Interview mit Wolfgang Helms von Vegesack Marketing

„Vegesack ist hervorragend aufgestellt“

Nach fast zehn Jahren an der Spitze des Vegesack Marketing verlässt Wolfgang Helms den Verein Anfang August. Im Interview mit der Norddeutschen schaut er auf die Zeit zurück und blickt nach vorne.
30.07.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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„Vegesack ist hervorragend aufgestellt“
Von Aljoscha-Marcello Dohme
„Vegesack ist hervorragend aufgestellt“

Als Wolfgang Helms 2011 nach Vegesack kam, hatte er ein Ziel vor Augen: Das Mittelzentrum soll wieder als Nummer eins in der Region wahrgenommen werden.

Christian Kosak

Herr Helms, Sie sind seit knapp zehn Jahren Geschäftsführer des Vegesack Marketing. Wie hat sich die Geschäftswelt im Stadtteil in dieser Zeit verändert?

Wolfgang Helms: Wenn wir auf die Veränderungen des Einzelhandels- und Dienstleistungsstandort Vegesack schauen, ist zu bemerken, dass es einmal mehr Gastronomie im Angebot gibt. Wir haben mit dem Eiscafé Eleganza, dem Dem Café und dem Eiscafé an der Reeder-Bischoff-Straße gastronomische Betriebe dazubekommen. Getan hat sich natürlich auch etwas bei der Kaufmannschaft, etwa mit Woolworth, die nach dem Umbau des ehemaligen Kaufhauses in die Immobilie gezogen sind. Ein anderes Beispiel ist die Buchhandlung Thalia, die nach dem Ende des Haven Höövts Vegesack nicht verlassen hat, sondern in die Fußgängerzone gegangen ist. Zum anderen ist das Angebot der Dienstleistungen vielfältiger geworden.

Inwiefern?

Ob das die Änderungsschneiderei ist oder die AOK-Geschäftsstelle. Da ist in den letzten Jahren einiges dazugekommen.

Wie wirkt sich der Online-Handel auf die Vegesacker Geschäftsleute aus?

Aus den Reihen der Händler wird bemerkt, dass sich Umsätze in den Bereich des Online-Handels verlagern. Gleichzeitig haben wir aber auch Händler, die selbst im Online-Bereich tätig sind und dort auch Umsätze generieren. Deshalb ist der Online-Handel nicht nur rein negativ zu betrachten, sondern hat eben für den einen oder anderen Geschäftsmann auch eine positive Wirkung.

Wie ist die Gemeinschaft der Vegesacker Händler, ziehen sie an einem Strang, um den Standort zu stärken?

Selbstverständlich, das ist ganz deutlich zu merken. Nehmen wir als Indikator die Beteiligung an unseren Veranstaltungen, zum Beispiel wie viele Händler beim Hökermarkt mitmachen oder an den verkaufsoffenen Sonntagen. Dann wird schnell das Bewusstsein der Händler dafür ersichtlich, dass sich über die Gemeinschaft eine Stärke für den Standort entwickeln lässt.

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In diesem Jahr finden die Veranstaltungen coronabedingt allerdings nur im Internet statt. Wie wirkt sich die Pandemie sonst auf die Vegesacker Geschäftsleute aus?

Die Pandemie stellt bekanntlich eine nie dagewesene Herausforderung für die meisten Geschäftsleute dar. Es gibt natürlich auch Branchen, die nicht so stark betroffen sind, wie etwa der Lebensmittelhandel. Der überwiegende Teil der Unternehmen hat aber einen Umsatzrückgang zu verzeichnen.

Als Sie 2011 nach Vegesack gekommen sind, welches Ziel hatten Sie da vor Augen?

Wir haben als Vegesack Marketing zwei Geschäftsfelder: Das eine ist das City-Management, also der Einzehlhandels- und Dienstleistungsstandort. Da ist das ganz klare Ziel formuliert, dass das Mittelzentrum Vegesack in der Region Bremen-Nord und umzu wieder als die Nummer eins wahrgenommen wird. Da kann ich sagen, dass wir diese Wahrnehmung deutlich verbessert haben. Das sehen wir auch an den Frequenzzahlen.

Was sagen diese Zahlen?

Die Frequenzzahlen sind in den letzten Jahren stetig gestiegen und zeigen deutlich, dass die Vegesacker Innenstadt an Strahlkraft gewonnen hat. Zu dieser Strahlkraft tragen auch die Maßnahmen, die das Vegesack Marketing umsetzt, bei.

