchen, die WM-Pause verhindert einen kalendarischen Parallelflug. Mut machen sollte ihm die Geschichte seines Landsmanns aber allemal.

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