„Schott the Dohr“

Schnick-Schnack-Schnuck: Hagen und Borgfeld stehen im DFB-Pokal!

Die Sportredaktion schließt den Mai ab. In unserer etwas anderen Monats-Rückschau diskutieren wir dabei auch über die Dinge, für die im redaktionellen Alltag oftmals kein Platz in der Zeitung ist.
01.06.2020, 10:56
Lesedauer: 6 Min
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Von Dennis Schott und Tobias Dohr
Schnick-Schnack-Schnuck: Hagen und Borgfeld stehen im DFB-Pokal!

Die Kleinen machen es vor, die Großen bald nach? Noch immer ist nicht klar, wie es bei den Pokalwettbewerben im Fußball weitergeht. "Schott the Dohr" zieht das Kinderspiel "Schnick-Schnack-Schnuck" als (nicht ganz ernst gemeinte) Alternative in Betracht.

Michael Braunschädel

Dennis, ich gratuliere zu dieser schicken Frisur. Meine besten Grüße an Barbara. Sag mal, hast Du Lust auf eine Runde Schnick-Schnack-Schnuck?

Gerne. Aber als erstes muss und möchte ich eine Danksagung aussprechen: Ich kann mich nach dieser friseurlosen Corona-Zeit wieder auf die Straße trauen. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass die Grüße ankommen werden. Hat ja letztes Mal auch geklappt. Über Umwege gelangte mein Hilfeschrei vom letzten Mal doch tatsächlich bis zu meiner Friseurin ins Bremer Viertel. Barbara hat mich natürlich darauf angesprochen. Aber Tobi, wieso willst du eigentlich Schnick-Schnack-Schuck spielen? Verlierst doch sowieso gegen mich.

Lass Dich überraschen, ich weiß ja, was Du für ein Schnuck-Typ bist... also, los: Schere, Stein oder Papier?

Okay, auf drei: Schniiick, Schnaaack, Schnuck: Schere!

Zack – gewonnen. Ich wusste natürlich, dass Du Schere nimmst, wo Du doch gerade so beglückt vom Friseur zurückgekommen bist. Deshalb siehst Du hier meinen formvollendeten Stein. Und weißt Du, was das bedeutet?

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Na?

Der FC Hagen/Uthlede steht im Finale um den Niedersachsen-Pokal.

Herr Dohr, wovon träumen Sie eigentlich nachts?

Tatsächlich viel zu selten von verrückten Fußballgeschichten wie dieser. Ja, ich weiß, unser Schnick-Schnack-Schnuck-Szenario wird wohl Fantasie bleiben. Ist ja auch besser so. Aber wie soll denn jetzt dieses Pokal-Problem bloß gelöst werden? Die Fußballsaison wird ja ganz offensichtlich abgebrochen, und was ist mit dem Pokal?

Das ist in der Tat eine ziemlich spannende Frage. Die beschäftigt ja nicht nur den FC Hagen/Uthlede, sondern auch den SC Borgfeld, der im Bremer Landespokal im Halbfinale steht. Die Pokalwettbewerbe haben darunter zu leiden, dass sie offensichtlich einen Sieger ermitteln müssen. Aber wie, wenn kein Fußballspiel ausgetragen werden darf? Das ist die große Frage. Spekuliert wird ja sogar über ein Losverfahren. Ich denke, wenn man es einigermaßen sportlich entscheiden will, dann kann eigentlich nur ein Elfmeterschießen dabei herauskommen. Das wäre durchaus durchführbar, hätte aber auch Lotterie-Charakter, oder?

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Eben eben, dann könnte man auch fast schon wieder schnucken...

Herr Dohr, können Sie jetzt mal damit aufhören? Sie sind doch auch Sportler, und im Sport ist Fairness doch das oberste Gebot. Deswegen kommt diese Schnuckerei auch gar nicht in Frage: Beim Stichwort „fair“ treibt mich sowieso was anderes um. Wieso ist es nicht möglich, wenn die Pokalwettbewerbe nicht sauber ausgespielt werden können, zu sagen: Wir erklären alle vier Halbfinalisten zum Sieger. In erster Linie geht es den Vereinen doch darum, einmal im DFB-Pokal zu stehen und dann womöglich das große Los zugelost zu bekommen. Die vier Halbfinalisten könnten dann abwechselnd oder mit einer Mix-Mannschaft gegen ihren Gegner antreten und würden sich die Einnahmen aus diesem Spiel teilen. Wird sowieso nicht klappen, weiß ich auch, aber träumen darf man ja wohl noch.

Ts, ts, ts, und mir unterstellt der Herr Schott verrückte Träumereien. Es ist und bleibt am Ende aber irgendwie eine loose-loose-Situation mit diesem Sch....-Corona. Sieht man jetzt ja sogar beim Tennis. Die dürften irgendwie spielen, und wollen auch irgendwie, aber irgendwie auch wieder nicht. Jedenfalls nicht unter den gegebenen Bedingungen...

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Das ist in der Tat komisch. Da versucht ein Verband alles auf die Beine zu stellen, um seinen Vereinen einen Spielbetrieb zu ermöglichen und dann rümpfen die ihre Nase. Nee, wollen wir nicht. Aber ist ja auch nachvollziehbar. Wer nimmt schon eine weite Fahrt auf sich, um nur ein Einzel zu bestreiten und danach wieder verschwitzt ins Auto zu steigen. Du kannst da inzwischen sicherlich mitfühlen als frischgebackener Tennis-Spieler.

