Serie: 9 Arten, den Freimarkt zu erleben Frösche und saure Gurken: Mit dem TuS Huchting beim Eröffnungstag

Wie ist es, mit einer großen Gruppe über den Freimarkt zu laufen - und das auch noch bei der Eröffnung? Wir haben die Leichtathleten vom TuS Huchting begleitet. Für sie ist der Besuch am ersten Freitag Tradition.
14.10.2017, 09:59
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Frösche und saure Gurken: Mit dem TuS Huchting beim Eröffnungstag
Von Alice Echtermann

24 Leute. Der eine will Fischbrötchen, der nächste Bier, der dritte Schmalzkuchen, und ständig verliert man sich in der Menschenmenge aus den Augen. Wie ist es, mit einer großen Gruppe über den Freimarkt zu laufen? Im ersten Teil der Freimarkt-Serie des WESER-KURIER begleiten wir Lena Koslowski und die Leichtathleten vom TuS Huchting.

19 Uhr: Treffpunkt Elefanten-Denkmal

Lena: "Seit ich mich erinnern kann, treffen wir uns immer am Elefanten, immer am ersten Freitag. Dieses Mal sind wir aber wirklich viele. In manchen Jahren sind wir auch mit nur acht Leuten über den Freimarkt gelaufen."

Lena ist seit der fünften Klasse Mitglied der Leichtathletik-Gruppe im TuS Huchting. Damals ging sie noch nicht mit der Gruppe auf den Freimarkt, aber als sie 15 Jahre alt war begann auch für sie diese Tradition, die so lange zurückreicht, dass sich kaum jemand an ihren Anfang erinnern kann. Manfred schätzt, dass er selbst schon seit 20 Jahren mit dem Sportverein auf den Freimarkt geht. An diesem Abend sind sich alle einig, dass das Wetter ungewöhnlich gut ist. Ihren Freimarkt-Besuch ziehen die Leichtathleten auch bei Wind und Regen durch - sie sind also schlechteres gewöhnt.

Eugen: "Ich versteh' das nicht, müsste es nicht kalt sein und regnen?"

Langsam setzt sich die Gruppe in Bewegung, hin zum hell erleuchteten Eingang zur Bürgerweide. Die Musik wird lauter, es riecht nach zuckrigem Essen.

Kevin: "Gibt es eigentlich irgendwas Neues dieses Jahr?"

Lena (lacht): "Ja, einen zusätzlichen Schmalzkuchenstand."

Manfred (blättert in seinen City-for-2-Gutscheinen): "Ich vergesse die jedes Jahr. Jetzt muss ich nur noch die richtigen Läden finden. Wir müssen auf jeden Fall zum Fischer-Huus!"

19.20 Uhr: Eingang

Die Gruppe kommt wenige Meter hinter dem Eingang zum Freimarkt zum Stillstand. Einige von ihnen wurden bei der Taschenkontrolle aufgehalten.

Lena: "Ich gönne es den Freimarkt-Leuten wirklich, dass der Sturm vorbei ist. In den letzten Jahren musste der Freimarkt ja oft komplett geschlossen werden. Heute ist perfektes Wetter.

Und wie ist der Plan für den Abend?

Lena: "Bei uns läuft das eigentlich immer so: Einmal rum, von Bierbude zu Bierbude und zwischendurch was essen."

Kevin: "Eine ganze Runde schaffen wir eh nicht."

Nach zehn Metern ist erneut Stopp, die ersten holen sich Brezeln und Getränke. Sebastian zieht eine Plastikflasche aus seinem Rucksack und schenkt für alle Wodka in kleine Becher ein. Dazu reicht er eine Tüte mit sauren Gürkchen herum.

Sebastian: "Nachdem wir letztes Jahr vergeblich den Gurken-Stand gesucht haben, haben wir unsere eigenen Gürkchen mitgebracht."

Jessica: "Wollen wir nicht mal weiter?"

19.45 Uhr: Gurken-Stand

Sehr zur Freude der Gruppe steht der gesuchte Stand nur wenige Meter entfernt. Sebastian und Manfred kaufen eingelegte Gurken.

Sebastian: "Ich habe den Mann gerade gefragt, er sagt der Stand war wirklich letztes Jahr nicht hier."

Nadine (raunt): "Das ist eine sehr eklige Tradition. Gefühlt beißen alle einmal von dieser Gurke ab."

20 Uhr: Fischbrötchen

Lena: "Da vorne ist ein Langos-Stand, aber das ist nicht der gute Langos. Den gibt's auf der anderen Seite der Bürgerweide. Ich überlege gerade, ob ich mir da gleich eine Stempelkarte holen soll. Auf dem Weg von der Arbeit nach Hause komme ich da nämlich immer vorbei."

