Ehemalige Bremer Landesbank Die Marke BLB verschwindet

Seit Dienstag ist ganz deutlich zu sehen: Die ehemalige Bremer Landesbank gehört zur NordLB. Denn nun sind auch die Fahne und das Logo am Eingang ausgetauscht. Die Verschmelzung dauert aber noch an.
03.07.2018, 20:36
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Die Marke BLB verschwindet
Von Lisa Schröder

In diesem Moment geht ein Stück Geschichte zu Ende. Die Passanten auf dem Domshof nehmen davon kaum Notiz. Doch oben auf dem Dach der Bremer Landesbank passiert gerade ein Akt mit Symbolkraft. Ganz oben auf dem Gebäude wird die Fahne mit dem Schriftzug BLB eingezogen und eine der Norddeutschen Landesbank (NordLB) gehisst.

Seit den frühen Morgenstunden ist am gläsernen Eingangsportal bereits das Logo der NordLB zu sehen. Das Schiff fährt unter neuer Flagge. Seemannssprache dürfte an diesem Ort allerdings Wehmut erzeugen. Denn erst die Schifffahrtskrise brachte die BLB in Schieflage und führte schließlich zum Verlust ihrer Eigenständigkeit. Nun gehört die Landesbank komplett der NordLB.

Am Bremer Standort ist Klaus Gebhardt, Leiter des Bereichs Privat- und Geschäftskunden der NordLB, maßgeblich daran beteiligt, dass aus zwei Banken eine wird. Die Integration der BLB in die NordLB ist seine Hauptaufgabe und, diese „möglichst geräuschlos und schnell“ umzusetzen.

Lesen Sie auch

Zwischen den Menschen klappe die Zusammenarbeit bereits jetzt sehr gut, sagt er: „Das ist wirklich vorbildlich. Da machen die Oldenburger und Bremer Kollegen einen ausgesprochen tollen Job. Das ist wirklich bemerkenswert.“ Die Anpassung der Produkte, Prozesse und Systeme kostet aber weiter Zeit. Die Bankidentifikation IBAN soll für die Privatkunden erst 2021 einheitlich sein.

„Zu einem früheren Zeitpunkt wird das nicht möglich sein, aus technischen Gründen“, sagt der Bankdirektor. Zeitdruck gebe es nicht seitens der Aufsicht, dafür jedoch im Konzern selbst: „Wir wollen so schnell wie möglich eins werden – in jeder Hinsicht.“ Dabei soll das Private Banking weiter ausgebaut werden. Bremen ist schon in der Vergangenheit im Konzern Kompetenzzentrum für Vermögensverwaltung gewesen.

Gebhardt will Ansätze aus Bremen und Oldenburg jetzt auf den Konzern ausdehnen: „Ziel ist nicht, kleiner zu werden, sondern deutlich zu wachsen.“ Innovativer soll dieser Bereich sein. Standardprozesse sollen automatisiert gelöst werden, um mehr Zeit für die Beratung und das Portfoliomanagement zu haben. „Da sind wir gerade in einem Umbau.“ Die Abteilung sei gut aufgestellt und habe noch Luft für neue Geschäfte.

"Ich habe den schönsten Job in der Bank

In Gebhardts Zuständigkeit fallen seit ein paar Monaten nicht nur wie bisher die Standorte Hamburg und Hannover, sondern auch Oldenburg, Bremen und Braunschweig. „Ich habe den schönsten Job in der Bank“, sieht es der Manager. Seit Anfang des Jahres lebt er mit seiner Frau in Bremen. Tatsächlich sei er momentan sehr viel unterwegs, alle paar Wochen in Hannover, am Montag in Oldenburg. Der Umzug nach Bremen, seinem Hauptstandort, sei eine bewusste Entscheidung gewesen.

Seit 2001 arbeitet Gebhardt für die NordLB. „Ich wollte das Private Banking bei der NordLB etablieren. Das gab es damals nicht.“ Also habe er ein Konzept für die ganzheitliche Betreuung vermögender Privatkunden erstellt. Nun stehen mit der Digitalisierung für die Bank wieder viele Herausforderungen an. In Laboren arbeitet der Konzern an der Zukunft.

