Nach einem Dreivierteljahr Positive Bilanz für das neue Einkaufszentrum am Vegesacker Hafen

Das Haven Höövt ist bald Geschichte, das Einkaufszentrum Kontor am Vegesacker Hafen hat es abgelöst. Nach einem Dreivierteljahr Betrieb gibt der Projektentwickler einen Ausblick auf neue Läden und Umzüge.
10.07.2020, 06:00
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Positive Bilanz für das neue Einkaufszentrum am Vegesacker Hafen
Von Jean-Pierre Fellmer

Sektempfang, ein volles Parkhaus und Besucherscharen vor den noch geschlossenen Türen. Als am 1. November 2019 die Türen des Kontors im Vegesacker Hafen zum ersten Mal öffneten, herrschte Euphorie. Während in den alten Hallen des Haven Höövts noch immer Leere herrschte, kehrte auf der anderen Straßenseite wieder Leben in das Einkaufszentrum zurück.

Das Kontor ist Teil des geplanten Stadtquartiers, mit dem Projekt soll der Vegesacker Hafen im Bereich des alten Haven Höövts neu belebt werden. Ein Dreivierteljahr nach der Eröffnung des Einkaufszentrums zieht Max Zeitz, Projektentwickler des Stadtquartiers, positive Bilanz – zumindest bis Corona. Nicht nur an den ersten Tagen im November sei die Nachfrage des Einkaufszentrums gut gewesen. „November und Dezember sind traditionell starke Handelsmonate“, sagt Zeitz. Dennoch lag in dieser Zeit die Kundenfrequenz über der Erwartung. Im Januar und Februar, die grundsätzlich schlechtere Monate für das Geschäft sind, sei der Besucherandrang dem Markt entsprechend gewesen. „Mit der Entwicklung bis Corona im März sind wir wirklich zufrieden“, sagt Zeitz.

Als im März die Corona-Pandemie Deutschland erreichte, mussten auch die meisten Läden im Kontor schließen. Mittlerweile laufe das Geschäft wieder an, „die Kunden wollen ja auch“, sagt Zeitz. Doch viele seien noch immer verunsichert. Zeitz geht davon aus, dass im letzten Quartal 2020 langsam wieder Normalität in den Handel einkehrt.

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Als das Kontor 2019 an den Start ging, waren zwar alle Verkaufsflächen vermietet, aber noch nicht alle Läden eröffnet. Durch die Pandemie haben sich die für das Frühjahr geplanten Eröffnungen auf den Sommer verschoben. Seit Donnerstag gibt es nun zwei neue Läden im Kontor. Der „French Food Truck“ verkaufe hochwertiges Fast Food wie etwa außergewöhnliche Hot-Dog-Variationen, das „Loft“ bietet laut Pressemitteilung Kleidung für ein junges, modebewusstes Publikum an. Das Kontor soll den unterschiedlichen Milieus und der Lage gerecht werden, sagt Zeitz.

Wer hier nicht fündig werde, müsse 17 Kilometer zur Waterfront oder sogar bis in die Bremer Innenstadt fahren. Das Kontor biete darüber hinaus nicht nur alltägliche Produkte wie Lebensmittel oder Hygieneartikel an. Das Kontor sei ein Hybrid, das für jeden der in Bremen-Nord wohnt, etwas im Angebot hat, sagt Zeitz.

Müller öffnet im September

Für die nächsten Monate stehen im Kontor noch weitere Veränderungen an: Die Kette Müller, Drogeriemarkt und Kaufhaus, hat laut Zeitz im April einen Mietvertrag unterschrieben und zieht auf eine 1800 Quadratmeter große Fläche ins Erdgeschoss. Eröffnung soll im September sein. Der Textildiscounter Kik ziehe zudem vom ersten Obergeschoss ins Erdgeschoss zwischen McDonalds und Kaufland. Wo Kik vorher war, soll dann das Unterhaltungselektronikgeschäft Euronics eröffnen – bedingt durch Corona nicht im September, sondern im letzten Quartal rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft, sagt Zeitz. Der Friseursalon sei derzeit im Umbau und soll im September wieder öffnen. Ob, wie im vergangenen Jahr angekündigt, noch ein Blumenhändler ins Kontor zieht, steht laut Projektentwickler Zeitz derzeit noch nicht endgültig fest. Blumen bietet auch Kaufland an – damit sich das Geschäft lohne, brauche der Blumenhändler eine hohe Kundenfrequenz.

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Eine weitere Veränderung für das Kontor: Die Pflegeeinrichtung Friedehorst zieht mit ihrem mobilen Standort noch im Juli in das Einkaufszentrum. Das bestätigt Sprecherin Gabriele Nottelmann. „Friedehorst möchte das Angebot von Service-Wohnungen und Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz in der Region Bremen-Nord ausbauen. Wir entwickeln zurzeit eines der Gebäude, die auf dem Gelände des Haven Höövts gebaut werden, zu einem Haus mit derartigen Wohnangeboten.“ Der Umzug ins Kontor sei deshalb nur eine Übergangslösung: Ist das Gebäude im neuen Stadtquartier fertiggestellt, soll das Büro von Friedehorst mobil dort einziehen, sagt Nottelmann. Man wolle aber schon jetzt im Kontor vor Ort sein, um zu beraten. Friedehorst mobil will später den jetzigen Standort an der Gerhard-Rohlfs-Straße verlassen, weil die Parkplatzsituation am Kontor deutlich günstiger sei.

Wenn Euronics Ende des Jahres eröffnet, sind laut Zeitz alle Lücken geschlossen. Das bedeutet nicht, dass sich das Angebot in den nächsten Jahren nicht mehr verändern kann. „Handel ist Wandel“, sagt der Investor. Je nachdem, wie sich das Angebot der Geschäfte sowie die Nachfrage der Kunden entwickle.

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Regionale Anbieter anfällig für Corona

Bei der Eröffnung im November sagte Zeitz, die damals noch freien Flächen sollen auch an Unternehmen aus der Region gehen. „Die sind auch wichtig, weil sie identifikationsstiftend sind“, sagt Zeitz. Aber vor allem sie seien durch die Corona-Pandemie am stärksten bedroht. Als Vermieter könne man da entgegenkommen, was auch getan werde – die Frage sei nur, wie lange. Die Verkaufsfläche, die Friedehorst demnächst nutzt, wurde zuvor von einem Schlüssel- und Reinigungsdienst genutzt. Dieser Wechsel sei zwar auch durch bedingt durch Corona – aber eben nicht nur.

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