Deichverband-Planungen für Bremen-Nord

Bauen für den Hochwasserschutz

Der Hochwasserschutz in Bremen-Nord wird weiter ausgebaut. Bei der Deichschau hat der Bremische Deichverband am rechten Weserufer über geplante Maßnahmen informiert.
22.10.2020, 05:00
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Von Gabriela Keller

Seit 2009 baut der Bremische Deichverband am rechten Weserufer in Bremen-Nord am Hochwasserschutz der Zukunft. Nach den Vorgaben des Generalplans Küstenschutz werden auf einer Strecke vom Werderland bis zur Landesgrenze in Rekum Deiche, Spundwände, Mauern und andere Schutzanlagen verbessert und erhöht, um sie für zu erwartende höhere Sturmfluten in den nächsten Jahrzehnten zu wappnen. Einige Projekte sind bereits abgeschlossen, für den Deichverband gibt es aber noch genug zu tun. Wo derzeit gebaut wird und welche Baustellen in den kommenden Jahren noch folgen, erläuterten Geschäftsführer Wilfried Döscher und seine Bauleiter am Mittwoch bei der alljährlichen Inspektionsschau des Deichverbands.

Zwei Vorhaben standen dabei im Blickpunkt: der Hochwasserschutz am Vegesacker Hafen und auf dem ehemaligen Gelände Bremer Woll-Kämmerei (BWK). Das Projekt am Hafen will der Deichverband laut Bauingenieurin Nicole Raming in zwei Abschnitten angehen: Erst kommt der Bereich Haven Höövt an die Reihe, dann die westliche Hafenseite zwischen Fähranleger und Hafenkopf. Auf einer Länge von insgesamt 1,2 Kilometer wird die Hochwasserschutzlinie erhöht. Vorhandene Spundwände und Mauern werden aufgestockt, teilweise werden Anlagen auch neu gebaut und Tore ersetzt.

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„Wir haben das Haven Höövt als überschaubarere Aufgabe herausgelöst.“ Mit dem Investor, der auf dem Gelände nach dem Abriss des ehemaligen Einkaufszentrums ein neues Quartier plant, gebe es hier nur einen Abstimmungspartner. „Da hoffen wir, schneller voranzukommen. Auf der westlichen Hafenseite ist der Abstimmungsbedarf mit Anliegern, dem Denkmalschutz, der Stadtplanung und weiteren Behörden höher“, erklärt Raming.

2023/24 sollen die Hochwasserschutzarbeiten auf der westlichen Hafenseite starten, 2022 die auf dem Haven Höövt. Dort wird die vorhandene Beton-Schutzmauer laut Raming um bis zu 40 Zentimeter auf 7,40 Meter erhöht. Die Höhenangaben beziehen sich immer auf über Normalnull. „Die Treppenaufgänge werden mit einer Spundwand geschlossen, die Schutzanlage wird damit standsicherer“, erklärt die Bauleiterin. Im Bereich der geplanten Rampe, die das neue Haven-Höövt-Quartier vom Hafen aus zugänglich macht, wird eine weitere Spundwand gesetzt. „Sie wird nicht zu sehen sein, weil sie in der Rampe verschwindet.“ Das Projekt ist laut Raming weit gediehen. Die Entwurfsplanung liegt seit Längerem vor. „Wir hoffen, Ende 2020 in das Planfeststellungsverfahren eintreten zu können.“

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Auf der westlichen Hafenseite wird die Hochwasserschutzlinie um 65 Zentimeter wachsen: von jetzt 6,75 auf dann 7,40 Meter. „Teilweise werden wir vorhandene Spundwände aufstocken, stellenweise durch neue ersetzen“, so Raming. Die Pläne sehen vor, die Spundwand und das Schiebetor am Parkplatz vor dem Hafenwald zu erneuern. Das Deichschart an dieser Stelle soll geschlossen, das am Fährkiosk dagegen erhalten werden als Zugang zur benachbarten Tagespflegestätte.

Einen längeren Stopp legte die Schaukommission am Kito ein. Hier ist eine neue Schutzwand besonderer Art geplant. Vier Fenster, die jetzt hinter der bestehenden Spundwand fast versteckt sind, sollen in der neuen höheren Wand durch Glaselemente sichtbar werden. „Das Kito soll nicht hinter einer Wand verschwinden. Als Anprallschutz bei Hochwasser wären für die Fensterfront Eisenplatten, die wie Fensterläden geschlossen werden, denkbar“, meint Deichverband-Chef Wilfried Döscher.