Da sagst Du was... da meine Schiedsrichter-Karriere ja bis auf weiteres auf Eis gelegt ist, und wir mit meiner Fußball-Ü40 definitiv niemals nicht die Hygieneregeln während und nach dem Training einhalten können (und deshalb aufs Training nach wie vor verzichten), bin ich jetzt aufs Tennis umgestiegen. Und erfülle damit quasi meine eigene Prophezeiung, dass einige Fußballer zum Tennis abwandern werden. Aber keine Angst: Fußball bleibt meine Nummer eins. Wenngleich die Premiere auf dem Tenniscourt unfassbar viel Spaß gemacht hat.

Wenn das so weitergeht, fängst Du auch noch mit dem Golfen an...Aber apropos Spaß: Sag mal Tobi, Du bist ja nicht nur frisch gebackener Tennisspieler, Schiedsrichter und Ü40-Fußballer, sondern auch Trainer einer Fußball-Jugendmannschaft. Macht das unter den Bedingungen eigentlich Spaß zu trainieren? Was sagen eigentlich die Kiddies dazu? Und überhaupt: Wieso können erwachsene Männer wie Du in der Ü40 die Hygieneregeln nicht einhalten, deine Achtjährigen aber dafür schon?

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Vielleicht liegt das am Trinkverhalten nach dem Training. Nein, Spaß beiseite: Unser Ü40-Training beinhaltet meist drei Schwerpunkte: Kurzes, aber effektives Warmstehen, einstündiges Spielen mit haufenweise selbstüberschätzten Tricks und unvollendeten Traumpässen, abschließendes Abschwitzen bei isotonischen Getränken. Meistens ist Teil drei übrigens der zeitintensivste. Du siehst, Dennis: Dieses Training ist nicht wirklich corona-konform. Anders sieht das bei meiner U9 aus.

Und zwar?

Acht- und Neunjährige halten sich vermutlich oftmals besser an die Vorgaben als viele Erwachsene. Ich habe die Mannschaft in zwei Gruppen aufgeteilt und trainiere nacheinander. Alles ohne Zweikämpfe und mit Abstandsregeln. Klappt super. Und Lattenschießen macht als Abschlussspiel auch verdammt viel Spaß. Dennoch: Gerade für Kinder ist es brutal, nicht richtig spielen zu dürfen. Und Du kannst Dir sicher vorstellen, welche Frage ich beim ersten Training nach der langen Corona-Pause permanent gehört habe...

Hm, lass mich raten: Wann dürfen wir denn wieder unser erstes Spiel machen?

Nicht mal so konkret. Einfach nur: Tobi, dürfen wir heute auch ein richtiges Spiel am Ende des Trainings machen? Und ich dann: Nein, das dürfen wir leider die ganzen nächsten Wochen noch nicht machen. Und dann kam eigentlich bei jedem Spieler der Einwand: Aber die Bundesliga spielt doch auch. Tja, Dennis, was antwortet ein gewissenhafter Trainer dann auf diese völlig berechtigte Nachfrage eines achtjährigen Fußballers?

Ganz einfach, du sagst: Das sind Profis, für die gelten andere Regeln. Wäre ja nicht einmal gelogen. Vielleicht kannst du noch anfügen: Aber wenn du dich ganz doll anstrengst, wirst du vielleicht mal selbst Profi und kannst auch dann Fußball spielen, wenn alle anderen es nicht dürfen (lacht).

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Mein Gott, Herr Schott. Gut, dass Sie kein Jugendtrainer sind. Ich interpretiere in diese Zeilen jetzt einfach mal gaaaanz viel Sarkasmus und Ironie sowie einen Spritzer Zynismus rein. Nicht dass Du bei Deinem nächsten Friseurtermin den Shitstorm Deines Lebens abkriegst...

Ach, den halte ich auch noch aus. Bis zu meinem nächsten Friseurbesuch sind ja noch ein paar Wochen hin. Da hätte locker eine zweite Corona-Welle Platz. Achtung: Wieder Ironie! Aber die zweite Welle wäre eher von ostfriesischen Restaurants zu befürchten als von unseren Sportvereinen. Bei denen – das haben unsere Besuche ja gezeigt – wird schließlich streng nach Hygienevorschriften trainiert, oder?

Ich gehe ganz fest davon aus. Und befürchte dennoch, dass wir uns noch einige Wochen in diesem unbefriedigenden Schwebezustand zurechtfinden müssen. Aber es kann halt niemand wirklich sagen, wie sich die Zahlen entwickeln werden. Und eine Patentlösung, die gibt es nun mal nicht – das hat wohl hoffentlich mittlerweile auch der letzte Kritiker geschnallt. So, Dennis, wie wär's denn jetzt zum Abschluss noch mit einer Runde Schere-Stein-Papier?

Na gut, Du Unverbesserlicher. Auf drei, Schniiick, Schnaaack, Schnuck: Wieder Schere. Und jetzt komm mir nicht, du hättest es wieder gewusst...

Doch, hab ich (lacht). Ich präsentiere Dir meinen formvollendeten Stein.

Und was heißt das jetzt?

Ist doch klar: Hagen und Borgfeld stehen im DFB-Pokal!

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Zur Person

Die Sportredaktion

schließt den Mai ab. In unserer etwas anderen Monats-Rückschau lassen wir die vergangenen Wochen Revue passieren und diskutieren dabei auch über die Dinge, für die im redaktionellen Alltag oftmals kein Platz in der Zeitung ist. Nicht immer einer Meinung, aber meinungsstark. Nicht immer bierernst, aber mit voller Überzeugung für den hiesigen Amateursport. „Schott the Dohr“ – die Redakteure Tobias Dohr (oben) und Dennis Schott schließen die Tür.

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