Zweites Spiel, zweiter Sieg Wie Werder über die rechte Seite Regensburg knackte

Werder Bremen gewinnt auch die zweite Partie unter dem neuen Trainer. Regensburg verteidigte mutig nach vorne. Doch Ole Werner hatte die richtigen Kniffe zurechtgelegt, um die Pressingmaschine zu stoppen.
11.12.2021, 11:46
Lesedauer: 4 Min
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Von Tobias Escher

Ole Werners zweite Partie als Werder-Trainer war seine erste richtige Herausforderung. Das mag aus Sicht von Fußball-Traditionalisten gewöhnungsbedürftig klingen. Schließlich hieß der Gegner nicht etwa Bayern München oder Borussia Dortmund, sondern Jahn Regensburg. Hochmut konnte sich Werder jedoch nicht leisten: Der Fußballzwerg aus Bayern schüttelt mit seinem laufintensiven Pressing-Fußball die Zweite Bundesliga durcheinander. Werders Spieler nahmen die Herausforderung an – und Trainer Werner stattete sie mit der richtigen taktischen Marschroute aus.

Aktive Regensburger

Jahn Regensburg überzeugt in dieser Saison mit einem laufintensiven Fußball. In ihrem 4-2-3-1-System laufen sie den Gegner permanent früh an. Immer wieder rücken einzelne Spieler weit aus der Formation, um den Gegner zu attackieren. Die Regensburger stellen die zweitlaufstärkste Mannschaft. Nur der FC Heidenheim spult mehr Kilometer pro Spiel ab. Auch gegen Werder setzte Regensburg auf die klassischen Stärken: hohes Pressing, kompaktes Verteidigen, schnelles Umschalten.

Werder-Coach Werner stellte seine Mannschaft wie in seinem Debüt-Spiel auf: Die Bremer begannen in einer 5-3-2-Formation. Marvin Ducksch und Niclas Füllkrug bildeten den Doppelsturm, der abgesichert wurde von einem Dreier-Mittelfeld sowie einer Dreierkette in der Abwehr. Das Zentrum war somit stark besetzt, während die Außenverteidiger die Flügel allein beackern mussten. Felix Agu und Anthony Jung übernahmen diese Aufgabe.

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Regensburg begann das Spiel wie erwartet. Stürmer Joel Zwarts lief die Werder-Verteidiger im Spielaufbau wuchtig an. Um die Dreierkette im Mann-gegen-Mann stören zu können, rückten die Regensburger Außenstürmer weit nach vorne. Im Zentrum spielten die Regensburger eine klassische Manndeckung. Werder erleichterte ihnen diese: Regensburgs Kombination aus zwei Sechsern und einem Zehner konnte Werders Kombination aus einem Sechser und zwei Zehner leicht aus dem Spiel nehmen.

In einer hektischen Anfangsphase konnten sich die Regensburger einen Vorteil erarbeiten. Sie zwangen Werder zu einem unruhigen Aufbau. Im Umschaltmoment agierten die Bayern gewohnt wuchtig: Vier Angreifer postierten sich an der letzten Bremer Linie, sie drückten Werders Abwehr zurück. Linksverteidiger Leon Guwara rückte weit vor, um die Angreifer mit Flanken zu füttern. Die Flanken selbst brachten zwar nichts ein. Dafür ging der Gastgeber nach einer Ecke in Führung (5.). Werder hätte gewarnt sein müssen: Es war bereits der vierzehnte Regensburger Treffer nach ruhenden Bällen. Das ist der mit Abstand höchste Wert im deutschen Profifußball.

Werders Spielaufbau über rechts

Werder benötigte einige Zeit, um sich vom frühen Rückschlag zu berappeln. Nach rund einer Viertelstunde drosselten die Regensburger das Tempo. Werder konnte nun den Ball besser in der eigenen Abwehrkette zirkulieren lassen. War der Ballbesitz in den ersten Minuten noch ausgeglichen, kam Werder bis zur Pause auf über 60% Spielanteile.

Nun zeigte sich auch der Matchplan, den sich Trainer Werner zurechtgelegt hatte. Auf rechts rückte Agu wesentlich weiter vor als sein Konterpart Jung auf der linken Seite. Im Spielaufbau wurde aus der Fünfer- somit einer Viererkette. Milos Veljkovic rückte nach Rechtsaußen und füllte die Position des offensiven Agu auf.

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Werder versuchte, mit langen Verlagerungen Agu zu finden. Das ergab Sinn: Sein Gegenspieler Guwara agierte recht offensiv, sodass auf dieser Seite Lücken entstanden. Werder gelang es entweder, mit einer langen Verlagerung direkt Agu zu finden. Alternativ fand Werder Räume im Zentrum, wenn Guwara sich eng an Agu orientierte und dadurch Leonardo Bittencourt im Halbraum freistand. Der Ausgleichstreffer fiel wie am Reißbrett entworfen: Agu erhielt eine Verlagerung und fand den freien Bittencourt im Strafraum (39.).

Umkämpft bis zum Schluss

Die zweite Halbzeit verlief nach einem ähnlichen Muster. Erneut startete Regensburg mit einem wilden Pressing, die Bremer wurden etwas nach hinten gedrängt. Nach und nach konnten sie sich über die rechte Seite befreien und selbst zu Chancen kommen. Der Treffer zum 2:1 fiel nicht unverdient (59.).

Auffällig war, wie aktiv Werder den eigenen Spielaufbau bestritt. Trotz des hohen Pressings der Gastgeber versuchten sie immer wieder, das Spiel mit flachen Pässen aufzubauen. Wie bereits gegen Aue war die Präsenz der Mittelfeldspieler wichtig. Bittencourt und Romano Schmid boten sich permanent in den Halbräumen an, sie kamen immer wieder an den Ball. So fand Werder selbst unter hohem Druck Lösungen. Dass Trainer Werner mit der Leistung seiner Startelf zufrieden war, zeigte sich in der Tatsache, dass er erst in der 77. Minute wechselte.

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Dass die Partie bis zum Schluss umkämpft blieb, lag in erster Linie am Gegner. Regensburg steckte nicht auf, im Gegenteil: Sie warfen immer mehr und mehr Spieler nach vorne – in der Hoffnung, dass irgendein Angreifer eine der vielen Flanken verwertet. So kamen die Regensburger nach dem 1:3 (89.) noch einmal zurück, mehr als der Treffer zum 2:3 (91.) sollte ihnen nicht gelingen.

So fällt das Fazit aus Bremer Sicht positiv aus, nicht nur aufgrund der drei Punkte. Unter dem neuen Coach Werner zeigen sich schnell spielerische Fortschritte. Selbst gegen einen laufstarken Gegner wie Regensburg gelang es Werder, die Partie über weite Strecken zu kontrollieren. Die Herausforderung Regensburg gilt als gemeistert.

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