Breminale „Das Filetstück an der Weser“

Susanne von Essen und Max Maurer sind seit vielen Jahren mit der Breminale fest verbunden. Im Interview sprechen sie über vergleichbare Veranstaltungen und ihre Wünsche für die Breminale.
21.06.2017, 19:29
Lesedauer: 5 Min
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Von Florian Meyer

Was habt Ihr 2007, das einzige Jahr, in dem die Breminale ausgefallen ist, gemacht?

Max Maurer: Ende 2006, Anfang 2007 wollte ich bei der Breminale mein Praktikum machen, das ich innerhalb meines damaligen Studiums absolvieren musste. Da die Breminale ausfiel, hatte sich das erledigt. Eine Alternative kam für mich nicht infrage, denn es musste die Breminale sein. Die war immer mein Traum. Also habe ich ein Jahr gewartet. Allerdings habe ich mich bereits vorher um die PC- und Netzwerkprobleme bei der Breminale gekümmert. 2008 habe ich dann mit Susanne das erste Mal Ideen und Visionen umgesetzt.

Susanne von Essen: 2007? Da war ich gerade in Elternzeit/Mutterschutz. Ich habe im November 2007 mein zweites Kind bekommen. Um die Weihnachtszeit saß ich mit Carsten Werner, damals künstlerischer Leiter der Schwankhalle, zusammen, und der erzählte mir, dass sich die Breminale neu aufstellen will. Damals kannte ich auch die Veranstalter nicht. Aber die Breminale, das Filetstück an der Weser, war mir natürlich ein Begriff. Für mich war das schon immer eine visionäre Veranstaltung, und so habe ich gleich angefangen, mit Carsten Werner Konzepte zu schreiben. Bereits im Januar hieß es, wir sollen uns mit der Breminale 2008 auseinandersetzen. Und das haben wir auch gemacht.

Was habt Ihr verändert?

Vieles! Für uns sollte zum Beispiel das Gelände größer werden. In der Anfangszeit war das Areal quasi in der Mitte der jetzigen Fläche zu Ende, was heute nur schwer vorstellbar ist. Das Gelände hinter der Kunsthalle könne man nicht bespielen, hieß es. Heute ist es fester Bestandteil.

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Max Maurer: Damals war man auch der Meinung, da würde doch keiner hingehen! Das war einfach in den Köpfen verankert. Und auch als wir mit den Freifunkern ein WLAN auf der Breminale eingeführt haben, waren alle der Meinung, wer braucht das denn schon? Heute sind alle froh, dass es da ist: Das Handynetz wird entlastet, und die Besucher kommunizieren über das drahtlose Netz, verabreden sich oder nutzen die Breminale-App, um zu wissen, was wo und wann stattfindet: Eine große Veränderung schon 2008 war der vertraglich festgelegte Abbau am Sonntagabend nach 22 Uhr, damit die Atmosphäre bis zum Ende so blieb, wie wir gerne haben wollten. Dafür sind wir anfangs von einigen Standbetreibern sogar beschimpft worden. Das ging so weit, dass ich Poller gesetzt habe, um die Kollegen vom Entfernen der Veranstaltung zu hindern.

Kennt Ihr vergleichbare Veranstaltungen?

Die Kieler Woche und Bochum total sind auch beide komplett eintrittsfrei und bieten ein breites Angebot an Kultur, aber dort gibt es nicht diese Magie. Die Breminale sorgt für eine Atmosphäre, die einzigartig ist, hier öffnet man sich und stellt beispielsweise fest, dass einem afrikanische Musik gefällt. Und das Flanieren inmitten der Kultur an Deich und Weser ist einfach nur bei uns möglich. Und wie viele Veranstaltungen gibt es, die sich über einen Zeitraum von 30 Jahren immer wieder neu erfunden haben?

Stichwort Kulinarik …

Susanne von Essen: Sehr gutes Stichwort. Wir sprechen über jeden Stand und mit jedem Betreiber. Das Essen hat eine hohe Qualität auf der Breminale. Regionale und Bio-Produkte liegen uns besonders am Herzen. Bei der Auswahl fällt es sogar mir schwer, zu sagen, was ich am liebsten esse.

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Max Maurer: Vielfältigkeit ist wichtig, extrem wichtig: Verschiedene Landesküchen, regionale Spezialitäten und viel Abwechslung, dazu kommt dieses Jahr die neue Biopromenade. Wichtig ist uns ebenfalls, dass die Stände anders aussehen als bei gewöhnlichen Volksfesten, sie sollen idealerweise vom Look her zur Breminale passen. Für mich persönlich ist die Portion Pommes auf jeder Veranstaltung eine Pflichtkür, gerne auch mit etwas verrückteren Saucen.

