Polizeistatistik 2019

Kriminalität in Bremen leicht gestiegen

Die Zahl der Straftaten im Land Bremen ist im vergangenen Jahr leicht gestiegen. Die Personalnot machte der Polizei außerdem zu schaffen. Die unbearbeiteten Fälle sind deutlich mehr geworden.
09.03.2020, 13:32
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Kriminalität in Bremen leicht gestiegen
Von Carolin Henkenberens
Kriminalität in Bremen leicht gestiegen

Präsentierten die Kriminalitätszahlen des Jahres 2019 (v.l.): Harry Götze (Polizeidirektor in Bremerhaven), Innensenator Ulrich Mäurer und Lutz Müller (Bremer Polizeipräsident)

Sina Schuldt/dpa

Die Polizei im Land Bremen verzeichnete 2019 insgesamt 78 228 Straftaten, 3704 Taten mehr als im Jahr zuvor. Auf Bremen entfielen 65 869 Taten, der Rest auf Bremerhaven. 1159 der Fälle gingen auf die Vorgänge in der Bremer Außenstelle des Bundesamts für Flüchtlinge und Migration zurück, wo Asylbewerbern illegal Aufenthalt gewährt worden sein soll. Diese Zahlen präsentierte Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) am Montag. Laut der Kriminalstatistik für 2019 ist die Zahl der Straftaten leicht angestiegen.

Die Aufklärungsquote sank 2019 leicht, von 49,2 Prozent auf 48,7 Prozent. Die polizeiliche Kriminalstatistik bildet Taten ab, die 2019 abgeschlossen wurden. Nicht bearbeitete Straftaten sind nicht enthalten, aufgeklärte oder bearbeitete Fälle aus Vorjahren dagegen schon. Eine Kriminalstatistik sei „immer eine Momentaufnahme“, sagte Polizeipräsident Lutz Müller. Aber auf mehrere Jahre gesehen zeige die Statistik Entwicklungen auf.

Deutlich wurde am Montag ebenso: Die Polizei schiebt aufgrund von Personalnot immer mehr unbearbeitete Fälle vor sich her. Ihre Zahl habe sich vergangenes Jahr auf ungefähr 15 000 summiert, sagte Jürgen Osmers, seit Anfang März Leiter des Landeskriminalamts (LKA). 2018 seien es rund 12 000 unbearbeitete Fälle gewesen, davor etwa 8000. Die durchschnittliche Bearbeitungszeit für Anzeigen wegen Körperverletzungen in Bremen sei von 65 Tagen (2015) auf 138 Tage (2019) geklettert. Wenn es Hinweise auf eine Gefährdung oder den Täter gebe, werde einer Tat sofort nachgegangen, erklärte der Polizeipräsident. Ein Beispiel seien Gewaltdelikte. Dagegen gehörten Schwarzfahren und Sachbeschädigungen zu den Straftaten, deren Bearbeitung mitunter warten müsse.

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130 Beamte seien vergangenes Jahr in 15 Sonderermittlungsgruppen gebunden gewesen, berichtete Mäurer. Sie fehlten daher für andere Aufgaben. Beispiele für solche Ermittlungsgruppen sind die „Soko Goetheplatz“, die den Angriff auf den AfD-Politiker Frank Magnitz untersuchte, und die Ermittlungsgruppe, die den Fall eines Pflegehelfers prüfte, der Frauen ohne medizinische Notwendigkeit Insulin spritzte. Zufrieden zeigte sich Mäurer darüber, dass die Zahlen beim Raub landesweit erneut gesunken sind. Es waren 757 Fälle, 59 weniger als 2018 und 374 weniger als 2012. Als Folge guter Prävention interpretierte Mäurer, dass die Zahl der Wohnungseinbrüche in der Stadt Bremen abermals abnahm – von 1618 auf 1582, wovon es 706-mal bei einem Versuch blieb. In Bremerhaven wurden mit 279 (davon 92 Versuche) fast genauso viele wie im Vorjahr verzeichnet.

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Tötungsdelikte gab es in der Stadt Bremen vier (2018: sechs). 21-mal kam es zu versuchten Tötungen, das sind 30 weniger als im Vorjahr, als eine Gruppe von Jugendlichen Steine von Autobahnbrücken geworfen hatte. In Bremerhaven wurden zwei Menschen getötet (2018: keine), achtmal blieb es beim Versuch (Vorjahr: 14). Leicht gesunken ist in Bremen und Bremerhaven zudem die Zahl der angezeigten Vergewaltigungen und sexuellen Nötigungen (von 148 auf 122). Mäurer betonte, in diesen Bereichen komme es regelmäßig zu Schwankungen.

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Im Feld Kinderpornografie und sexueller Missbrauch von Kindern registrierte die Polizei im Land Bremen deutlich mehr Fälle als im Vorjahr: 117 Fälle von Kinderpornografie (plus 49) und 137 Fälle von Kindesmissbrauch (56 mehr). Den Anstieg erklärten Osmers und Mäurer damit, dass Bremen über das Bundeskriminalamt Hinweise von amerikanischen Providern erhalten habe. Außerdem sei bundesweit festzustellen, dass Kinder von anderen Kindern pornografisches Material auf ihr Handy geschickt bekämen.

Kritik am Bearbeitungsstau bei der Polizei kam von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Bremen und CDU-Politikern. Ein großer Teil der Fälle seien in der Statistik noch berücksichtigt. Damit ergebe sich ein Bild, „als wären in der Bundesligatabelle die Heimniederlagen Werder Bremens noch überhaupt nicht eingeflossen“, monierte GdP-Vorsitzender Lüder Fasche. Für echte Bürgernähe und Bearbeitung von Ermittlungsvorgängen gebe es weiterhin zu wenig Personal. Marco Lübke, innenpolitischer Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion, erklärte: „Ich sehe die Gefahr, dass das Sicherheitsgefühl der Bürger und das Vertrauen in die Beamtinnen und Beamten nachhaltig gestört werden.“

++ Der Artikel wurde um 21.35 Uhr aktualisiert ++

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