Was hinter dem umstrittenen Begriff „Nafri“ steckt Sprachgebrauch der Polizei

Bremen. Noch hatte das neue Jahr gar nicht begonnen, da kursierte schon ein Begriff bei Twitter, der die ersten Tage im Jahr 2017 bestimmen sollte. Die Kölner Polizei schrieb in der Silvesternacht, es würden am dortigen Hauptbahnhof „mehrere hundert Nafris überprüft“.
04.01.2017, 00:00
Lesedauer: 1 Min
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Sprachgebrauch der Polizei
Von Klaas Mucke

Bremen. Noch hatte das neue Jahr gar nicht begonnen, da kursierte schon ein Begriff bei Twitter, der die ersten Tage im Jahr 2017 bestimmen sollte. Die Kölner Polizei schrieb in der Silvesternacht, es würden am dortigen Hauptbahnhof „mehrere hundert Nafris überprüft“. In der Folge gab es Verwirrung um den Begriff und seine Bedeutung. Sicher ist, das Wort „Nafri“ stammt aus dem Sprachgebrauch der Polizei. Eine trennscharfe Definition, was damit genau gemeint ist, gibt es allerdings nicht. Daher rühren auch in gewisser Weise die Verwirrung und Empörung nach dem Polizei-Tweet.

In der Vergangenheit wurde der Begriff von der Kölner Polizei meist verwendet, um „nordafrikanische Intensivtäter“ zu beschreiben. Die „sogenannte Nafri-Szene“ gehöre zu den Gruppen, die der Polizei Sorgen machten, sagte Polizeipräsident Jürgen Mathies im Dezember. Die Deutsche Bundespolizeigewerkschaft beschreibt das Wort ebenfalls als „eine Abkürzung für nordafrikanische Intensivtäter“. Rassistisch sei es nicht gemeint. Davon abweichend ist allerdings auch eine Definition im Umlauf, wonach das Wort allein eine ethnische Zugehörigkeit beschreiben soll – also Nordafrikaner, unabhängig von einer möglichen Straffälligkeit. In diese Richtung wird beispielsweise ein Polizeisprecher bei „Spiegel-Online“ zitiert: „Das Wort ‚Nafri‘ bezeichnet generell Personen, die dem nordafrikanischen Spektrum zugeordnet werden“.

Die Kölner Polizei befasst sich schon seit langer Zeit mit Tätergruppen aus Nordafrika und gebraucht das Wort. In einem internen Schreiben, das vor der Silvesternacht 2015 – die letztlich im Chaos endete – verschickt wurde, heißt es etwa, es habe in den vergangenen Jahren bereits vermehrt Taschendiebstähle gegeben. „Dies dürfte maßgeblich auf die Täterklientel NAFRI zurückzuführen sein, die die günstigen Tatgelegenheitsstrukturen nutzen.“ In der Stadt gibt es auch ein Hilfsprogramm für straffällig gewordene Jugendliche aus Nordafrika. Die lokalen Medien benutzen den Begriff seit Monaten. Kölns Polizeipräsident Mathies spricht von einem „Arbeitsbegriff“ innerhalb der Polizei. Eine Häufung an Straftaten von Personen aus dem nordafrikanischen Raum lasse sich nicht bestreiten – dafür müsse man dann intern auch einen Begriff finden. Die Verwendung in dem nächtlichen Tweet bedauert er.

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