Serie: Neue Bremer im Bundestag Zwischen Plenarsaal und Hafenbecken

Uwe Schmidt (SPD) sieht sich als einer der wenigen echten Arbeiter in seiner Fraktion. Bremerhaven bleibt sein Lebensmittelpunkt.
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Zwischen Plenarsaal und Hafenbecken
Von Carolin Henkenberens

Die Heimatliebe des Uwe Schmidt ist offensichtlich. Schon beim Betreten seines Abgeordnetenbüros in Berlin fallen die Fotos auf. Ein Bild zeigt die Skyline von Bremerhaven. Ein anderes ein riesiges Containerschiff, eine weitere Aufnahme den Nordhafen von oben. „Meine alte Wirkungsstätte. Ich bin ja Hafenarbeiter“, sagt der groß gewachsene 51-Jährige, der sich vor die Bilderrahmen stellt und kurzerhand erläutert, was zu sehen ist.

Seit September ist der SPD-Politiker Abgeordneter im Bundestag für Bremen. Als aktiver Betriebsrat des Gesamthafenbetriebs Bremerhaven fühlt sich Schmidt aber noch genauso als Hafenarbeiter wie früher. „Ich bin einer der wenigen echten Arbeiter in unserer Fraktion“, sagt er.

Und weil Schmidt die Seeluft liebt und Bremerhaven sowieso, ist sein neuer Begleiter seit einigen Wochen ein kleiner, schwarzer Ziehkoffer. „Ich pendele“, erklärt er. Trotz Mandats in Berlin steht für ihn nämlich fest: „Mein Lebensmittelpunkt ist und bleibt Bremerhaven.“ Außerdem sei der Wohnungsmarkt in Berlin schwierig. Unterbezirksparteitag in der Heimat, Sitzung in Berlin, Betriebsratssitzung in Bremerhaven: Der Koffer macht momentan so seine Kilometer.

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In die Abläufe des Bundestags habe er sich schon ganz gut eingefunden, sagt Schmidt. Mit seinen Mitarbeitern war er bereits bowlen, um sich gegenseitig kennen zu lernen. Sein Büro im siebten Stock des Paul-Löbe-Hauses sei zwar etwas beengt. Aber vielleicht bekomme er noch einen Raum dazu. Natürlich seien im Bundestag „wesentlich dickere Bretter zu bohren“ als in Bremen, aber er sei nicht so kontaktscheu, sagt Schmidt.

Gute Kontakte pflege er etwa zu „den Jungs von der Küste“. Etwa zu Johann Saathoff aus Emden, Lars Klingbeil aus dem Wahlkreis Rotenburg und dem gebürtigen Bremer Johannes Kahrs. Schmidt hat auch sogleich einen Posten erhalten. Die SPD-Küstengang, in der sich die Abgeordneten der fünf norddeutschen Länder Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein zusammenschließen, hat ihn zu einem ihrer drei Vorsitzenden gewählt.

Seehäfen in Deutschland wettbewerbsfähig machen

Schmidt will sich als Nachfolger von Uwe Beckmeyer, dem Parlamentarischen Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, auf Themen der Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik konzentrieren. Besonderes Augenmerk werfe er dabei auf die Interessen Bremens und Bremerhavens als Standort der Seefahrt. „Die Digitalisierung verändert die Schifffahrt massiv“, sagt Schmidt. Es stellten sich viele Fragen. „Wollen wir, dass diese großen Pötte vollautomatisch über unsere Ozeane schippern? Wer übernimmt dann im Notfall die Haftung?“, fragt er.

Schmidt möchte die Seehäfen in Deutschland wettbewerbsfähig machen. „Damit die technische Entwicklung nicht tausende Jobs vernichtet.“ Ebenso will der 51-Jährige sich für eine striktere Reglementierung von Zeit- und Leiharbeit, für angemessene Tariflöhne und eine bessere Infrastruktur auf dem Land einsetzen. „Bremerhaven braucht einfach eine Intercity-Anbindung als zweitgrößter Seehafen in Deutschland“, findet Schmidt.

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Gerne würde er im Ausschuss für Wirtschaft, Arbeit oder Verkehr vertreten sein. Ob es so kommen wird, entscheidet sich erst, wenn sich der Wirbelsturm der Regierungsbildung gelegt hat und die Ministerien zugewiesen sind. Die Abgeordneten sind im Wartemodus. Denn eine Regierung hat Deutschland noch immer nicht. Jamaika scheiterte. Jetzt soll die SPD ran und eine neue Große Koalition mit der Union bilden. Für die SPD, die mit 20,5 Prozent ihr historisch schlechtestes Ergebnis einfuhr, eine sehr turbulente Phase. Für Schmidt, den Neuling in Berlin, eine „spannende Zeit“.

Er erlebte als Delegierter den SPD-Bundesparteitag und stimmte mit dafür ab, dass die SPD Sondierungen mit der Union startet. Er findet, die SPD müsse jetzt klar machen, was sie sich inhaltlich vorstellt. „Ganz klar muss es jetzt um Inhalte und eine klare sozialdemokratische Handschrift gehen.“ An Kanzlerin Angela Merkel (CDU) kritisiert er, dass sie nicht sage, was sie will.

Sondierungsgespräche abwarten

Für Schmidt ist es ein Spagat: Einerseits die Sitzungen im Bundestag, bei denen er über die Verlängerung mehrerer Bundeswehreinsätze zu entscheiden hat, etwa für den Irak, Mali, Afghanistan und gegen den Daesch. Oder in denen er sich mit Anträgen seiner Fraktion beschäftigt, zum Beispiel zu einem Verbot des Pflanzengiftes Glyphosat in Deutschland und für die Abschaffung des Paragrafen 219a, der Werbung für Abtreibungen unter Strafe stellt.

Andererseits ist er im Bremerhavener Hafen unterwegs und verteilt Weihnachtstüten an die Mitarbeiter oder empfängt zu einem Weihnachtsball. Drei Monate nach seiner Wahl hat Uwe Schmidt viele Erlebnisse im Gepäck, wenn er und sein kleiner Koffer zurück nach Bremerhaven-Lehe zu seiner Familie fahren. Dort hat er Weihnachten verbracht und genießt jetzt noch ein paar freie Tage.

Bevor es am 15. Januar 2018 in Berlin mit den Sitzungswochen weitergeht, sei er im Wahlkreis unterwegs. „Und, so die Sondierungsgespräche erfolgreich verlaufen, wird es auch noch einen Parteitag geben“, sagt er. Für die SPD-Abgeordneten wird es daher besonders interessant über den Jahreswechsel. Schmidt scheint es gelassen zu nehmen. Erst einmal heiße es jetzt: Sondierungsgespräche abwarten.

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