Hotel-Insolvenz in Vegesack Die Zukunft der Strandlust-Immobilie

Nach dem Aus für die Strandlust, steht die Frage im Raum, wie es mit der Immobilie am Weserufer in Vegesack weitergeht. Viele Nordbremer hoffen immer noch, dass sich ein Investor für das Hotel findet.
02.09.2020, 06:34
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Die Zukunft der Strandlust-Immobilie
Von Julia Ladebeck

„Es droht ein mehrjähriger Leerstand“, hatte Insolvenzverwalter Christian Kaufmann schon Anfang August in einem Interview mit unserer Zeitung gesagt, in dem es um die Insolvenz des Hotels Strandlust ging. Nachdem die Rettung des Traditionshauses nicht gelungen ist, steht seit Dienstag die Frage im Raum, wie es mit der Immobilie in erster Lage am Vegesacker Weserufer weitergeht.

Kristine Könecke, Tochter des verstorbenen ehemaligen Besitzers Karl Könecke und Geschäftsführerin der KK Immobilien GmbH & Co. KG, will dazu zum jetzigen Zeitpunkt keine Aussage treffen. „Es gibt offiziell noch keine Entscheidung, und wir äußern uns dazu jetzt nicht“, sagt sie auf Nachfrage. Eventuell werde es in einigen Wochen ein Statement geben, stellt sie in Aussicht.

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Am Dienstagnachmittag hatte Insolvenzverwalter Christian Kaufmann den Beschluss des Amtsgerichts über die Eröffnung des Insolvenzverfahrens noch nicht in den Händen. Er rechnete jedoch zeitnah damit. „Sobald wir den Beschluss haben, werden wir das Mietverhältnis kündigen und das Haus zügig an den Verpächter AB Inbev übergeben“, erläutert Kaufmann das weitere Vorgehen. Die Brauereigruppe AB Inbev hat die Hotelimmobilie wiederum von der KK Immobilien GmbH & Co. KG als Besitzerin der Strandlust gepachtet. „Ich gehe davon aus, dass auch AB Inbev die Immobilie zügig zurückgeben wird“, erläutert Kaufmann. „Das Inventar bleibt im Haus und wird dem Verpächter zur Verwertung überlassen.“

Wie berichtet, sollen die Eigentümer bereits Pläne mit der Immobilie haben. Nach Informationen unserer Zeitung steht die Schaffung von Wohnraum zur Debatte. Dem Vernehmen nach soll dabei die Aussicht auf einen höheren Erlös beim Verkauf an einen Wohnbauinvestor eine Rolle spielen. Laut Christian Kaufmann lässt der derzeitige Bebauungsplan allerdings nur eine Nutzung als Hotel beziehungsweise Gastronomie zu. Für eine andere Nutzung müsste der Bebauungsplan also geändert werden.

Am ersten Tag nach der endgültigen Schließung des Traditionshotels an der Weser herrscht in Bremen-Nord noch der Schock über die Nachricht vom Aus der Strandlust vor. Eine andersartige Nutzung des Standortes kann sich kaum jemand vorstellen. Die Hoffnung, dass sich doch noch ein Investor findet, der das Hotel saniert und neu eröffnet, ist bei vielen noch nicht gestorben.

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Maren Zilm, stellvertretende Ortsamtsleiterin von Vegesack, bezeichnet die Entwicklung als „Desaster für Vegesack“. Nicht nur, weil für alle Nordbremer zahlreiche Erinnerungen mit der Strandlust verknüpft seien, auch aus wirtschaftlicher Sicht. „Das Hotel steht an einer wichtigen und präsenten Stelle in Vegesack. Es ist dramatisch, dass dieses wichtige Haus an der maritimen Meile jetzt leer steht. Damit werden auch weniger Gäste nach Vegesack kommen und das hat auch wirtschaftliche Folgen für Vegesack.“ Einen Abriss des Hauses und Neubau für Wohnungen kann Zilm sich nicht vorstellen. „Das ist meine persönliche Sicht. Ich hoffe, dass sich nach Corona doch noch jemand findet, der Geld in die Hand nimmt und dort investiert.“

