Bremer Polizeibewerber Prüfungen künftig deutlich enger am Arbeitsalltag

Die Bremer Polizei hat ihr Testverfahren für Neueinstellungen überarbeitet. Und räumt den Bewerbern in einem Prüfungsbereich sogar eine zweite Chance ein.
23.08.2019, 20:37
Lesedauer: 3 Min
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Prüfungen künftig deutlich enger am Arbeitsalltag
Von Ralf Michel

Die Bremer Polizei hat ihr Einstellungsverfahren für Polizisten überarbeitet. Geblieben ist es bei der Dreiteilung der Prüfungen – schriftlich, Sport und mündlich. Und die müssen auch weiterhin allesamt bestanden werden, um die Ausbildung beginnen zu können. Geändert haben sich jedoch die Bestandteile der Prüfungen, die sich künftig deutlicher an den realen Alltagsanforderungen von Polizeibeamten orientieren.

Dies gilt insbesondere für die Sportprüfung. Bestand sie bislang aus dem schnöden Dreiklang Sprint, Konditionsparcours und Ausdauerlauf, so tauchen im neuen Anforderungsprofil auch Elemente wie „Waffenbehandlung“, „Handkraftmessung“ oder „Hindernis überwinden und Personenrettung“ auf. Der Sprint wurde gestrichen, der Ausdauerlauf bleibt den Bewerbern erhalten (zwölf Minuten, in denen Männer 2250 und Frauen 1890 Meter zurücklegen müssen).

Fitness und Sportlichkeit nach wie vor wichtig

„Eine gewisse Fitness und ein Hang zum Sport braucht man für diesen Beruf, daran hat sich nichts geändert“, sagt Andrea Wittrock, Leiterin der Zentralen Polizeidirektion Bremen. Wer zum Beispiel in dem neuen Prüfungselement „Jump and Reach“ bestehen will, muss als Mann aus dem Stand 43 Zentimeter hoch springen, als Frau 35.

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Sehr wohl geändert hat sich jedoch die grundsätzliche Herangehensweise bei der Bewertung der sportlichen Leistungen. Bestwerte werden am Prüfungstag nicht erwartet, sondern „nur“ eine Grundfitness. Die soll anschließend während der dreijährigen Ausbildung ausgebaut werden, erklärt Wittrock. Damit einher geht der wichtigste Unterschied zur alten Sportprüfung: Das absolute Ko-System gehört ab sofort der Vergangenheit an. Bislang mussten Bewerber, die eine der geforderten sportlichen Disziplinen nicht schafften, ihre Sachen packen. Aus, vorbei, das war’s. Jetzt können sie die Prüfung einmal wiederholen. Innerhalb von vier bis sechs Wochen, um ihnen ausreichend Zeit zu geben, dafür zu trainieren.

Änderungen gibt es auch im Wissenstest. Hier hat das bisherige Lückendiktat ausgedient, wird ersetzt durch Tests zur Überprüfung von Rechtschreibung, Grammatik und Sprachgebrauch. Das Testmodul Deutsch etwa besteht aus zwölf unterschiedlichen Aufgabengruppen, die sowohl die Anwendung von Rechtschreibung und Grammatik als auch die Bereiche Sinnverständnis und Wortbedeutung überprüfen („Schreibt man Reflexion mit K oder mit X? Und wie heißt eigentlich der Plural von Kran?“).

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Unverändert bleibt dagegen die Überprüfung von Intelligenz, Merkfähigkeit, schlussfolgerndem Denken und Wissen. „Deutsch als Amts- und Dienstsprache perfekt zu beherrschen als auch auf Intelligenz basierende Entscheidungen zu treffen, sind Grundvoraussetzungen für eine Teilnahme am aktiven Dienst“, heißt es hierzu von Seiten der Polizei.

Wichtig sind persönliche Kompetenzen

Abgerundet wird der Einstellungstest durch die mündliche Prüfung (Interview), bei der es unverändert um persönliche Kompetenzen der Bewerber geht, wie etwa Teamfähigkeit, Selbstreflexion (mit X!) oder auch die Fähigkeit, zu argumentieren und Entscheidungen zu fällen.

All dies sei aber kein Hexenwerk, betont Andrea Wittrock. Und soll für die Bewerber auch nicht überraschend kommen. Zur Reformierung des Bewerbungsverfahrens gehört auch, dass die Bremer Polizei in diesem Bereich ab sofort auf Transparenz setzt. Unter www.fit-genug.de können im Internet zahlreiche Details zu den einzelnen Prüfungsbereichen nachgelesen werden, inklusive der erwarteten Mindestleistungen. In kurzen Videos wird den Bewerbern erläutert, was sie erwartet. Zugleich aber auch immer der Zusammenhang zwischen Prüfungsaufgabe und Alltagsrealität eines Polizeibeamten erläutert.

Auch praktische Tipps zur Vorbereitung auf die Prüfung gibt es an dieser Stelle. Und fast mantrahaft die Aufforderung „Macht euch schlau!“, verbunden mit dem Hinweis, im Internet unter dem Stichwort „Einstellungstests kostenlos üben“ zu suchen. Wer will, könne sich also in einem gewissen Rahmen selbst auf alle Prüfungen vorbereiten, sagt Innensenator Ulrich Mäurer (SPD). Ein Wink mit dem Zaunpfahl, wie zumindest sein nächster Satz nahezulegen scheint: „Dieser persönliche Einsatz im Vorfeld gibt uns auch den Hinweis auf die Leistungsbereitschaft und Motivation eines Bewerbers.“

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