Blendende Aussichten Diskussion um Beleuchtung am Weserstadion

Der Fachausschuss Pauliner Marsch beschäftigt sich mit der Beleuchtung rund um das Weserstadion. Bei der Frage wie hell ist zu hell, gehen die Meinungen auseinander.
10.05.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Matthias Holthaus

Wie hell muss es nachts wirklich sein? Dieser Frage ging der Projektausschuss Pauliner Marsch des Beirates Östliche Vorstadt nach. Konkret geht es dabei um die reflektierende Rasenbeleuchtung des Weserstadions und um die Scheinwerfer, die auf den Sport- und Parkplätzen in der Pauliner Marsch stehen. Vielen Anwohnenden ist dieses Licht jedoch zu hell.

Heinz Günther Zobel ist Geschäftsführer der Bremer Weser-Stadion GmbH und sagt, die Beleuchtung bleibe in der Regel bis 22 Uhr angeschaltet. Vereinsmitglieder und Besucher der Pauliner Marsch würden auf den Parkplätzen parken und überhaupt sei dort ein reges Leben – Fußball werde gespielt, es gebe die Tennisanlagen. „Das wird von vielen gewollt und genutzt, deshalb müssen wir für Verkehrssicherheit sorgen.“ An Parkplatz 2, also dem Platz an der Franz-Böhmert-Straße, stehen jedoch sehr stark strahlende Scheinwerfer. Dabei handelt es sich um ehemalige Flutlichtscheinwerfer und Heinz-Günther Zobel meint, dass dort durchaus eine Blendung eintreten könne. „Wir reden mit dem Elektrobetrieb, ob die Blendung eingestellt werden kann. Alle anderen Lampen sind aber so vorgesehen.“ Insbesondere bei Spielbetrieb gelte: „Wir müssen so lange das Licht anhaben, bis der letzte Arbeitnehmer das Gelände verlassen hat. Wir wollen einen Angstraum vermeiden.“ Und auch, wenn die Profimannschaft von Werder Bremen spät von einem Auswärtsspiel komme, müsse das Licht angelassen werden: „Denn das sind ja auch Arbeitnehmer.“

Scheinwerfer anders ausrichten

Peter Böhme als Vertreter der Linken unterscheidet jedoch zwischen Parkplätzen und Sportanlagen. Nach seiner Beobachtung rege sich um 22 Uhr auf den Parkplätzen nichts mehr. Wenn das Licht zwei Stunden nach Spielende ausgeschaltet werden würde, müsste das seiner Ansicht nach reichen: „Alles andere ist Lichtverschmutzung.“ Er schlage vor, die beiden Scheinwerfer auf die Grenze der Parkplätze 2 und 2a zu richten: „Platz 2 ist als Multifunktionsplatz ausgelegt“, sagt er und meint, dass dieser Platz vornehmlich als Parkfläche für die Werdespieler genutzt werde: „Da können doch dann auch die Frauen parken.“

Lesen Sie auch

Heinz-Günther Zobel widerspricht: „Wir haben noch zwei Stunden nach Spielende Betrieb in den Logen, danach geht die Arbeit für die Bediensteten erst los. Das Personal kommt erst Stunden später raus.“ Und der angesprochene Multifunktionsplatz werde zwar auch von den Werderspielern als Parkplatz genutzt, aber ebenso vom Stadionbad und dem Tennisverein.

Als störend empfindet Petra Wessels von der Initiative Leben im Viertel (LIV) den Umstand, dass auch bei Auswärtsspielen Licht im Stadion brennt. Und Peter Böhme meint, er habe in der Pauliner mal die Lichtmasten gezählt – bei 50 habe er aufgehört zu zählen: „50 Masten, das bringt das Naherholungsgebiet aus der Balance. Das wird dort zum reinen Sportareal“, meint er, dabei habe gerade die Balance die Pauliner Marsch ausgezeichnet. Heinz-Günther Zobel betont noch einmal, dass die Masten auch die Funktion der Sicherheit erfüllen würden: „Die Zentralisierung auf einen großen Parkplatz führt nun einmal dazu, dass viel Betrieb herrscht.“

Rasenbeleuchtung von 23 bis 6 Uhr ausgeschaltet

Hubertus Hess-Grunewald, Präsident des Sportvereins Werder Bremen, thematisiert die Rasenbeleuchtung, die das Grün des Weserstadions mit Licht versorgt. „Wir haben die Betriebsdauer signifikant reduziert, zwischen 23 und 6 Uhr lassen wir die Beleuchtung nicht mehr leuchten. Damit wollten wir auch Kritiken aus der Anwohnerschaft und dem Beirat entsprechen.“ Stefan Schafheitlin (LIV) reicht das nicht: „Dafür scheint es im Winter zwischen 16.30 und 23 Uhr.“ Weit über das Stadion hinweg leuchte das „gespenstisch gelbe Licht“, das seien erhebliche Zeiten, die dann noch bleiben. Hess-Grunewald sagt, er könne zwar nicht beurteilen, ob eine Reduzierung der Beleuchtung möglich sei, doch sie diene dazu, die Qualität des Rasens in den Wintermonaten aufrechtzuerhalten: „Wir machen da nur das, was nötig ist, um keine Energie zu verschwenden.“

Lesen Sie auch

Birgit Menz von den Linken schlägt anschließend vor, dass vielleicht die Beleuchtung abgedeckt werden könnte, um ein Hochstrahlen in den Himmel zu vermeiden. Das sei geprüft worden, antwortet Hess-Grunewald, doch eine Abdeckung würde einen Wärmestau verursachen: „Dann verbrennt der Rasen.“

Die Thematik der geplanten Videowand, die an der Nordwestseite des Stadions in Richtung Osterdeich installiert werden soll, wird eigentlich im Bauausschuss des Beirates Östliche Vorstadt behandelt. Peter Böhme fragt dennoch nach dem derzeitigen Stand der Planungen. „Für uns ist das noch aktuell und ein klarer Vorgang“, sagt Heinz-Günther Zobel. Die Firma Wohninvest trage dazu bei, das Stadion zu finanzieren, und die Bremer Weser-Stadion GmbH habe für das Immobilienunternehmen den Bauantrag gestellt. „Am Ende gab es eine Baugenehmigung. Nun liegt es an Wohninvest, das Baurecht anzuwenden.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+