Die NordLB könnte bald schon mit einem Fin-Tech kooperieren. In Bremen geht es zunächst auch darum, sich kennenzulernen. Er habe schon viele Veranstaltungen besucht, erzählt Gebhardt, und dabei Verbindungen aufgebaut. „Das Signal war: Schön, dass ihr wieder da seid.“ Eine Weile habe es eine Zurückhaltung seitens der Bank gegeben. Das sei jetzt aber vorbei.

Lesen Sie auch

In den vergangenen Monaten hätten die Berater, seine Kollegen Bernd Ullrich, Regionalvorstand Christian Veit und er selbst viele Gespräche mit Unternehmern geführt. Die drei sind verantwortlich für Geschäftskunden abhängig von der Umsatzgröße. Natürlich habe es da eine Verunsicherung gegeben. Selbst wenn die Zeiten schwer waren und der ein oder andere ging: Unterm Strich habe die Bank keine Kunden verloren. „Im Gegenteil sind wir ein kleines Stück gewachsen – auch im Volumen.“

Wie hat Gebhardt das neue Logo beim Betreten der Bank wahrgenommen? „Für mich war das überhaupt kein Problem. Ich habe von Anfang an die Meinung vertreten, dass es sinnvoll ist, den Markenwechsel so schnell wie möglich zu vollziehen“, sagt er. In Gesprächen mit Kunden und Kollegen habe er Bestätigung bekommen.

„Der überwiegende Teil war der Meinung: Warum habt ihr das nicht gleich gemacht?“ Seine Mitarbeiter haben den Logo-Wechsel seinem Eindruck zufolge gar nicht wahrgenommen. Die Umstellung sei – wie überhaupt alle Schritte während der Übernahme – sehr offen kommuniziert worden. Jetzt gebe es statt einem „Ich“ und „Die“ ein „Wir“. Der Markenname sei zweitrangig.

Anfeindungen gegen Mitarbeiter

Es gehe darum, die Menschen zum Team zusammenbringen, für die Kunden da zu sein und Arbeitsplätze zu halten. „Es ist immer mein Ziel gewesen, die Bank gemeinsam nach vorne zum Erfolg zu bringen. Ich bin nicht nach Bremen gekommen, um hier etwas abzuwickeln.“ Der Termin am Dienstag zog tatsächlich keine große Aufmerksamkeit der Belegschaft auf sich.

Gerade ist Ferienzeit. Vielleicht wäre der Austausch von Fahne und Logo für manchen Passanten auch ein Anlass gewesen, Mitarbeiter anzusprechen. In der Vergangenheit hat es sogar schon Anfeindungen gegeben – etwa beim Tag der Architektur. Die Mitarbeiter mussten sich „Schämen Sie sich eigentlich nicht, dass Sie hier arbeiten?“ oder „Warum kriegen Sie noch Gehalt?“ anhören.

Insgesamt hat die NordLB 28 000 Kundenverbünde mit teils mehreren Konten. Schon über Generationen seien Familien bei der Bank, sagt Gebhardt: „Das muss man sich verdienen.“ Für die Kunden sei ein in der Region fest verwurzeltes Kreditinstitut wichtig, und das treffe zu: „Wir sind im Nordwesten tief verwurzelt, ob NordLB oder BLB. Das ist eins.“

Lesen Sie auch

Die Kunden sollen unterstützt werden, wenn es in drei Jahren wegen der neuen IBAN an die Umstellung von Daueraufträgen und Lastschrifteinzügen geht. Ein Großteil der Bankkarten, die weiter gültig sind, wird Ende des Jahres turnusgemäß umgestellt. 2021 soll die Übernahme abgeschlossen sein. „Dann sind wir auch technisch eine Bank.“

Die BLB ist als Logo aber nicht ganz verschwunden: „Es gibt noch Kaffeetassen mit BLB – die werden wir weiter benutzen.“ Das gelte auch für Kugelschreiber oder Blöcke. Alles, was nach außen geht, ist nun jedoch umgestellt: die Website, das Briefpapier, die Visitenkarten. Und auch am Gebäude bleibt etwas. Die historischen Buchstaben über dem Eingangsportal des Gebäudes erzählen weiter Geschichte: Diese Bank hieß mal Bremer Landesbank.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+