Wie verhält es sich mit Ihrem zweiten Geschäftsfeld?

Das zweite Geschäftsfeld ist der Tourismus mit dem Leuchtturm Maritime Meile. Da ist festzustellen, dass sich dort die Akteure der Maritimen Meile hoch engagiert für diesen Leuchtturm zeigen und ganz viele tolle Projekte auf den Weg gebracht haben, um die Maritime Meile zu stärken. Im letzten Jahr ist zum Beispiel die Vegebüdel aufs Wasser gekommen und bietet jetzt in der Saison am Wochenende Fahrten an, sodass die Besucher von Vegesack die Maritime Meile auch vom Wasser aus erleben können.

Was konnten Sie in Ihrer Amtszeit bewegen?

Das sind viele kleine Mosaiksteine, die zum Gesamtbild beitragen. Zum einen, dass wir ganz gezielt neue Events und Veranstaltungen geplant und umgesetzt haben, die auf den Standort einzahlen. Dazu zählen etwa der Kindertag und der Weihnachtsmarkt, den wir 2012 von der Stadt Bremen übernommen haben und nun als Vegesacker Winterspaß mit allen Angeboten veranstalten. Zum anderen ist das Netzwerk ganz wichtig. Wir haben es in den Jahren geschafft, wirklich ein hervorragendes Netzwerk aufzubauen, was dazu beiträgt, diesen Standort in den Bereichen Tourismus und Innenstadtentwicklung weiter voranzubringen.

Wird es am Ende Ihrer Zeit in Vegesack auch Punkte geben, die Sie nicht umsetzten konnten?

Das ist ja ein fließender Prozess. Es gibt immer was zu tun. Die Arbeit für einen Standort ist nie abgeschlossen, weil er sich immer weiterentwickelt. Dem entsprechend werden neue Aufgaben dazukommen.

Zum Beispiel?

Den Standort stärker in die digitale Welt bringen, das gilt zum einen für Vegesack als Einzelhandels- und Dienstleistungsstandort und zum anderen auch für die Maritime Meile.

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Gibt es ein Projekt aus den vergangenen zehn Jahren, das Ihnen besonders im Gedächtnis bleiben wird?

Das ist das Internationale Festival Maritim, weil das zeigt, wie Vegesack ist. Was dort in den letzten 21 Jahren geschaffen worden ist, ist nicht mein Werk. Da kann ich nur Fritz Rapp und seinen damaligen Mitstreitern danken, dass sie diese Idee hatten und sich das so in den letzten 21 Jahren weiterentwickelt hat. Das spüre ich ganz deutlich bei den Vegesackern, da kommt die Seele des Stadtteils zum Vorschein. Das ist wirklich das Herzstück.

Mit welchem Gefühl verlassen Sie das Vegesack Marketing?

Ich bin unglaublich zufrieden mit dem, was in den vergangenen Jahren für den Standort geleistet worden ist. Der Verein ist gut aufgestellt und in den letzten fast zehn Jahren ist unglaublich viel neu entstanden und Vorhandenes weiterentwickelt worden. Ich bin sehr dankbar, dass ich das mit einem so hervorragenden Team bewerkstelligen durfte. Und möchte mich auch bei allen bedanken, die unsere Arbeit, insbesondere auch ehrenamtlich, unterstützt und so auch vieles möglich gemacht haben.

Wie sehen Sie die Zukunft Vegesacks?

Ich bin da sehr optimistisch. Das macht sich etwa durch die Entwicklung des Haven Höövts und des Hartmannstifts bemerkbar. Es ist ja deutlich zu spüren, dass insbesondere auch die Wohnungsbauprojekte dazu führen, dass wir hier eine steigende Bevölkerungszahl haben, und das, nachdem die Einwohnerzahl jahrelang gesunken ist. Projekte wie die geplante Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes tragen zu einer weiteren positiven Entwicklung von Vegesack bei.

Gilt das auch für das geplante Hochhaus am Vegesacker Hafen?

Es ist wichtig, dass dieses Ensemble zwischen „Schulschiff Deutschland“, Vegesacker Geschichtenhaus und Museumshafen so in Harmonie mit dem dortigen Bauvorhaben gebracht wird, dass die maritime Seele von Vegesack auch weiterhin so wahrgenommen werden kann.

Info

Zur Person

Wolfgang Helms ist seit 2011 Geschäftsführer des Vegesack Marketings. Anfang August verlässt er den Verein und kehrt in seine schleswig-holsteinische Heimatstadt Wedel zurück.

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