Bericht der Bremer Gesundheitsdeputation

Lagerung von Schutzausrüstung und Impfzubehör verursacht hohe Kosten

Die Gesundheitsdeputation befasste sich auf ihrer jüngsten Sitzung nicht nur mit Corona. Es gab auch eine neue Risikobewertung der Verunreinigung der Ochtum mit PFC-Verbindungen vom Bremer Flughafen.
17.02.2021, 05:00
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Von Sabine Doll und Timo Thalmann

Die Corona-Pandemie beherrscht zum größten Teil die Tagesordnung der Gesundheitsdeputation an diesem Dienstag.

Die Kosten für die Lagerung von Schutzausrüstung, Desinfektionsmitteln und Impfzubehör wird Bremen für das laufende Jahr voraussichtlich etwa eine halbe Million Euro kosten. Aktuell sind dafür zwei Standorte in der Stadt angemietet, ein dritter wird kostenfrei von der Feuerwehr Bremen zur Verfügung gestellt. Dieses Lager für Desinfektionsmittel muss jedoch aufgelöst werden, weil die Genehmigung dafür ausläuft. Das geht aus einer Vorlage hervor, mit der sich der Senat am 9. Februar befasst hat. Damit verbleiben die zwei Standorte „Industriehafen“ und „Neustädter Hafen“.

Die Kosten für Miete und Bewirtschaftung schlagen nach der Berechnung der Gesundheitsbehörde insgesamt mit 407.379,61 Euro für das laufende Jahr zu Buche. Aktuell sei nicht absehbar, wie sich die pandemische Lage und die Marktsituation entwickelten. Um finanziellen Spielraum für unvorhergesehene zusätzliche Kosten zu haben, werde daher ein Kostenaufschlag um 25 Prozent angenommen. „Damit werden für die Anmietung und Bewirtschaftung der Lagerstätten Haushaltsmittel in Höhe von 500.000 Euro für das Jahr 2021 benötigt“, heißt es in der Vorlage, der der Senat bereits zugestimmt hat. Sie wurde der Gesundheitsdeputation an diesem Dienstag zur Kenntnis vorgelegt. Eine vollständige Deckung aus dem Budget des Gesundheitsressorts sei nicht möglich, die zusätzlichen Kosten sollen deshalb mit Mitteln aus dem Bremen-Fonds gedeckt werden. Mögliche Bundes- oder EU-Mittel, die im Laufe des Jahres noch dazu kommen könnten, würden die Inanspruchnahme aus dem Bremen-Fonds reduzieren.

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Es gab aber auch andere Themen: So lag den Deputierten auch ein neuer Bericht über die Belastung der Ochtum mit per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC) vor. Sie stammen aus Löschschäumen, die am Bremer Flughafen bis zum Jahr 2003 bei Feuerschutzübungen verwendet wurden. Seit 2010 sind die Substanzen zwar verboten, doch die Verunreinigung der umliegenden Gewässer ist weiterhin vorhanden. Im Jahr 2019 riefen die Bremer Behörden offiziell einen „PFC-Schadensfall am Bremer Flughafen“ aus. Die Verbraucherschutzministerien in Bremen und Niedersachsen gaben die dringende Empfehlung, keine Fische aus der Ochtum mehr zu essen. Inzwischen wurden die Substanzen auch in Leber und Milch von Weidetieren gefunden, die an der Ochtum grasen. Betroffen sind zudem zahlreiche private Gärten in Grolland, deren Bewässerung über mit der Ochtum verbundene Gräben geschieht. Die Besitzer haben dort für den Eigenbedarf Ost und Gemüse angebaut. Eine Untersuchung von rund 50 Proben der Früchte ergab aber keine Bedenken über den Verzehr durch Erwachsene, denn die gefundenen Mengen bewegten sich knapp oberhalb der Nachwuchsgrenze.

Neu ist seit September 2020 ein Gutachten von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Dort wurde im Unterschied zu früheren Betrachtungen bei einer Risikoabschätzung die Summe der am häufigsten auftretenden PFC-Verbindungen bewertet. Das Ergebnis ist ein neuer gesundheitlicher Richtwert von höchstens 4,4 Nanogramm pro Kilogramm Körpergewicht pro Woche. Gegenüber den bisherigen Richtwerten bedeutet das eine neuerliche Absenkung der Höchstmenge. Außerdem wurden weitere Auswirkungen studiert. So gibt es jetzt Hinweise, dass PFC-Verbindungen bei Kleinstkindern auf das Immunsystem wirken, sodass Impfungen eine verminderte Wirkung zeigen. Das Problem: Die bislang verfügbaren Messmethoden reichen kaum aus, um die zumeist sehr niedrigen Gehalte in den verschiedensten Lebensmitteln zuverlässig nachzuweisen.

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