Starker Passagierrückgang

Bremer Flughafen: Finanzpolster reicht bis Juni

Der Flughafen Bremen macht einen Verlust von 20 Millionen Euro. Im Corona-Jahr 2020 wurde er von etwa 594.000 Passagieren genutzt. Damit ist die Zahl der Passagiere um knapp drei Viertel gesunken.
20.01.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Bremer Flughafen: Finanzpolster reicht bis Juni
Von Peter Hanuschke
Bremer Flughafen: Finanzpolster reicht bis Juni

Warten auf eine Maschine: Am Bremer Airport sank die Zahl der Passagiere auf ein Level, das es so zuletzt 1975 gab.

Frank Thomas Koch

Es gibt Branchen, deren Betriebstätigkeit während der Lockdown-Phasen quasi zum Stillstand gekommen ist – die Luftverkehrsbranche gehört dazu und damit auch der Flughafen Bremen. Die Folgen der Corona-Pandemie werden deutlich an der Zahl der Passagiere, die hier im vergangenen Jahr starteten und landeten: Das waren 594.680 Reisende gegenüber 2,31 Millionen im Vorjahr. Ein schlechteres Ergebnis als im vergangenen Jahr liegt Jahrzehnte zurück: Weniger Passagiere nutzten den Bremer Flughafen zuletzt 1975: Damals landeten 554.000 Passagiere auf dem Neuenlander Feld oder flogen von dort ab.

Das Minus bei den Passagieren um fast drei Viertel im Vergleich zum Vorjahr ist laut Flughafen-Geschäftsführer Elmar Kleinert nicht allein für Bremen ein Desaster. Das gelte genauso für die gesamte Luftverkehrsbranche, wie er sagt: „Die Fluggesellschaften und Flughäfen befinden sich durch die immer wieder wechselnden Reise- und Quarantänebestimmungen faktisch seit Monaten im Lockdown.“

Lesen Sie auch

Unerfüllter Wunsch

Den Wunsch, den der Flughafen-Chef im Oktober im Interview mit dem WESER-KURIER geäußert hatte, ging bislang nicht in Erfüllung: Kleinert wollte, solange Corona noch Thema ist, dass die Branche insgesamt klarere Rahmenbedingungen erhält. Es müsse einfach für alle wieder planbar, transparent und verlässlich werden – auch, „wenn wir noch keinen Impfstoff haben“, äußerte sich der Geschäftsführer damals.

Wie bereits im Oktober machte Kleinert erneut darauf aufmerksam, wie der Airport als systemrelevanter Partner den Flugbetrieb seit März permanent aufrechterhalten habe. So konnten Fracht- und Ambulanzflüge jederzeit die Hansestadt anfliegen. Ein Teil der Maschinen transportierte Hunderttausende Schutzmasken und -anzüge an die Weser.

Lesen Sie auch

Das Aufkommen bei der Luftfracht sank auf 11.580 Tonnen. Verglichen mit dem Vorjahr entspricht das einem Minus von fast 20 Prozent. Innerhalb des Segments konnte der Flughafen aber an einer Stelle zulegen: Was den Warentransport mit reinen Frachtfliegern angeht, stieg das Aufkommen um 118 Prozent. In absoluten Zahlen waren das 1151 Tonnen. Denn nur so konnte die Nachfrage befriedigt werden. Wie an anderen Flughäfen gab es ebenso am Bremer Airport einen Mangel beim Platz im Frachtraum von Passagiermaschinen. Denn der wird auch für Luftfracht genutzt.

Zum allgemeinen Minus trug der Rückgang bei der sogenannten getruckten Fracht bei. Dabei handelt es sich um Fracht, die am Bremer Airport für den Luftverkehr vorbereitet wird und per Lkw an die großen Frachtflughäfen geht. Diese Fracht lag danach bei 10.428 Tonnen und verzeichnete damit einen Rückgang um knapp ein Viertel.

„Wir haben gute Unterstützung erfahren“

Der Passagierrückgang hat Auswirkungen auf die finanzielle Situation: Seit dem ersten Lockdown im Frühjahr gingen die Einnahmen bei laufenden Ausgaben spürbar zurück. Laut Flughafen beläuft sich der Verlust für 2020 beläuft auf etwa 20 Millionen Euro. Kleinert kommentierte dies: „Von unserem Gesellschafter, der Stadt Bremen, haben wir in dieser noch nie da gewesenen Situation gute Unterstützung erfahren und wurden in den sogenannten Cash-Pool aufgenommen.“ Damit sei der Flughafen Bremen bis Mitte dieses Jahres finanziell abgesichert.

Für zusätzliche Finanzhilfen sieht Kleinert den Bund in der Pflicht. Hier argumentiert er mit der Systemrelevanz sowohl des Bremer Airports als auch der aller Flughäfen. Diese hätten für ein Funktionieren der gesamten Infrastruktur in Deutschland gesorgt. Das habe sich im ersten harten Lockdown gezeigt habe, als alle Grenzen dicht waren. Masken und andere Hygienematerialien seien nur noch über den Luftweg nach Deutschland gekommen.

Lesen Sie auch

Dazu gab es im November im Bundesverkehrsministerium einen Luftverkehrsgipfel. Die Flughäfen zeigten dort auf, dass es letztlich Geld koste, wenn sie aufbleiben und so die systemrelevante überregional bedeutende Logistik sicherstellen. Es sei wichtig, „dass die angekündigte Unterstützung aus der Luftverkehrskonferenz nun zügig in Gang komme und der Bund zumindest einen Teil der entstandenen Vorhaltekosten auffängt“, untermauerte Kleinert seine Forderung.

Zusätzliche Verbindungen

Für das laufende Jahr setzt der Airport wieder auf steigende Passagierzahlen. Dabei kann der Flughafen des kleinsten Bundeslandes zusätzliche Verbindungen vermelden: Die bulgarische Airline Voyage Air stationiert im Sommer eine Maschine in Bremen. Sie will während des Sommerflugplans von hier die vier Ziele Sofia, Burgas, Varna und Gran Canaria ansteuern. Die türkische Billigfluggesellschaft Corendon Airlines baut ihr bisheriges Engagement aus. Zusätzlich zum türkischen Urlaubsziel Antalya geht es nun auch nach Izmir und in die Hauptstadt Ankara.

Lesen Sie auch

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+