Besuch in der Verkehrsmanagementzentrale Warum der Verkehr in Bremen so gut fließt

Bremen ist keine Stau-Stadt. Im Vergleich zu Stuttgart, Hamburg, Berlin und München müssen Autofahrer wenig Geduld haben, wenn sie mit dem Auto unterwegs sind. Wer ist verantwortlich, dass der Verkehr so reibungslos läuft?
23.03.2015, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Warum der Verkehr in Bremen so gut fließt
Von Alexander Tietz

Bremen ist keine Stau-Stadt. Im Vergleich zu Stuttgart, Hamburg, Berlin und München müssen Autofahrer wenig Geduld haben, wenn sie mit dem Auto unterwegs sind. Wer ist verantwortlich, dass der Verkehr so reibungslos läuft? Ein Besuch in der Verkehrsmanagementzentrale.

Ein Unfall, mitten in der Neustadt. Ein Lkw prallt an der Dötlinger Straße Ecke Woltmershauser Straße gegen einen Schaltkasten. Es gibt keine Verletzten. Aber eine Ampel, die mit dem Schaltkasten verbunden ist, fällt aus. Die Kreuzung ist in der Regel stark befahren.

Georg Föst befindet sich zu diesem Zeitpunkt mehrere Kilometer entfernt vom Geschehen. Der 58-Jährige sieht nicht, wie der Lkw in den Elektrokasten knallt. Aber er sieht, wie ein rotes Signal in der Verkehrsmanagementzentrale am Herdentorsteinweg aufflackert. Inmitten vieler grüner Lichter blinkt auf einer digitalen Stadtkarte ein rotes auf. Eine von etwa 600 Ampeln in Bremen meldet einen Defekt.

Föst weiß, dass er jetzt handeln muss. Der 58-jährige Verkehrsüberwacher ruft den Entstörungsdienst an. Die Ampel an der Dötlinger Straße muss wieder laufen. Und sie wird laufen. „In ein paar Stunden ist das Problem erledigt“, sagt er. Nachdem Föst den Hörer auflegt, richtet er seinen Blick nach vorn. Er schaut auf etwa 30 Monitore und tut, was er immer tut, wenn er an diesem Platz sitzt: er überwacht den Verkehr in Bremen.

Eher Reparateure als Gestalter

In der Verkehrsmanagementzentrale zeigen Monitore Livebilder vom Verkehr. Zu sehen sind unter anderem der Utbremer Ring, der Hemelinger Tunnel und die Autobahn A 1. Wenn der Verkehr dichter wird, nehmen die Mitarbeiter der Verehrsmanagementzentrale Einfluss. Sie steuern elektronische Verkehrsschilder, reduzieren per Knopfdruck die erlaubte Geschwindigkeit. Manchmal, eher seltener, melden sie auch Unfälle.

In der Regel müssen die Mitarbeiter in der Zentrale wenig Einfluss nehmen. Sie sind keine Gestalter, eher Reparateure. Sie sorgen dafür, dass das, was im Fluss ist, im Fluss bleibt. Die Regentschaft über den Verkehr hat jemand anderes: die Ampel. Ihrer Autorität sind die Verkehrsteilnehmer unterworfen. Und sie ist es, die den Verkehr in Bremen zum Fließen bringt.

Die Ampel verhindert nicht nur Chaos. Sie verhindert auch, dass auf Bremens Straßen Stau entsteht. Bestimmte Ampeln können abhängig vom Verkehrsaufkommen ihre Grünphasen verlängern oder verkürzen. „Je befahrener eine Straße ist, desto länger gibt eine Ampel grünes Licht“, erklärt Hans Georg Teich, Betriebsleiter der Verkehrsmanagementzentrale.

Die Anwort liegt im Asphalt

Möglichst viele Pkw sollen in kurzer Zeit durchkommen. Das System läuft voll automatisch. Woher die Ampeln wissen, wie dicht der Verkehr ist? Die Antwort liegt in der Straße, genauer im Asphalt. Darin befindet sich ein Draht, der mit der Ampel verbunden ist. Der Draht ist zu einer Schleife gewickelt und bildet ein Magnetfeld. Wenn ein Auto über die Drahtschleife fährt, verändert sich das Magnetfeld. Auf diese Weise wird der Ampel über ein Steuergerät signalisiert, wann und wie viele Autos über eine Kreuzung fahren.

