Daimler plant Produktion Das erste Elektroauto kommt wohl aus Bremen

Eine gute Nachricht für den Industriestandort Bremen: Daimler will Elektro-Autos auch in Bremen produzieren lassen. Das Werk in Bremen bereitet sich seit ­Monaten auf die Produktion vor.
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Von Almut Kipp, Annika Graph, Philipp Jaklin

Eine gute Nachricht für den Industriestandort Bremen: Daimler will Elektro-Autos auch in Bremen produzieren lassen. Das Werk in Bremen bereitet sich seit ­Monaten auf die Produktion vor.

Das Mercedes-Werk in Bremen wird voraussichtlich das neue Elektroauto von Daimler bauen. Das erste Fahrzeug der EQ-Serie werde wohl in Bremen produziert, kündigte Konzernchef Dieter Zetsche bei einer Veranstaltung in Hamburg an. Sowohl für Bremen als auch für das Werk Sindelfingen bei Stuttgart hat der Konzern Absichtserklärungen mit dem Betriebsrat unterschrieben, wonach dort künftig E-Autos entstehen sollen.

Unter der Marke EQ entwickelt Daimler eine ganze Serie von Elektrofahrzeugen. Den Auftakt soll zum Modelljahr 2019 eine Geländelimousine sein, die auf der Basis des Mercedes GLC gefertigt werden soll.

Für dieses Modell steuert das Werk in Bremen heute die Produktion weltweit. Die Fabrik in Sebaldsbrück gehört zu den größten Werken des Konzerns, mit 12.500 Mitarbeitern ist sie zudem wichtigster privater Arbeitgeber in der Region. Für die langfristige Entwicklung des Standorts gilt es jedoch als wichtig, dass Bremen auch am Bau von Elektrofahrzeugen beteiligt ist.

Norddeutschland werde eine „Schlüsselrolle“ bei der Elektroauto-Offensive von Daimler spielen, sagte Zetsche. Auch im Werk in Hamburg-Harburg sollen Komponenten für E-Autos gefertigt werden. In die Erweiterung der Fabrik investiert der Konzern bis 2012 ungefähr 500 Millionen Euro. Dort produziert Daimler Achsen- und Achsenkomponenten, Leichtbaustrukturteile, Lenksäulen und Abgastechnologie.

Das Werk in Bremen bereitet sich seit ­Monaten auf die Produktion des neuen Elektro-Mercedes vor, hat unter anderem Anlagen, Werkzeug und Flächen bereitgestellt. „Wir sind sofort startbereit“, sagte Betriebsratschef Michael Peters dem WESER-KURIER. Auch mit Zulieferern seien Gespräche geführt worden. Die Belegschaft an der ­Weser gehe „fest davon aus“, das Elektromodell zu produzieren. Allerdings sei die endgültige Entscheidung im Konzern nach wie vor nicht gefallen, sagte Peters.

Bremen steht als Produktionsstandort für Daimlers neue Elektrofahrzeuge auch in Konkurrenz zu China. Wegen der staatlichen Förderung dürfte der dortige Markt für E-Autos in den kommenden Jahren besonders stark wachsen.

Daimler prüfe „die Produktion von Elektrofahrzeugen an allen Standorten von Mercedes-Benz Cars“, sagte eine Konzernsprecherin. „Dazu sind wir in ständigem Austausch mit den Arbeitnehmervertretern. Wir produzieren da, wo wir die besten Rahmenbedingungen in Bezug auf Know-how, Flexibilität und verfügbare Kapazitäten haben.“ Noch sei der Konzern „mitten im Entscheidungsprozess“.

Werk in Sebaldsbrück hat seine Produktion hochgefahren

Unter anderem wegen stark gestiegener Verkaufszahlen im Geschäft mit großen Geländelimousinen („Sports Utilitiy Vehicles“, SUV) hatte das Werk in Sebaldsbrück seine Produktion zuletzt deutlich hochgefahren. Doch langfristig könnte der Absatz von Autos mit klassischem Verbrennungsmotor spürbar zurückgehen – auch wegen die Diesel-Krise.

Eine Produktion von Elektromodellen inBremen sichere Arbeitsplätze, sagte Betriebsratschef Peters. „Und natürlich haben wir die Hoffnung, dass damit auch Einstellungen verbunden wären.“

Bis 2025 will Daimler mehr als zehn vollelektrische Fahrzeuge am Start haben. ­E-Autos sollen dann aber erst 15 bis 25 Prozent des Gesamtabsatzes ausmachen. Unter der neuen Marke EQ wolle der Konzern Daimler alleElektro-Aktivitäten bündeln, kündigte Zetsche an – von E-Autos über die Produktion von Energiespeichern bis zum nachhaltigen Batterierecycling.

Das erste Modell wurde vergangenen Monat präsentiert

Das erste Modell der Serie hatte der Konzern vergangenen Monat beim Autosalon in Paris präsentiert. Der mit Allradantrieb ausgestattete Viersitzer soll eine Reichweite von bis zu 500 Kilometern haben. Das Auto ist eine Antwort der Stuttgarter auf das „Model X“ des Elektroautopioniers Tesla.

Auch andere Hersteller wollen in den kommenden Jahren E-Autos dieser Fahrzeugklasse auf den Markt bringen oder haben solche Modelle bereits eingeführt. „Spätestens 2025 wollen wir unseren Wettbewerbern in Sachen E-Mobilität die Rücklichter zeigen – egal ob sie aus Bayern kommen oder aus Kalifornien“, sagte Zetsche. „Das ist ambitioniert, aber es ist auch erreichbar.“

Allerdings könne Daimler die Weiterentwicklung der Verbrennungsmotoren nicht einstellen, da 2025 noch rund 75 Prozent der Fahrzeuge mit Diesel- oder Benzinantrieb ausgestattet sein würden. „Wir werden ­sicherlich eine lange Zeitstrecke noch die größten Reduzierungen im CO2-Ausstoß über noch effizientere Verbrennungsmotoren erreichen“, sagte der Konzernchef.

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