Ärger in der Regionalliga

FCO-Trainer Arambasic wütend über Saisonabbruch-Forderungen

Dass erste Mannschaften den Saisonabbruch fordern, machen FCO-Trainer Arambasic und den Verband wütend. Drei Varianten für Saison-Fortführung im Gespräch.
22.01.2021, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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FCO-Trainer Arambasic wütend über Saisonabbruch-Forderungen
Von Mathias Sonnenberg
FCO-Trainer Arambasic wütend über Saisonabbruch-Forderungen

Im Oktober 2020 gewann Werders U 23 (hier mit Kyu-Hyun Park) das Regionalliga-Derby gegen den FC Oberneuland (hier mit Lars Tyca). Wann der Ball in der vierten Liga wieder rollen kann, ist derzeit ungewiss.

Oliver Baumgart (hansepixx)

Von einem normalen Trainingsbetrieb mag Kristian Arambasic nicht sprechen. „Wir versuchen einfach, Fußball zu spielen“, sagt der Trainer des FC Oberneuland. Alle würden mit Demut zu Werke gehen, „ist ja nicht selbstverständlich, dass wir trainieren dürfen“. Dreimal pro Woche stehen derzeit Spieler aus seiner Regionalliga-Mannschaft auf dem Platz am Vinnenweg, im Schnitt sei immer die Hälfte des Kaders dabei. Das größte Problem von Trainer und Mannschaft: Niemand weiß, wann und ob die Saison fortgesetzt wird. Aber dass jetzt die ersten Mannschaften einen vorzeitigen Abbruch der Saison fordern, sorgt bei Arambasic für Wut. „Ich finde das total egoistisch“, sagt er und befindet sich damit auch sprachlich auf Wellenlänge mit dem Norddeutschen Fußball-Verband (NFV).

Der Norddeutsche Rundfunk hatte kürzlich berichtet, dass Regionalligisten wie Altona 93 und der Lüneburger SK ein vorzeitiges Saison-Aus für sinnvoll halten. „Wir hätten nichts gegen einen Abbruch, dann könnte man sich neu orientieren und neu planen“, sagte etwa Altonas Co-Trainer Philipp Körner. Sieht auch Rainer Zobel so, Teamchef des Staffelrivalen Lüneburger SK, der erklärte: „Ich bin für einen harten Cut.“

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Und so ganz abwegig scheint ihre Argumentation nicht zu sein – zumindest auf den ersten Blick. Denn während die meisten Teams aus den beiden Staffeln mit Blick auf die behördliche Corona-Verfügungslage derzeit nicht mal trainieren dürfen, haben es die sechs U 23-Teams der Profiklubs besser. Sie stehen trotz Lockdown weiter auf dem Platz, da sie ausschließlich Berufsfußballer unter Vertrag haben. Einige Klubs wittern Wettbewerbsverzerrung. Atlas Delmenhorst hat seit Anfang November nicht mehr auf dem Platz gestanden, die Spieler trainieren individuell. Der FCO hat eine Sondergenehmigung bekommen.

Jürgen Stebani, NFV-Spielausschussleiter, glaubt nicht, dass es Vereinen wie Altona oder Lüneburg um Wettbewerbsverzerrung geht. „Sie können schon anhand der Tabelle sehen, wer sich aufregt“, sagt er. Das seien eben jene Vereine, die von einem Abbruch profitieren würden – in der Regel in Form des Klassenerhalts. Er halte den Tunnelblick der Vereine ja für okay, aber eine Abfrage unter den 22 Regionalliga-Klubs habe ein anderes Ergebnis gehabt. „Wir wollen weiter abwarten und keine vorschnellen Entscheidungen treffen.“

