Vertiefung des Innenstadtkonzeptes

Hoffnung auf Belebung der Innenstadt

Im Stadtentwicklungsausschuss präsentierten jetzt die Berliner Stadtplaner von Urban Catalysts eine erste Zwischenbilanz der Vertiefung des Innenstadtkonzeptes.
25.03.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Hoffnung auf Belebung der Innenstadt
Von Sigrid Schuer
Hoffnung auf Belebung der Innenstadt

Der Theaterberg in den Wallanlagen soll neu genutzt werden.

Roland Scheitz

Hellena Harttung, Leiterin des Ortsamtes Mitte/Östliche Vorstadt, ist eine entschiedene Verfechterin davon, erschwinglichem Wohnraum gerade im Kerngebiet der Innenstadt zu ermöglichen. Für sie ist das eine entscheidende Voraussetzung für die Belebung der nicht erst seit Corona darniederliegenden City. Diese Forderung wiederholte sie auch in der Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung des Beirates Mitte, in der eine Zwischenbilanz der Vertiefung des Innenstadtkonzeptes gezogen wurde.

Die war vom Senat 2019 beschlossen worden, an der Schnittstelle zwischen dem Aktionsprogramm Innenstadt und der Teilfortschreibung des Verkehrsentwicklungsplanes. 2020 wurden die Stadtplaner Lukas Halemba und Sarah Oßwald vom Berliner Büro Urban Catalysts mit der Arbeit an der Vertiefung des Innenstadtkonzeptes und der Entwicklung eines Leitfadens bis 2030 beauftragt.

Lesen Sie auch

Olaf Orb von der Handelskammer räumte ein, dass es jetzt darum gehen müsse, einen intensiven Dialog mit der Immobilienwirtschaft zu führen. Er verwies darauf, dass die Eigentümerstruktur in Bremen bunt und heterogen sei. Ehrgeizig bleibt auch das Projekt, die Dächer in der Innenstadt zunehmend zu begrünen, so eine Idee der Stadtplaner. Denn auch dort haben die Immobilieneigentümer ein entscheidendes Wörtchen mitzureden. Es gelte ganz generell, Gebäudestrukturen der Zukunft für gemischte Nutzung zu entwickeln. Ein Innenstadtkoordinator, bei dem die Fäden zusammenlaufen, solle es nun richten, sagte Orb.

Allerdings signalisierte Markus Haacke vom Wirtschaftsressort auch, dass die finanziellen Spielräume durch Corona sehr eng seien. Die Realisierung sei eine öffentliche und private Gemeinschaftsaufgabe, so Orb. Er betonte für die Handelskammer, die gemeinsam mit dem Stadtentwicklungs- und dem Wirtschaftsressort die Analyse bei den Berliner Stadtplanern in Auftrag gegeben hat, dass Bremen mit seinen Bedenkenträgern schon ein ziemlich spezielles Pflaster sei. Insofern hätten es die Berliner mit ihrem Blick von außen auf die Hansestadt nicht gerade leicht gehabt.

So viel Neues brachte die Vorstellung der Zwischenbilanz der Vertiefungspläne des Innenstadtkonzeptes dann nicht, darauf verwiesen einige Ausschussmitglieder. Da stelle sich doch die Frage, wie das Ganze schließlich umgesetzt werden solle, betonte etwa Dirk Paulmann (CDU). Karin Schuster vom Bau- und Stadtentwicklungsressort sagte, das hänge an noch laufenden Abstimmungsprozessen und an der Bewilligung von Geldern aus dem Städtebauförderprogramm.

Lesen Sie auch

Viel Neues, was nicht schon im Rahmen des Aktionsprogrammes Innenstadt berichtet worden wäre, etwa die viel diskutierte Umgestaltung der Martinistraße samt genereller Öffnung der City zur Weser, die Zwischennutzung des Leerstandes sowie die Entwicklung der Fahrrad-Premiumroute, hatten die Berliner Stadtplaner wie gesagt nicht zu verkünden. Das gilt auch für die von ihnen entwickelte Bremen-Charta. Fazit: Die City solle kleinteiliger, flexibler und durchmischter und damit auch attraktiver für Jugendliche und den Fußverkehr werden. Zudem solle der ÖPNV gestärkt und Ankommens-Orte wie Brill, Domsheide und Herdentor aufgewertet werden.

Einige neue Denkanstöße gab es doch: So sollen mehr Fahrrad-Parkplätze geschaffen werden, indem der dann wieder geöffnete Brill-Tunnel und der Bunker unter dem Domshof als unterirdische Fahrrad-Parkplätze genutzt werden sollen. Dafür sollen Machbarkeitsstudien in Auftrag gegeben werden. Auch die Notwendigkeit beziehungsweise den dringenden Wunsch der Anbindung der City an das Stephaniviertel samt Telekomgelände und Aufwertung des Marktes rund um den Fangturm formulierten die Stadtplaner. Ein Beispiel für die Schaffung von mehreren, multifunktionalen Plätzen, das angedacht ist. Genauso wie die Erschließung des Potenzials innerstädtischer Höfe.

Lesen Sie auch

Der auf dem Gelände der leer stehenden Sparkasse am Brill geplante City-Campus könnte hier eine Klammer bilden, um diese bereits seit unzähligen Jahren gehegte Idee zu realisieren, betonte Olaf Orb. Ein weiterer Vorschlag von Urban Catalysts findet sich bereits im Aktionsprogramm Innenstadt: Die Aufwertung und stärkere Nutzung der Wallanlagen durch die Aufstellung von Sport- und Spielgeräten und die gastronomische und kulturelle Bespielung des Theaterbergs, die allerdings nicht unumstritten ist. So gibt es Bedenken, dass der Naherholungs- und Denkmal-Charakter zerstört werden könnte. Laut Urban Catalysts sollen in den Straßen hinter dem Wall kleinteilige Manufakturen angesiedelt werden.

Der Zeitplan ist ambitioniert, schon im Juli soll die Vertiefung des Innenstadtkonzeptes beschlossen werden, nach einer vorhergehenden öffentlichen Präsentation im Juni. Vorher sind diverse Termine für sogenannte Fachwerkstätten anberaumt, in denen bisher rund 50 verschiedene Akteure aus dem Innenstadtbereich miteingebunden sind. Und auch die Einbindung und die Meinung der Öffentlichkeit, also der Menschen, die das alles ja zuerst angeht, ist weiterhin sehr erwünscht und noch bis zum 31. März online unter www.bremen.de/vik-beteiligung möglich.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+