In Bremen stehen Autofahrer selten im Stau. Eine Studie des Navigationsherstellers "Tom Tom" aus dem Jahr 2014 hat ergeben, dass die Hansestadt weit hinter Stuttgart, der deutschen Stau-Hauptstadt, zurückliegt. In der Landeshauptstadt Baden-Württembergs stecken Autofahrer mehr als 17 Minuten pro Fahrstunde im Verkehr fest. Dahinter folgen Hamburg (knapp 17 Minuten), Berlin (16 Minuten), München (knapp 16 Minuten) und Köln (15 Minuten). Auf Rang neun liegt Bremen. In der Hansestadt stehen Autofahrer lediglich etwa zehn Minuten pro Fahrstunde im Stau.

Hans Georg Teich, Betriebsleiter der Verkehrsmanagementzentrale, meint, die kurzen Stauzeiten seien unter anderem auf die Ampelsysteme in Bremen zurückzuführen. Aber nicht nur. Verlängerte und verkürzte Grünphasen gebe es in anderen Städten auch. Was Bremen auszeichne, ist die gleichmäßige Verteilung des Straßenverkehrs. Im Vergleich zu Hamburg beispielsweise hänge der Berufsverkehr nicht von einer Autobahn ab, die mitten durch die Stadt führe, so Teich. Der Berufsverkehr in Bremen verteilt sich auf die Hauptverkehrsachsen Osterdeich, Neuenlander Straße, Parkallee, Nordstraße und die Straße Am Wall. Teich sagt: „Auf diesen Straßen ist die Zufahrt ins Zentrum reibungslos möglich.“ Vorteil sei, dass dort viele Autos in kurzer Zeit durchfahren könnten und alle Himmelsrichtungen bedient werden.

Die Hauptverkehrsstraßen zu beobachten ist eine der Aufgaben in der Verkehrsmanagementzentrale. Beobachten – dieses Wort drückt überhaupt aus, was die Mitarbeiter in der Zentrale unentwegt tun. Stundenlang schaut Georg Föst auf dutzende Monitore. Tausende Pkw fahren vor seinen Augen in die Innenstadt und wieder zurück.

Eine Tätigkeit, der eine gewisse Langeweile innewohnt? „Keineswegs“, meint Föst. „Wir müssen wachsam sein.“ Zwischenfälle gebe es immer wieder. Kaum hat er den Satz beendet, flackert wieder ein rotes Signal auf dem Monitor auf. Wieder eine Ampel, die defekt ist. Der Telefonhörer ist nicht weit.

Die erste Ampel Bremens

Die erste elektrische Ampel in der Hansestadt ist an der Straße Am Brill installiert worden. Nach Angaben des Amtes für Straßen und Verkehr wurde die Anlage im Jahr 1928 eingerichtet. Die erste Ampel weltweit wurde bereits 60 Jahre zuvor im Jahr 1868 in London am Parliament Square errichtet.

Die Anlage war nicht elektrisch. Sie wurde mit einer Gaslaterne betrieben. Erfinder war John Knight, Chef einer Eisenbahngesellschaft, der einen Signalmast mit roten und grünen Farben entworfen hatte.

Nachdem die Gaslaterne ein Jahr nach ihrer Inbetriebnahme explodierte, verzichtete man in London ein halbes Jahrhundert auf weitere Lichtanlagen.

Die erste elektrische Ampel wurde im August 1914 im US-amerikanischen Cleveland errichtet. Die erste Elektro-Anlage in Deutschland stand auf dem Potsdamer Platz in Berlin im Jahr 1924.

Sie sind nicht der Meinung, dass der Verkehr in Bremen gut fließt? Dann schicken Sie doch eine Email an onlineredaktion@weser-kurier.de und schreiben uns, wo es in Bremen besonders schlechte und nervige Ampelschaltung gibt. Oder diskutieren Sie mit uns bei Facebook. Vielen Dank!

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