Energiekrise Wie kann Bremen künftig sparsam und sicher beleuchtet werden?

Einige Städte sparen jetzt bei ihrer Straßenbeleuchtung. Bremen hat sich noch nicht festgelegt, doch nun werden erste Stimmen laut, die davor warnen, beim Dimmen der Beleuchtung neue Angstorte zu schaffen.
11.08.2022, 06:08
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Wie kann Bremen künftig sparsam und sicher beleuchtet werden?
Von Sara Sundermann

Im Zuge der Energiekrise wird es dunkler in einigen Städten. Das geschieht nicht nur, weil Sehenswürdigkeiten wie zum Beispiel die Siegessäule in Berlin nicht mehr angestrahlt werden. Manche Städte – darunter Bremerhaven – verändern ihre Konzepte für die Straßenbeleuchtung. Beim Stromsparen sollte Bremen darauf achten, dass keine neuen Angsträume entstehen, fordern die Landesfrauenbeauftragte und die Bremer Seniorenvertretung.

„Es ist wichtig, jetzt Energie zu sparen“, sagt die stellvertretende Landesfrauenbeauftragte Katharina Kunze. Doch wenn das Land Bremen an der Beleuchtung des öffentlichen Raumes spare, müsse dies nach einem schlüssigen Konzept erfolgen. „Einfach den Schalter umlegen, funktioniert hier nicht.“ Dringend berücksichtigt werden müssten die Bedürfnisse von Frauen und anderen Gruppen wie Senioren, Kindern oder Menschen mit Beeinträchtigungen.

Warnung vor Angsträumen

"Ohne ausreichende Beleuchtung fühlen sich beispielsweise Frauen im öffentlichen Raum abends oder nachts häufig unsicher", so Kunze. Bremen müsse darauf achten, dass Straßen und Plätze, Tunnel und Parkhäuser, Promenaden und Brücken sowie das Umfeld von Haltestellen weiterhin genug beleuchtet seien, damit keine "Angsträume“ entstünden. "Gerade im Herbst und Winter, wo die Tage kurz sind, braucht es ein gewisses Maß an Licht, damit sich Frauen im öffentlichen Raum ohne Angst bewegen können."

Auch an Orten, an denen es spezielle Beleuchtungskonzepte für mehr Sicherheit gebe – zum Beispiel an der Discomeile oder bei der Winterbeleuchtung in Gröpelingen und Oslebshausen – sollten diese beibehalten werden. Doch man dürfe bei der Debatte über Beleuchtung nicht aus dem Blick verlieren, dass Gewalt an Frauen ein strukturelles Problem sei, betont Kunze: "Wir müssen die gesellschaftlichen Strukturen und bestehende Rollenbilder dringend verändern.“

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Auch bei der Seniorenvertretung sieht man einen Zusammenhang zwischen Sicherheit und Beleuchtung: „Man muss darauf achten, dass man nicht neue Angsträume schafft, neue dunkle Ecken, wo Leute sich nicht mehr sicher fühlen", sagt Michael Breidbach, Sprecher der Bremer Seniorenvertretung. Wenn sich die Energiekrise weiter verschärfe, müsse man genau hinsehen, sagt er. "Aber die Straßenbeleuchtung sollte man erstmal gar nicht antasten.“ Definitiv sollte man dunkle Ecken in der Bahnhofsgegend und in Gröpelingen vermeiden, fordert Breidbach.

Weimar lässt Laternen kürzer leuchten

Wegen der hohen Strompreise dimmen derzeit viele Städte und Kommunen ihre Lichter. Städte wie Berlin, Hannover, Leipzig und München verzichten künftig darauf, viele ihrer Wahrzeichen zu beleuchten. Die Stadt Weimar fährt die Dauer ihrer Straßenbeleuchtung seit Juni herunter: Die Straßenlaternen werden in der Sommerzeit 30 Minuten später ein- und 30 Minuten früher ausgeschaltet. In den Wintermonaten wird die Beleuchtungszeit um jeweils 10 Minuten reduziert. In Mainz werden weniger genutzte Fuß- und Radwege zwischen ein Uhr und fünf Uhr um 50 Prozent weniger beleuchtet. Dort plant man zudem erstmals eine bedarfsorientierte Straßenbeleuchtung: Die Laternen sollen sich nur anschalten, wenn Fußgänger und Radfahrer die Wege nutzen.

In Bremen gibt es bislang keine konkreten Beschlüsse zum Energiesparen, der Senat arbeitet derzeit an einem Vorsorgeplan. Die Beleuchtung der Sehenswürdigkeiten ist dabei ein Aspekt, der geprüft wird. Bürgerschaftspräsident Frank Imhoff setzte sich zuletzt dafür ein, die Außenbeleuchtung der Gebäude rund um den Marktplatz nachts auszuschalten. Die historischen Häuser sollten demnach in der Zeit von Mitternacht bis sechs Uhr morgens nicht mehr angestrahlt werden.

LED-Leuchten am Bremer Hauptbahnhof

Beleuchtung habe eine wesentliche Bedeutung für das subjektive Sicherheitsgefühl und sei ein elementarer Punkt in der städtebaulichen Kriminalprävention, betont das Bremer Innenressort. "Dunkle Orte bieten keine Aufenthaltsqualität, Menschen halten sich dort nicht gerne auf, und die Sozialkontrolle sinkt", sagt Behördensprecherin Rose Gerdts-Schiffler.

Aus Sicherheitsaspekten könne das Sozialressort das Ausschalten von Wegebeleuchtung oder den Verzicht auf ein Ausleuchten von dunkleren Ecken an "Angstorten" nicht empfehlen. Einsparungen bei dekorativem Licht wie zum Beispiel bei Leuchtbannern hätten aber wenig Folgen für das Sicherheitsgefühl, so die Sprecherin. Bei der Beurteilung, auf welche Lichtquellen verzichtet werden könne, müsse auch der Stromverbrauch bedacht werden. "Der Bahnhofsvorplatz zum Beispiel wurde 2018 mit einer modernen und stromsparenden LED-Beleuchtung ausgestattet", so die Sprecherin.

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