Manfred hat unterdessen das "Fischer-Huus" gefunden und zwei Fischbrötchen gekauft.

20.10 Uhr: Los-Bude

Die Gruppe ist merklich kleiner geworden, ein Teil ist außer Sichtweite gelaufen.

Lena: "Wir haben uns hier eigentlich noch nie verloren."

Marco: "Doch, vor zwei Jahren ist ein Teil von uns im Bayernzelt geblieben."

Manfred kauft ein Paket Lose und verteilt sie an die Gruppe zum Aufreißen. Die Gewinne, Lose mit einer Punktzahl und dem Namen einer Stadt oder eines Landes darauf, sammelt er ein. Irgendwann hat er einen dicken Stapel Papierstreifen in der Hand.

Lena: "Hoffentlich kriegen wir nicht das Einhorn!"

Der Mann von der Losbude wirft der Gruppe einen kleinen, weißen Plüschhund zu. Erst beim Gehen entdeckt jemand das Schild, auf dem die Los-Kombinationen für den Hauptgewinn stehen: Länder und deren Hauptstädte. Unruhe bricht aus - unglücklicherweise hat keiner darauf geachtet, ob diese Kombinationen unter den abgegebenen Losen waren. Aber die Enttäuschung hält nicht lange an; das Einhorn wollte ja ohnehin niemand haben.

20.25 Uhr: "Happy Traveller"

Der andere Teil der Gruppe hat beim "Happy Traveller" gewartet.

Andreas: "Wo wart ihr denn die ganze Zeit?"

Allmählich wird es ziemlich eng, die Menschenmenge schiebt sich durch den Gang zwischen den Buden. Es ist warm. Lena hat sich ihre Jacke um die Hüfte gebunden. Nach einem Zwischenstopp beim Getränkestand "Hanse-Kogge" geht es kurz weiter - aber nicht lange. Manche müssen zur Toilette, die anderen trinken den Rest Wodka. Lena verzichtet auf die Gurke; sie hat sich gerade mit Schokolade überzogene Erdbeeren am Spieß geholt.

21.10 Uhr: Frösche kloppen

Beim Frösche-Spiel kauft Jessica 23 Gummifrösche - damit alle einmal draufhauen können, um den Frosch in die sich drehenden Seerosen hüpfen zu lassen. So ist das den ganzen Abend: Wenn einer Bier holt, dann für alle. Wer gebrannte Mandeln oder Schmalzkuchen kauft, teilt sie mit den anderen.

Um das Gewinnen geht es niemandem - trotzdem freut Jessica sich über das gemeinsam erarbeitete Stofftier.

21.45 Uhr: Feuerwerk

Fahrgeschäfte sind nicht ganz so beliebt bei den meisten, aber einige aus der Gruppe fahren eine Runde mit dem "Commander" und der großen Achterbahn "Teststrecke". Als das Feuerwerk beginnt, stehen alle vor der "Kajüte".

Zweieinhalb Stunden nachdem sie den Freimarkt betreten haben, hat die Gruppe gerade einmal ein Fünftel der Strecke geschafft.

Nadine: "Letztes Jahr haben wir für eine Runde fünf Stunden gebraucht."

Die Leichtathleten vom TuS Huchting werden die Runde auch an diesem Abend nicht mehr vollenden, und auch ihren Langos wird sich Lena an einem anderen Tag holen müssen. Doch darum, möglichst viel zu schaffen, geht es ihnen auch nicht. Wichtig sind das gemeinsame Erlebnis, die Gespräche - und das leckere Essen.

9 Arten, den Freimarkt zu erleben

Für diese Serie begleitet der WESER-KURIER ganz unterschiedliche Menschen bei ihrem Besuch des Bremer Freimarkts. Wie erlebt ihn ein Sanitäter, wie eine Mutter mit ihrem Kind, ein Mitarbeiter eines Fahrgeschäfts oder jemand mit Handicap? In diesen zwei Wochen sehen wir den Freimarkt durch ihre Augen.

Teil 2: Autoscooter - Nebel, Sprüche und ganz viel Coolness

Teil 3: Auf Freimarkt-Streife mit der Polizei: "Immer wissen, wo Stress ist"

Teil 4: Pflaster und Helene Fischer: Mit den Johannitern beim Frühschoppen

Teil 5: Mutter-Tochter-Besuch: Nichts geht über Schmalzkuchen

Teil 6: Licht, Musik, Gerüche: So erlebt eine blinde Frau den Freimarkt

Teil 7: Mit dem Rollstuhl im Riesenrad

Teil 8: Höher, schneller, weiter: Drei Flüchtlinge erkunden den Freimarkt

Teil 9: Seniorenheim: "Wir machen unseren eigenen Freimarkt"

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