Selbst bei Eröffnung des geplanten neuen Hotels „Hampton by Hilton“ auf dem ehemaligen Haven-Höövt-Areal wäre die Bettenkapazität in Vegesack bei Weiterbestehen der Strandlust nicht zu groß geworden, ist Maike Bialek, Leiterin Kommunikation Marketing und Tourismus bei der Wirtschaftsförderung Bremen (WfB), überzeugt. Mit dem Atlantic Hotel hätte Vegesack dann drei größere Hotels gehabt. „Das kann Vegesack auf jeden Fall vertragen. Abgesehen davon, dass die Strandlust gerne von den Werften genutzt wurde, sehen wir in Bremen-Nord durchaus auch noch Potenzial für mehr Tourismus. Wir sind ja derzeit dabei, den Bremer Norden als Freizeit- und Naherholungsgebiet zu etablieren“, so Bialek. Sie betont ausdrücklich: „Wir bedauern das Aus für die Strandlust sehr und hoffen, dass sich vielleicht doch noch eine Lösung ergibt.“

Der Nordbremer Bürgerschaftsabgeordnete Thomas Pörschke (Grüne), der unter anderem Sprecher seiner Partei für Bremen-Nord ist, betont: „Ich halte es für notwendig, dass der Hotel- und Gastronomiestandort als solcher erhalten wird, aber nicht für ausgeschlossen, einen Teil der gesamten Fläche für Wohnnutzung heranzuziehen, um notwendige Investitionsmittel für die Sanierung des Hotels zu erzielen. Der Traditions- und Gastronomiestandort als Ort der Begegnung der Menschen in Bremen-Nord und Umgebung soll dort aber unbedingt erhalten bleiben. Es ist wichtig, dass es dort auch in Zukunft die Möglichkeit gibt, sich zu treffen.“

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Auch die SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Ute Reimers-Bruns hebt hervor, wie wichtig die Strandlust als Treffpunkt für viele Menschen war. „Wir haben dort gerade noch unseren SPD-Unterbezirksparteitag abgehalten. Unsere Forderung an den Senat ist nun, alle Kräfte zu bündeln und an einen Tisch zu bringen, um eine Lösung zu schaffen. Wir können es uns nicht leisten, dass die Strandlust als Teil der maritimen Meile lange leer steht.“ Reimers-Bruns lehnt eine Wohnbebauung eines Teils der Fläche nicht kategorisch ab. „Man müsste überlegen, wie Wohnbebauung dort integriert werden könnte.“ Sie betont jedoch ebenfalls: „Auf jeden Fall muss dort wieder ein Veranstaltungsort hin.“

Der Vegesacker Beiratssprecher Torsten Bullmahn (CDU) sagt: „Für Bremen-Nord und Umgebung ist die Schließung der Strandlust ein herber Verlust. Alles, wofür sie stand – das sind zahllose Erinnerungen vieler Nordbremer – ist unersetzbar. Ich habe immer noch die Hoffnung, dass sich ein Investor findet.“ Der Beiratssprecher hält es für verfrüht, über alternative Pläne zu sprechen. Doch auch für ihn steht fest: „Wenn Wohnbebauung irgendwann ein Thema werden sollte, dann sollte das nur in Verbindung mit Gastronomie geschehen. Es ist wichtig, dass der Standort belebt bleibt. Seniorenwohnungen würde ich ablehnen.“ Bullmahn betont außerdem den „herben Verlust“ durch den Wegfall der Arbeitsplätze in Bremen-Nord.

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Darauf geht auch CDU-Bürgerschaftsmitglied Rainer Bensch ein: „Als amtierender CDU-Kreisvorsitzender, der ich Donnerstag den Stab des CDU-Kreisvorsitzes übergebe, bedaure ich zutiefst diese so traurige Entwicklung. Die Schließung der Strandlust ist unendlich schmerzlich, sie trifft Bremen-Nord mitten ins Herz. Insbesondere für die Angestellten der Strandlust empfinde ich tiefes Mitgefühl aufgrund des Verlusts ihrer Arbeitsplätze. Der Verlust dieses einzigartigen Veranstaltungsorts trifft unsere Region wirtschaftlich sehr, sehr hart.“ Der Senat müsse Bremen-Nord unter die Arme greifen.

„Wir brauchen ein ... Sonder-Investitionsprogramm, das nachhaltig Perspektiven bietet. Ich erinnere an die strukturpolitische Tatsache, dass wir in Bremen-Nord nur 19 Arbeitsplätze pro 100 Einwohner haben, während es im gesamten übrigen bremischen Gebiet mit 57 Arbeitsplätzen gleich dreimal so viele pro 100 Einwohner gibt“, so Bensch.

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