Autobahn 27: Engpass vor dem Ende

Neubau der Lesumbrücke voll im Zeitplan

Schluss mit verengten Fahrspuren auf der Lesumbrücke über die Autobahn 27. Noch in diesem Jahr sollen wieder alle sechs Fahrstreifen zur Verfügung stehen. Kompletter Neubau ab 2025 geplant.
29.07.2020, 05:00
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Neubau der Lesumbrücke voll im Zeitplan
Von Justus Randt

Seit das Westbauwerk der Lesumbrücke über die Autobahn 27 Ende 2018 wegen Schäden gesperrt wurde, steht fest: Die mehr als 80 Jahre alte Brücke hat keine Zukunft. Jedenfalls nicht über die Dauer eines Neubaus hinaus. Dessen Planung wurde bereits im Dezember in Auftrag gegeben, von 2025 bis 2028 soll gebaut werden.

Unterdessen leben die Nutzer der A 27 mit der Verengung von sechs auf vier – außerdem schmaleren – Fahrspuren in beiden Fahrtrichtungen. Bis Ende 2020 soll das alte Stahlbauwerk soweit stabilisiert werden, dass es auch die Jahre bis zur Einweihung der neuen Brücke überdauert, und solange für den Verkehr freigegeben werden. Das Amt für Straßen und Verkehr (ASV) ist laut Nachfrage mit dem Projekt im Zeitplan.

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Der Sanierungsentwurf für die sogenannte Ertüchtigung des 110 Meter langen Bauwerks ist Sache des Landes Bremen, die bauliche Umsetzung liegt beim Bund. „In den vergangenen Monaten ist viel passiert: Die statische Nachrechnung ist durch, wir wissen exakt bis zum letzten Kilogramm, wie viel Stahl und wie viele Schrauben wir brauchen“, beschreibt ASV-Sprecher Martin Stellmann den gegenwärtigen Stand. Das Ausschreibungsverfahren stehe bevor.

„Im Moment geht es noch um das Bauverfahren, das zur Anwendung kommt: Wie kommen wir ran an die Stellen? Nach den Sommerferien ist das geklärt.“ Schließlich befindet sich ein Teil der Baustelle über der Lesum. Ziel ist laut Stellmann nach wie vor, „im Herbst zu bauen und in diesem Jahr den Verkehrswert wieder herzustellen“. Das ASV übernimmt die Auftragsverwaltung in Abstimmung mit dem Bund als Eigentümer.

Die Kosten hatte das Amt zuletzt auf „etwas über eine Million Euro“ geschätzt. Die Kostenverteilung zwischen Land und Bund hatte das Bauressort unter Senatorin Maike Schaefer (Grüne) gemäß Faustformel mit dem Schlüssel 1:9 angegeben. Die Variante der Ertüchtigung war einer von drei geprüften Wegen, wie es mit der alten Brücke weitergehen könne. Ein Gutachten hatte die Errichtung eines Behelfsbauwerks oder den Ersatz des Brückenüberbaus auf der Westseite vorgeschlagen – und zugleich die vom ASV bevorzugte Variante verworfen: Die Brücke sei irreparabel.

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Das Amt aber verließ sich auf seine Erfahrung mit anderen Stahlbauwerken und bekam Rückenstärkung durch eine weitere gutachterliche Einschätzung. Auch Senatorin Maike Schaefer favorisiert die Reparatur der Brücke als „am schnellsten umsetzbare und kostengünstigste Lösung“. Die Alternativen erschienen vergleichsweise als zu langwierig und zu aufwendig, um ein geeignetes Provisorium bis zum Neubau in wenigen Jahren abzugeben.

Eine seitens des Amtes als „Sehr wartungsanfällig“ bezeichnete Behelfsbrücke wäre zwar mit ähnlichem Zeitaufwand herzustellen gewesen, hätte aber nur zwei Fahrspuren zu bieten gehabt – wie der jetzige Engpass. Ein Brückenüberbau hätte während der späteren Neubauarbeiten über einen Umfahrungsdamm erreicht werden können und so eine Umfahrungsmöglichkeit geboten. Allein: Die Bauzeit für diese Übergangslösung wurde auf knapp zwei Jahre geschätzt.

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ASV-Sprecher Martin Stellmann hatte die Verkehrsverzögerungen durch die eingeschränkte Brückenpassage mit vormittags etwa drei, nachmittags rund fünf Minuten angegeben. Der Ärger der Pendler und anderer Verkehrsteilnehmer über den Engpass besteht fort, auch wenn es nach Angaben des ASV während der Corona-Pandemie zeitweilig bis zu 40 Prozent weniger Verkehrsaufkommen auf den Autobahnen gegeben hat.

Im Allgemeinen wird die Lesumbrücke über die A-27-Brücke täglich von rund 80 000 Fahrzeugen frequentiert, darunter knapp 6000 Lastwagen. Das Unfallgeschehen – jeweils 300 Meter vor und hinter dem Mittelpunkt der Brücke betrachtet – hat sich nach Angaben der Polizei im Vergleichszeitraum 2018 (ehe die Verengung eingerichtet wurde) und 2019 „erwartungsgemäß“ gesteigert. Und zwar von zehn Unfällen, einer mit Verletzten, auf 59 ohne Verletzte.

Im Vergleich der ersten Halbjahre 2019 und 2020 ergibt sich demnach eine vergleichbare Lage: Die Polizei nahm jeweils „rund 30 Verkehrsunfälle“ auf, verletzt wurde niemand. Acht von zehn Unfällen hätten sich im „im Längsverkehr zwischen zwei nebeneinander fahrenden Fahrzeugen“ ereignet. Dabei sei stets leichter Schaden entstanden. Die übrigen 20 Prozent der Unfälle seien beim Fahrstreifenwechsel und durch „Auffahren aus Unachtsamkeit“ passiert.

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