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Streit um Alkoholverbot auf Bremer Freimarkt

Bremen plant einen verkleinerten Freimarkt als temporären Freizeitpark - ohne Alkohol und Festzelte. Unklar ist, wer das Volksfest ausrichtet. Die Schausteller weigern sich wegen des Alkoholverbots.
09.09.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Streit um Alkoholverbot auf Bremer Freimarkt
Von Pascal Faltermann
Streit um Alkoholverbot auf Bremer Freimarkt

Die Veranstaltungsgesellschaft Bremer Schausteller (VBS) will wegen des vorgeschriebenen Alkoholverbots nicht als Organisator auftreten.

Christina Kuhaupt

Acht Eckpunkte hat Bremens Senat vorgegeben, wie der 985. Freimarkt veranstaltet werden könnte. Dazu gehört unter anderem ein Alkoholverbot. Die Bedingungen sehen einen privaten, temporären Freizeitpark auf der Bürgerweide vor, kein Volksfest wie in den Vorjahren. Das wurde in einer Sitzung am Dienstag beschlossen. Bislang ist aber unklar, wer das Volksfest ausrichtet.

Die Veranstaltungsgesellschaft Bremer Schausteller (VBS) will wegen des vorgeschriebenen Alkoholverbots nicht als Organisator auftreten. Die Stadt als bisheriger Veranstalter sucht einen privaten Ausrichter. „Die Regeln sind ein Angebot an die Schausteller“, sagte Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD). Die Marktkaufleute sehen die Chancen schwinden, dass es überhaupt zu einer abgespeckten Version des Rummels kommen wird.

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Ein Zaun um das gesamte Gelände, Einlasskontrollen, maximal 6000 Menschen, kein Alkohol, keine Festzelte und weniger Karussells – mit solchen Einschränkungen stimmt der Senat dem temporären Freizeitpark zu. Masken müssten nicht überall getragen werden, wären aber an Ein- und Ausgängen und beim Schlangestehen Pflicht. „Der Fokus liegt auf den Familien, weniger auf Party – wir wissen, dass das erhebliche Einschränkungen sind, aber das verlangt die Corona-Pandemie“, sagte Bovenschulte.

Der Senat hoffe, dass er sich mit den Schaustellern in den kommenden Tagen verständigen könne. Die Betreiber von Fahrgeschäften und Buden müssten selbst entscheiden, ob sie unter diesen Umständen am Freimarkt teilnehmen. „Wir wollen den Schaustellern eine finanzielle Kompensation anbieten“, sagte Bürgermeisterin Maike Schaefer (Grüne). Dazu müssten Gespräche geführt werden.

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Strittig war im Senat das Alkoholverbot. In der Kabinettssitzung hatte Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke), in deren Aufgabengebiet der Freimarkt fällt, für den Ausschank von Bier und Wein votiert, hochprozentiger Alkohol sollte verboten bleiben. Damit konnte sie sich nicht durchsetzen: Die anderen Senatsmitglieder überstimmten sie. Normalerweise entscheidet der Senat einheitlich. „Der Alkoholausschank birgt ein zu großes Risiko“, sagte Schaefer.

„Einen Corona-Ausbruch können wir uns nicht leisten.“ Das sorgte für Krach in der Koalition: Kristina Vogt nahm nicht wie vorgesehen an der Pressekonferenz teil. Auf Nachfrage wollte sie sich dazu nicht äußern und verwies an den Bürgermeister. Auf die Suche nach einem Veranstalter soll nun die Senatskanzlei gehen.

„Das ist ein Desaster, eine Katastrophe“, sagte Susanne Keuneke, Vorsitzende des Verbands der Schausteller und Marktkaufleute. Das Alkoholverbot sei das K.-o.-Kriterium gewesen. Unter diesen Voraussetzungen könnten sich die Schausteller nicht vorstellen, einen temporären Markt zu veranstalten, sagt VBS-Geschäftsführerin Bettina Robrahn-Böker.

In zahlreichen Arbeitsgruppen habe man sich mit der Stadt auf Kompromisse geeinigt, „weiter zurückstecken können wir nicht“. Rudolf Robrahn, Geschäftsführer des Bremer Schaustellerverbands, sieht eine Ungleichbehandlung gegenüber der stationären Gastronomie. Niedersachsen erlaube in den Einrichtungen solcher Freizeitparks den Ausschank von Alkohol.

Möglich ist das bei der Ersatzveranstaltung für den ausgefallenen Stoppelmarkt in Vech­ta. Vom 10. September bis 4. Oktober dürfen im Freizeitpark Vechta Alster Wein und Bier getrunken werden. Laut Karl-Heinz Wehry, Geschäftsführer des Vereins reisender Schausteller Vechta, der Betreiber des Parks auf dem Stoppelmarkt-Areal ist, sei der Platz groß genug, damit 2500 bis 3000 Personen Abstand halten können. Genügend Sicherheitspersonal soll für das Einhalten der Regeln sorgen. Ähnlich sieht es beim Freizeitpark in Bruchhausen-Vilsen aus, der statt des Brokser Heiratsmarkt veranstaltet wird.

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Auf Alkohol verzichten müssen die Gäste des Hamburger Winterdoms vom 6. November bis 6. Dezember. Wie Hamburgs Gesundheitssenatorin Melanie Leonhard (SPD) am Dienstag mitteilte, werde das Volksfest genehmigt, wenn sich das Infektionsgeschehen bis Anfang November nicht gravierend verschlimmere. Die Besucherzahl auf dem umzäunten Heiligengeistfeld werde auf 6000 begrenzt. Lüneburg will den Weihnachtsmarkt vor dem historischen Rathaus veranstalten, wartet aber auf ein Zeichen vom Land.

Der Heidepark Soltau hat seit dem 25. Mai geöffnet. Er unterwirft sich diversen Auflagen: Die Kassen sind geschlossen, der Eintritt ist nur mit vorgebuchten Tickets möglich. Eine Maskenpflicht gilt in allen Fahrgeschäften, den Geschäften und in der Gastronomie. Der Mindestabstand von 1,50 Meter zwischen den Besuchern gilt auf dem gesamten Gelände des Heideparks. Alle Flächen, die von vielen Besuchern berührt werden, werden laut Park regelmäßig gereinigt. Die Sitz- und Platzkapazitäten sind beschränkt worden.

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