Gegen Lebensmittelverschwendung Sechs Ideen für besseren Umgang mit Lebensmitteln

Millionen Tonnen Lebensmittel landen jährlich in Deutschland im Müll. Doch mit Motivation und dem nötigen Wissen kann auch in Bremen und umzu etwas dagegen getan werden. Sechs Tipps, die dabei helfen können.
20.09.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Sechs Ideen für besseren Umgang mit Lebensmitteln
Von Simon Wilke

Zwölf Millionen Tonnen, das ist so viel, wie 60 Elbphilharmonien wiegen würden – oder aber das Gewicht der Lebensmittelabfälle, die jährlich in Deutschland im Müll landen. Studien zufolge wäre rund die Hälfte davon vermeidbar. Doch viele Menschen schätzen ihre private Menge an Lebensmittelabfällen falsch ein, wie eine Erhebung zeigt. Während hierzulande tatsächlich etwa zwölf Prozent der Lebensmittel ungenutzt im Müll landen, gingen die Befragten davon aus, nur halb so viel weggeworfen zu haben.

In der kommenden Woche soll mit der Aktion „Deutschland rettet Lebensmittel!“ für mehr Wertschätzung für Lebensmittel geworben werden. Initiator ist die Initiative „Zu gut für die Tonne!“ des Bundesernährungsministeriums. Doch nicht nur in diesem Rahmen, auch im Alltag lässt sich etwas gegen Lebensmittelverschwendung tun. Hier liegt großes Potenzial, denn mit mehr als drei Millionen Tonnen vermeidbaren Abfalls tragen die privaten Haushalte den Löwenanteil zur Gesamtabfallmenge bei. Dabei gibt es viele Möglichkeiten, wie jeder Einzelne seinen Teil zur Reduzierung der Abfallmenge beitragen kann.

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Bedarfsgerechtes Einkaufen

Der spontane Griff ins Kühlregal oder ein Vorratskauf von Sonderposten gehört zu fast jedem Einkauf dazu, doch oft enden gerade diese Produkte anschließend im Müll. Einkaufslisten können helfen. Wer weiß, was für die kommenden Tage gebraucht wird, kauft gezielt ein und hat letztendlich weniger über. Dabei gilt: Obst oder Gemüse, das kleine Druckstellen oder Schönheitsfehler aufweist, ist keineswegs schlecht. Die Makel lassen sich oft leicht entfernen. Das rettet das Produkt vor dem Mülleimer. Und: Wer Fleisch oder Fisch einkauft, sollte mit dem Verzehr nicht lange warten.

Foodsharing und Aktion „Gelbes Band“

Mehr als 17 Millionen Singlehaushalte gibt es in Deutschland, knapp 200.000 davon in Bremen. Für sie sind die üblichen Verpackungsgrößen in Supermärkten oft zu groß. Lebensmittel zu teilen kann helfen, sie vor der Tonne zu bewahren. In Bremen stehen Möglichkeiten dazu beispielsweise in der Zion-Gemein­de, auf dem Lucie-Flechtmann-Platz oder in der Hochschule bereit.

In Niedersachsen startet kommende Woche die Ernteaktion „Gelbes Band“. Um zu verhindern, dass Früchte an Bäumen und Sträuchern ungeerntet verderben, können ihre Besitzer sie mit einem gelben Band kennzeichnen und so zur allgemeinen Ernte freigeben. Wer mitmachen möchte, kann sich über die Homepage www.zehn-niedersachsen.de anmelden und bekommt zehn Bänder zur Kennzeichnung zugeschickt. Auch eine Übersicht freigegebener Pflückflächen ist dort zu finden.

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Richtiges Einfrieren

Hier gilt die Faustregel: Je frischer das Lebensmittel, desto länger hält es sich auch im ­Tiefkühler. Und wer schon vor dem Einfrieren portioniert, kann beim Auftauen besser ­dosieren. Was viele nicht wissen: Auch bereits einmal Aufgetautes kann, sofern kein Fleisch, noch einmal eingefroren werden.

Eine kleine Auswahl von Lebensmitteln, die problemlos tiefgekühlt werden können: Käse, Brot und Brötchen, Fisch und Fleisch, viele Obst- und Gemüsesorten, gekochte Nudeln. Besser nicht einfrieren sollte man dagegen ­Joghurt, rohe Äpfel und Birnen, Blattsalat und rohe Kartoffeln.

Mindesthaltbarkeit

Laut einer Umfrage für das Bundesministerium für Ernährung prüfen 91 Prozent der ­Befragten das Lebensmittel auf Genießbarkeit, nachdem das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist – und machen damit alles ­richtig. Denn die Angabe zur Mindesthaltbarkeit wird oft noch mit einem Ablaufdatum verwechselt. Wer nicht sicher ist, ob der ­abgelaufene Joghurt tatsächlich noch genießbar ist, sollte sich deshalb auf seine Sinne ver­lassen: Ansehen, Riechen und Probieren, rät die Verbraucherzentrale Bremen. Anders beim Verbrauchsdatum: Leicht verderbliche Lebensmittel sollten nach Ablauf des an­gegebenen Zeitpunktes nicht mehr gegessen werden.

Ganzheitliche Verwertung

Bereits bei der Produktion und im Handel landen eigentlich verwertbare Fleischteile oft im Müll. Wer dem entgegenwirken möchte, sollte darauf achten, möglichst alle Teile eines Tieres zu nutzen – und nicht bloß das Filetstück. „Nose to Tail“ nennt sich das Prinzip, frei übersetzt: von der Nase bis zur Schwanzspitze. Wer aber weder Innereien noch Knochen zum Kochen nutzen mag, kann darauf achten, sein Fleisch bei lokalen Händlern zu beziehen, die möglichst viele Bestandteile des Tieres verwerten.

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Apps

Auch Apps für Tablet und Smartphone können gegen Lebensmittelverschwendung helfen. Über die App „Too good to go“ beispielsweise können Gerichte günstiger gekauft werden, die sonst wohl im Müll landen würden. Das Prinzip: Restaurants, Cafés und Imbisse bieten, in der Regel kurz vor Ladenschluss, Speisen an, die nicht mehr verkauft werden würden, aber noch nicht verdorben sind.

Die „Beste Reste“-App des Bundesministeriums für Ernährung soll helfen, passende Gerichte für übrig gebliebene Lebensmittel zu finden, die bald verwertet werden müssen. Ein Fundus von rund 750 Reste-Rezepten steht dafür zur Auswahl. Außerdem informiert die App beispielsweise über Lagerung und Haltbarkeit von Produkten und gibt Tipps zum richtigen Einkaufen.

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