Bayern-Chef Rummenigge über Werder

„Ich sagte zu Kohfeldt: Nicht aufgeben!“

Im WESER-KURIER-Interview spricht Bayerns Vorstands-Chef Karl-Heinz Rummenigge vor dem Duell am Wochenende über die frühere Rivalität, den Durchbruch von Marco Friedl und den neuen Job von Claudio Pizarro.
18.11.2020, 09:58
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„Ich sagte zu Kohfeldt: Nicht aufgeben!“
Von Jean-Julien Beer
„Ich sagte zu Kohfeldt: Nicht aufgeben!“

Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge ist froh darüber, dass Werder Bremen den Abstieg verhindern konnte.

dpa

Herr Rummenigge, das Spiel Bayern gegen Werder war früher ein emotionaler Klassiker, inzwischen haben sich die Vereine aber sehr unterschiedlich entwickelt. Wie ist das Verhältnis zwischen beiden Klubs heute?

Karl-Heinz Rummenigge: Unser Verhältnis ist positiv. Früher gab es enge Duelle um die Meisterschaft und auch das eine oder andere Geplänkel abseits des Spiels, zwischenzeitlich stilisierten die Medien diese Rivalität zu einer Art Klassenkampf hoch. Aus dem Verhältnis zwischen Willi Lemke und Uli Hoeneß wurde ein Politikum gemacht, was mir damals nicht so gefallen hat, weil ich finde, sowas gehört nicht zum Fußball. Heute ist das Verhältnis entspannt, die beiden Vereine schätzen sich – und Uli und Willi können inzwischen auch gut miteinander.

Sind Sie froh, dass ein Traditionsverein wie Werder der Bundesliga erhalten geblieben ist, auch wenn es in der Relegation knapp war?

Bremen ist ein wichtiges, traditionsreiches Mitglied der Bundesliga. Werder war schon bei der Gründung dabei. Sie haben eine gelebte, starke Fankultur und sind eine Marke im deutschen Fußball. Werder wurde vier Mal Meister und sechs Mal DFB-Pokalsieger, an diesem Verein hängen viele Herzen, vor allem in Norddeutschland. Als wir in der Rückrunde dort gespielt haben, sagte ich zu Florian Kohfeldt nach dem Spiel: „Nicht aufgeben, weitermachen, drinbleiben!“

Ein langjähriger Spieler der Bayern-Jugend ist inzwischen Stammspieler und A-Nationalspieler bei Werder, der Österreicher Marco Friedl. Wie sehen Sie seine Entwicklung und was trauen Sie ihm nach dem Sprung in die Bundesliga noch zu?

Er hatte damals David Alaba als direkten Konkurrenten vor sich. David ist ein Spieler von Weltformat, da war es für einen jungen Spieler schwer, vorbeizukommen. Wir haben Marco dann ausgeliehen, er hat sich in Bremen wohlgefühlt und toll entwickelt. Ich denke, es war die richtige Entscheidung von ihm, diesen Schritt zu machen. Er wollte Spielpraxis, hat seine Chance genutzt und macht seinen Weg im Profifußball. Er kann stolz auf sich sein.

Friedl war von Bayern zunächst zum Reifen nach Bremen verliehen worden und wurde dann an Werder verkauft. Nachdem es in diesem Fall so gut geklappt hat – ist dieser Weg für weitere Bayern-Talente in Zukunft denkbar?

Werder Bremen ist eine sehr gute Adresse für Talente. Ich schätze den Spielstil von Florian Kohfeldt sehr, und die Klubführung und das Umfeld sorgen dafür, dass sich Spieler in Bremen entwickeln können. Auch Serge Gnabry hat bei Werder wertvolle Erfahrungen gesammelt, ehe er über Hoffenheim bei uns durchgestartet ist. Es ist nicht auszuschließen, dass wir auch in Zukunft das eine oder andere Talent mal wieder an Bremen verleihen werden.

Beim Duell zwischen Bayern München und Werder Bremen am Wochenende in der Bundesliga ist die Favoritenrolle klar. Wenn Sie in die Vergangenheit schauen: Es gab so viele legendäre Spiele zwischen Bayern und Werder – an welches erinnern Sie sich besonders gerne und warum?

Ich habe da die eine oder andere bittere Niederlage im Kopf, unter anderem bei uns damals im Münchner Olympiastadion. Aber besonders gerne erinnere ich mich auch an eines der ersten Spiele von Franck Ribéry im Weserstadion. Wir haben 4:0 gewonnen, und Franck spielte Galafußball. Damals bin ich extra für dieses Spiel aus meinem Sylturlaub nach Bremen geflogen. Als wir abends wieder zurück waren, gab es eine extra gute Flasche Wein. Das Spiel hatte Spaß gemacht.

Die Werder-Legende Claudio Pizarro arbeitet sich gerade als Bayern-Botschafter ein. Wie zufrieden sind Sie mit seiner Verpflichtung und was kann er dem FC Bayern mit seiner Art geben?

Claudio hat dem ganzen deutschen Fußball viel gegeben, allen voran seinen Vereinen FC Bayern und Werder Bremen. Er war ein großartiger Stürmer und ist ein Sympathieträger, den die Fans lieben. Er wird seine Rolle als Botschafter hier sicher gut machen – allerdings schränkt Corona die Möglichkeiten gerade massiv ein. Claudio ist ein bayerisch-peruanischer Schlawiner, man muss den Burschen einfach gern mögen. Und es ist eine Gabe, im Norden wie im Süden von Deutschland die Menschen für sich zu gewinnen. So einer kommt auf der ganzen Welt gut an.

Die Fragen stellte Jean-Julien Beer.

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