Serie: 9 Arten, den Freimarkt zu erleben Höher, schneller, weiter: Drei Flüchtlinge erkunden den Freimarkt

Was erleben drei junge Männer aus Afghanistan oder Somalia auf dem Freimarkt? "Infinity", "Testrecke", Riesenrad oder "Top In" - sie kommen vor allem für die Fahrgeschäfte und den Nervenkitzel.
28.10.2017, 16:10
Lesedauer: 3 Min
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Von Christine Leitner

Der Freimarkt ist für sie ein Treffpunkt mit Freunden: Magsood Shafai aus Afghanistan, Weedshane Ahmal aus Somalia und Mahdi Hosseini sind vor zwei Jahren nach Deutschland gekommen und leben in der Borgfelder Warft, einer festen Unterkunft mit Wohngruppen für unbegleitete junge Flüchtlinge. Die jungen Männer gehen vor allem wegen des Nervenkitzels auf den Freimarkt. Für den achten Teil der Freimarktserie des WESER-KURIER haben wir die Flüchtlinge und ihren Betreuer Marcel Bullert begleitet.

17 Uhr: Haupteingang des Freimarkts

Am Haupteingang stehen sie schon und warten: Magsood, Mahdi, Weedshane - und der vierte im Bunde, der lieber unerkannt bleiben möchte. Zusammen mit ihrem Betreuer Marcel Bullert wollen sie an diesem Abend über den Freimarkt bummeln.

„Ihr könnt euch schon mal überlegen, was ihr machen wollt“, schlägt Marcel direkt am Eingang vor. Denn die jungen Männer wissen noch nicht ganz genau, was sie ausprobieren wollen. Mahdi war insgesamt schon vier Mal auf dem Freimarkt, und Magsood hat das Volksfest auch schon mehrmals mit Freunden besucht. Dass die Flüchtlinge oft allein unterwegs sind, ist auch in Ordnung, sagt Marcel. Schließlich sind sie alle nicht mehr minderjährig und brauchen keinen Betreuer.

Magsood: „Letztens habe ich dieses Ding ausprobiert, das so hin- und herschwingt.“

Marcel: „Du meinst Infinitity?“

Magsood: „Ja!“ (lacht) „Das ist sehr gefährlich, aber echt gut. Wenn man Herzprobleme hat, sollte man das nicht probieren.“

Auch Weedshane weiß noch nicht so recht, was er ausprobieren möchte. Vielleicht schießen? Marcel erinnert sich, dass es irgendwo auch einen Stand zum Bogenschießen gibt. Der Betreuer hat pro Person grob 15 Euro eingeplant, weil es nur vier Jungs sind. Damit lässt sich auch einiges machen.

17.05 Uhr: Pferderennen beim "Hansa Derby"

Es dauert nicht lange und Weedshane hat sein Spiel gefunden: Er möchte beim "Hansa Derby" mitmachen. Auch Magsood lässt sich dafür begeistern und nimmt Startposition elf ein. Die Kugeln rollen, und die ersten Pferde galoppieren aus ihren Startlöchern.

Weedshane stellt sich besonders geschickt an, seine Nummer zwölf ist ganz vorne. Doch dann verliert er ganz knapp. Aber vielleicht kann er nochmal? „Später“, sagt Marcel. Es gibt schließlich noch viele andere interessante Stände. Spaß gemacht hat es aber trotzdem.

17.15 Uhr: "Teststrecke"

An der großen Achterbahn kann man natürlich nicht vorbeigehen, ohne sie einmal getestet zu haben. Weedshane, Magsood und Madhi trauen sich. Anschließend kommen alle drei mit einem breiten Grinsen wieder heraus. Madhi hat das Ganze sogar in einem Video festgehalten.

Magsood: „Man muss alles einmal probieren. Aber das andere ("Infinity") war besser. Man hatte zwar am Anfang mehr Angst und es war auch gefährlicher, aber man fühlte sich danach besser.“

Als nächstes schlägt Marcel vor, dass alle zusammen einmal Riesenrad fahren. Das findet bei allen Anklang.

17.40 Uhr: "Top In"

Vorher geht es für Weedshane aber noch in den Autoscooter "Top In". Denn Autofahren darf für ihn nicht fehlen.

Für Magsood ist das nichts, wenn alles so wild ist und alle immer wieder zusammenstoßen. Autofahren kann er zwar, aber einen Führerschein hat er nicht. In Afghanistan, wo er herkommt, sei das normal, erklärt er. Man fährt dort einfach. Hier geht das natürlich nicht.

17.55 Uhr: Riesenrad

Weiter geht es jetzt zum Riesenrad. Das gefällt Magsood besonders, weil man von hier aus weit über Bremen gucken kann.

Für die Gruppe ist der Abend aber noch nicht beendet. Ein paar Wünsche können sie sich noch erfüllen, und vielleicht geht es für den einen oder anderen nochmal ins "Infinity".

9 Arten, den Freimarkt zu erleben

Für diese Serie begleitet der WESER-KURIER ganz unterschiedliche Menschen bei ihrem Besuch des Bremer Freimarkts. Wie erlebt ihn ein Sanitäter, wie eine Mutter mit ihrem Kind, ein Mitarbeiter eines Fahrgeschäfts oder jemand mit Handicap? Zwei Wochen lang sehen wir den Freimarkt durch ihre Augen.

Teil 1: Frösche und saure Gurken: Mit dem TuS Huchting beim Eröffnungstag

Teil 2: Autoscooter - Nebel, Sprüche und ganz viel Coolness

Teil 3: Auf Freimarkt-Streife mit der Polizei: "Immer wissen, wo Stress ist"

Teil 4: Pflaster und Helene Fischer: Mit den Johannitern beim Frühschoppen

Teil 5: Mutter-Tochter-Besuch: Nichts geht über Schmalzkuchen

Teil 6: Lichter, Musik und Gerüche: So erlebt eine blinde Frau den Freimarkt

Teil 7: Mit dem Rollstuhl im Riesenrad

Teil 9: Seniorenheim: "Wir machen unseren eigenen Freimarkt"

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