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Kristian Arambasic findet das genau richtig. "Ich mag diese Ellbogen-Mentalität nicht, immer nur das Beste für sich rauszuholen und dann noch zu versuchen, andere Vereine für meine Pläne zu gewinnen." Er hält das Ansinnen einiger Vereine, einfach eine Annullierung der Saison ins Gespräch zu bringen, für dreist. "Da dreht sich bei mir alles um." Er glaubt: Der NFV wird schon die richtige Entscheidung treffen. Das sieht auch Björn Schierenbeck so, bei Werder Bremen Direktor des Leistungszentrums und verantwortlich für die U 23-Mannschaft in der Regionalliga. "Über einen Saisonabbruch zum jetzigen Zeitpunkt zu diskutieren, ist verfrüht.“ Werder würde, sofern es die Auflagen und die Zeit zulassen, die Saison gerne zu Ende spielen. "Wir hoffen, gemeinsam mit dem Verband und den anderen Teams eine gute Regelung für alle zu finden."

Wie die allerdings aussehen wird, ist noch völlig offen. Klar ist für den NFV, dass er sich nicht von den Regionalverbänden treiben lassen will. Der Hamburger Fußball-Verband etwa teilte seinen Vereinen mit, dass die Serie in der Hansestadt nur fortgesetzt wird, wenn bis zum Wochenende 27./28. Februar der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden kann. Die Hamburger Regionalliga-Klubs wären davon zwar nicht betroffen, aber Stebani nervt allein schon die Diskussion. „Ich halte das für Schwachsinn“, sagt er. Denn der Spielplan habe noch sehr viel Luft. „Wir haben ja beispielsweise noch gar keinen Wochenspieltag angesetzt.“

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Der NFV hat drei Varianten vorgestellt, wie die Saison fortgesetzt werden könnte. Bei der ersten würde nur die Hinrunde wie geplant zu Ende gespielt, gefolgt von einer gemeinsamen Auf- und Abstiegsrunde der Nord- und Südstaffel. Die zweite Variante: die beiden Staffeln spielen ihre jeweilige Hin- und Rückrunde zu Ende, die letzten drei Teams steigen jeweils ab, die Staffelsieger kämpfen in einem Endspiel darum, wer gegen den Sieger der Regionalliga Bayern um den Drittliga-Aufstieg spielt. Und bei der dritten Variante würden einfach alle 22 Mannschaften gegeneinander spielen, bereits ausgetragene Partien in der Wertung bleiben. Am Ende würden bis zu sechs Mannschaften absteigen.

Kristian Arambasic könnte mit allen Varianten leben. „Wir als Aufsteiger stellen keine Bedingungen oder Forderungen. Wir sind froh, dass wir in der Regionalliga sind, und warten ab, wie es weitergeht.“ Jürgen Stebani bastelt derweil schon an einem Spielplan. Die Hoffnung, dass die Politik nach dem derzeit angepeilten Ende des Lockdowns ab Mitte Februar wieder Fußballtraining erlaubt, ist groß. Und damit auch die Zuversicht, die Saison irgendwie noch über die Bühne zu kriegen. „Wir sind maximal flexibel“, sagt Stebani. Aber genau das scheint einigen Vereinen eben gar nicht zu passen.

Info

Zur Sache

Schierenbeck für längere Vorbereitungszeit

Die Trainingsregelung sorgte in der Regionalliga für viel Unverständnis. Die insgesamt sechs Bundesliga-Nachwuchsteams dürfen trainieren, weil dort ausschließlich Berufsfußballer unter Vertrag stehen und die Corona-Rechtsverordnung für Profisport kein Verbot vorsieht. Der FC Oberneuland bekam Mitte November eine Sondergenehmigung des Gesundheitsamtes, weil die Regionalliga dem Spitzensport zugeordnet wird. Werders Nachwuchs-Chef Björn Schierenbeck plädiert vor einer Saison-Fortführung für eine längere Vorbereitungszeit. "Aus unser Sicht muss vor einer möglichen Wiederaufnahme des Ligabetriebs jedem Verein mindestens drei bis vier Wochen Vorbereitungszeit zugestanden werden“, sagte er dem WESER-KURIER. Oberneulands Trainer Kristian Arambasic glaubt, dass drei Wochen genügen. "Die Spieler beginnen ja nicht bei null."

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