Pläne für den Oeversberg

„Sehr unwürdige Verhältnisse“

Die Vorsitzende der Sportdeputation, Birgit Bergmann (FDP), spricht im Interview über den Stillstand auf der Bezirkssportanlage in Grohn und den Umgang mit den Akteuren vor Ort.
01.10.2020, 07:35
Lesedauer: 3 Min
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„Sehr unwürdige Verhältnisse“
Von Aljoscha-Marcello Dohme
Frau Bergmann, warum haben Sie vor wenigen Tagen die Bezirkssportanlage auf dem Oeversberg besucht?

Birgit Bergmann: Mehrere Betroffene haben sich an mich gewandt, weil da Stillstand in der Sache ist. Das sind die Sportvereine, das sind die Nutzer der BMX-Bahn und der Beirat vor Ort, die alle händeringend darauf hoffen, dass Bewegung in die Sache kommt. Nachdem ich mehrere Zeitungsartikel zu dem Thema gelesen habe, war mein Eindruck sofort: Heiße Kartoffel – keiner will sie anfassen.

Welchen Schluss haben Sie daraus gezogen?

Ich hatte sofort die Assoziation: Wo bleibt der Bürgermeister? Im Grunde geht es um Verantwortlichkeiten, die von Ressort zu Ressort geschoben werden. Als ich die ganzen engagierten Menschen aus dem Sport und dem Beirat gesehen habe, tat es mir einfach leid. Es tat mir leid für die Kinder, die auf der ramponierten BMX-Bahn Deutschland-, Europa- und Weltmeisterschaften austragen und die Situation hinnehmen, wie sie ist. Was bleibt ihnen auch anderes übrig. Das sind sehr unwürdige Verhältnisse, um dort zu trainieren. Und das ist ein unwürdiger Umgang mit den Akteuren vor Ort. Es ist auch eine Missachtung des Beirates. Die nehmen sich ihre Abende frei, um den Ort vorwärts zu bringen, und dann erfahren sie einfach so eine Missachtung.

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Inwiefern?

Wir haben in der Bürgerschaft eine kleine Anfrage zum Oeversberg eingereicht. Das haben wir gemacht, weil wir den Eindruck haben, dass sich am liebsten keiner die Finger verbrennen will. Keiner will antworten. Die vergangene Beiratssitzung hat das auch deutlich bewiesen. Paul Watzlawick hat mal gesagt: 'Man kann nicht nicht kommunizieren.' Und dass niemand zu der Sitzung gekommen ist, zeigt, dass die Ressorts nicht bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Und das zeigt genauso die Missachtung der Beiratsmitglieder. Beiräte nicht ernst nehmen – das geht gar nicht. Da muss man sich auch nicht wundern, wenn niemand mehr Lust hat, sich für so eine Sache zu engagieren.

Sie haben den Bürgermeister schon angesprochen. Sind Sie der Meinung, Andreas Bovenschulte muss das Thema nun in die Hand nehmen?

Dieser Senat muss es endlich als selbst organisierendes System pro aktiv auf die Reihe bekommen, Zuständigkeiten festzulegen und Entscheidungsprozesse voranzutreiben. Sonst wollen immer alle den Hut aufhaben. Doch wenn es nicht läuft, fühlt sich niemand zuständig. In so einem Fall muss der Bürgermeister auf den Tisch hauen. Zu seinem Amt gehört mehr als landesväterliche Freundlichkeit. Er muss eine Verantwortlichkeit benennen – und wenn es ein interdisziplinäres Team aus den Ressorts ist.

Sie haben die Zustände auf dem Oeversberg bereits als „unwürdig“ bezeichnet. Welchen Eindruck hatten Sie von der Sportanlage in Grohn?

Ich war zum Beispiel fasziniert von der Halfpipe, komme um die Ecke und sehe, das Ding ist komplett durchgebrochen. Die ist überhaupt nicht nutzbar. Dann habe ich den Platz gesehen, der schon lange ein Kunstrasenplatz werden sollte. Die Tennisplätze, die Containerumkleidekabinen – die Sportler wissen gar nicht, was sie damit machen sollen. Dabei geht es gar nicht ums Geld, die Akteure würden die vereinsinternen Entscheidungsprozesse schon voranbringen. Aber sie können nicht, weil einfach die Vorentscheidungen im Kontext mit der Jacobs University noch nicht getroffen worden sind.

Wobei die Fläche ja im vergangenen Jahr zwischen der Jacobs University und den Sportvereinen aufgeteilt wurde. Insofern kann die schwierige Lage der Jacobs University kein Argument für den Stillstand auf dem Oeversberg sein.

Offensichtlich doch. Es sind Gelder eingestellt, die nicht fließen und es ist vor Ort keine Klarheit. Deshalb hat der Beirat die Vertreter der Ressorts auch eingeladen.

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Wie ist der aktuelle Sachstand, was die Planung auf dem Oeversberg angeht?

Da ich das nur vermuten kann, haben wir unsere Anfrage gestellt und Fragen eins nach dem anderen ab. Damit wollen wir erreichen, dass das Thema auf gar keinen Fall ad acta gelegt werden kann. Ich sehe mich aber auch in meiner Funktion als Vorsitzende der Sportdeputation verantwortlich. Denn das Thema ist vor Ort überhaupt kein parteipolitisches Thema, sondern eines, bei dem es einfach um Bremen und Bremen-Nord, um die Leute, um den Sport und um ein rundes Zusammenspiel in den Ressorts geht.

Was kann die Sportdeputation tun, um den Prozess zu beschleunigen?

Der Senat hat nun fünf Wochen Zeit, eine vernünftige Antwort zu geben. Wenn das aber nicht zufriedenstellend ist, wird der Oeversberg natürlich nochmal Thema in der Sportdeputation werden.

Aus welchem Ressort erwarten Sie eine Antwort?

Das Positive ist, wenn ich im Parlament eine Anfrage stelle, muss man einem Abgeordneten antworten. Man kann bei einem Beirat nicht erscheinen, aber einem Abgeordneten muss man antworten. Vielleicht ist die Antwort auf unsere Anfrage ein erster Schritt, um zu organisieren, wie der Lösungsprozess für diese ganze Situation aussehen könnte.

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Kommt die Neugestaltung des Oeversbergs?

Der Druck wird dazu beitragen, dass die Pläne für das Gelände umgesetzt werden.

Das Interview führte Aljoscha-Marcello Dohme.

Info

Zur Person

Birgit Bergmann (FDP) ist Vorsitzende der Sportdepuation und sportpolitsche Sprecherin der FDP-Fraktion in der Bremischen Bürgerschaft, der sie seit 2015 angehört. Erst vertrat sie dort die CDU, seit 2018 die FDP.

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