Die Tage vor und vor allem während der Breminale sind für Euch mit einem enormen Stresspegel verbunden. Wohin zieht Ihr Euch zurück, wenn Ihr mal zwei Minuten Ruhe braucht?

Max Maurer: In der Tat braucht man ab und an mal etwas Ruhe, aber eigentlich ist das nicht richtig möglich. Aber ich habe mich des Öfteren dabei erwischt, dass ich bei dringenden Besorgungen kurz im Viertel angehalten und mich mit Kaffee und Bagel für zwei Minuten hingesetzt habe. Das passiert fast automatisch.

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Susanne von Essen: Wir sind natürlich an den Breminale-Tagen immer präsent, und auch wenn man sich mal kurz in einen der Backstageräume setzt, hat man nicht wirklich Ruhe. Ich bekomme jedes Jahr einen Hausschlüssel von Freunden, die in der Nähe wohnen. In einem Jahr bin ich tatsächlich einmal in die Wohnung gegangen, um ein Telefonat zu führen. Dort war es aber so ruhig, dass es sich für mich falsch anhörte.

Es war irgendwie skurril, es fühlte sich nicht richtig an. Und so bin ich wieder zurück in den Trubel gefahren, und seitdem gehe ich dort auch nicht mehr hin – so lieb das Angebot auch ist. Stattdessen nehme ich auf dem Festivalgelände mit dem Rad manchmal einen Umweg und fahre hinten rum über die Altmannshöhe (ein Ehrendenkmal hinter der Kunsthalle, Anmerkung der Redaktion). Das sind vielleicht anderthalb Minuten, aber die sind erholsam wie 30 Minuten und laufen in solchen Momenten fast automatisch ab.

Gibt es seit dem Umzug der Breminale in den Juli noch Überschwemmungen?

Unser Wunsch war, den Termin der Veranstaltung vom Mai in den Juli zu verschieben – und das haben wir auch gleich umgesetzt. Seit 2008 ist der Juli unser Veranstaltungsmonat. Dann kollidieren wir auch nicht mit anderen Häusern in der Stadt, und mit den Tourplänen von vielen Musikern passt es im Sommer meist auch besser. Dass Künstler exklusiv für uns anreisen, ist auch finanziell in der Regel nicht machbar.

Max Maurer: Wir wählen den Termin unter anderem auch nach dem Wasserstand aus, um den Überflutungen aus dem Weg zu gehen. Es sind Tage, an denen die Überflutungen in den frühen Morgenstunden stattfinden und somit nicht mit dem Veranstaltungsablauf kollidieren. Über die Ufer tritt die Weser ja das ganze Jahr, aber in Kombination mit schlechtem Wetter und Westwind kann es unangenehm werden. Dass unsere Entscheidung richtig war, zeigen die vergangenen Jahre. Früher wurde die Breminale meist mit Regen in Verbindung gebracht, in den letzten Jahren gab es vornehmlich Sonne, und wenig Wasser …

Wenn Ihr Euch für die Breminale etwas wünschen könntet, was wäre das?

Susanne von Essen: Ich würde gern die Bremer mal übers Wasser schicken. Und auf einem Theaterfestival in Belgien habe ich ein Projekt gesehen, bei dem die Gäste das Balancieren über dem Wasser ausprobieren und lernen konnten. Das war toll – und die Leute hatten das schnell drauf. Ansonsten habe ich schon länger den Wunsch nach einer Winter-Breminale. Die könnte beispielsweise im Weserstadion stattfinden, keiner kriegt nasse Füße.

Max Maurer: Die Idee könnte aber auch auf der Bürgerweide funktionieren. Wenn ich mich unabhängig von Geld und Platz frei entscheiden könnte, würde ich noch mehr mit Licht machen, um die Breminale noch stärker mit Licht zu verzaubern. Dazu wünsche ich mir viele kleinteilige Projekte zum Entdecken und verrückte Kunstinstallationen.

Susanne von Essen und Max Maurer sind seit vielen Jahren mit der Breminale fest verbunden. Maurer war schon als kleiner Junge euphorischer Gast auf der Breminale und spielte als Teenager mit seiner Band, den Posers, bereits unter einer der Zeltkuppeln. Susanne von Essen zog es eher zufällig zu einem Konzert von Frank Black und war sofort begeistert von der besonderen Atmosphäre am Deich. Angefangen haben beide als freie Mitarbeiter, seit 2013 läuft die Veranstaltung unter ihrer alleinigen Regie. Auch nach zehn Jahren auf der Breminale strotzen die beiden voller Ideen.

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