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Statt eine neue Spundwand in den Boden zu rammen, möchte der Deichverband am Kito und auch am benachbarten Parkplatz am Hafenwald lieber eine Betonwand im Bohrpfahlverfahren setzen. Der Denkmalschutz für das Alte Packhaus spielt hier eine Rolle. „Das Bohrpfahlverfahren ist zwar teurer, aber erschütterungsärmer“, erklärt Nicole Raming. Prüfungen stehen nach ihren Worten noch an.

„Wir sind uns bewusst, dass wir am Hafen das Vegesacker Stadtbild für die nächsten Jahrzehnte mit festlegen“, sagt Geschäftsführer Döscher. Deshalb wird hier beim Hochwasserschutz auch unter städtebaulichen Aspekten geplant. So soll die Treppenanlage am Hafenkopf mit Reckers Figuren wie die Spundwände und Schutzmauern um 65 Zentimeter angehoben werden. Dadurch soll der Höhensprung bei den Schutzanlagen nicht so stark wahrnehmbar werden. „Das ist eine Lösung, die für den Deichverband in Ordnung wäre. Zu berücksichtigen sind aber noch die Planungen der Baubehörde für den Bahnhofsvorplatz“, erklärt Nicole Raming. Auch Ideen für eine optische Aufwertung der Spundwände mit einer Begrünung oder einer Kletterwand am Spielplatz im Hafenwald sind „Vorschläge, die noch abgestimmt werden müssen“. Für die geplanten Maßnahmen auf der westlichen Hafenseite liegt nach Angaben des Deichverbandes noch keine Kostenberechnung vor, für die auf dem Haven Höövt schon: Hier werden rund 2,5 Millionen Euro für den Hochwasserschutz investiert.

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Das ist ein Bruchteil dessen, was der Deichverband in Blumenthal ausgibt. Hier beginnen in diesem Monat die Vorarbeiten für eines der teuersten Projekte. Für 19 Millionen Euro wird wie berichtet eine neue Spundwand gebaut: 1500 Meter lang, 7,50 Meter hoch und damit 75 Zentimeter höher als die vorhandene Wand und mit einem acht Meter breiten Deichschart am Ende der sogenannten historischen Achse. Durch diese Öffnung sollen Fußgänger und Radfahrer an das Weserufer gelangen. Die alte Spundwand wird auf Geländehöhe gekappt und mit einem Geländer versehen, die neue wird acht Meter landeinwärts rückversetzt. Dadurch entsteht zwischen den beiden Anlagen eine Promenade, die gepflastert werden soll. Der Zeitplan des Deichverbandes sieht vor, die Spundwand-Arbeiten Anfang 2021 zu beginnen und bis Herbst 2022 zu beenden. Danach folgen Pflasterarbeiten und Wegebau, Ende 2023 soll alles fertig sein.

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Am Kraftwerk Farge befindet sich der Hochwasserschutz-Ausbau auf der Zielgeraden. Seit Anfang 2019 sind 350 Meter alte Spundwand von 6,75 auf 8,10 Meter erhöht worden, zusätzlich ist eine neue 400 Meter lange und 7,80 Meter hohe Spundwand-Trasse gebaut worden. Sie verläuft 30 Meter rückversetzt hinter der Weserlinie. „Einige Restarbeiten stehen noch aus. Wir wollen bis Ende des Jahres fertig werden“, sagt Bauleiter Stephan Levin. 2022 soll es in Farge weitergehen mit dem Bau einer 500 Meter langen Spundwand im Gewerbegebiet Bernhardtring. Bisher steht dort noch keine. „Durch die vom Generalplan Küstenschutz vorgeschriebene Erhöhung der Hochwasserschutzlinie ist das Gebiet in den Blickpunkt geraten“, erklärt Wilfried Döscher. Der Deichverband schließe damit die Lücke zwischen den Schutzanlagen am Kraftwerk und beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt an der Straße Unterm Berg.

Drei weitere Projekte stehen auf dem Plan. Am Jachthafen Grohn wird die Spundwand erhöht. „Wir wollen 2022 in das Planfeststellungsverfahren gehen und rechnen mit dem Baubeginn in 2023.“ Im Werderland sollen Erddeiche und Spundwände auf einer Strecke von 1,3 Kilometern in die Höhe wachsen. Geplanter Baubeginn: 2024. Auch das Lesumsperrwerk wird erhöht. Der Deichverband hat statische Prüfungen an dem in die Jahre gekommenen Bauwerk durchgeführt. „Das Sperrwerk hält die Belastung durch eine Erhöhung aus“, so Wilfried Döscher. Einen Termin für den Baustart gibt es noch nicht.

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