Schnell Werte geschaffen Werder hat früh viele personelle Fragezeichen beseitigt

Werder-Coach Ole Werner profitiert vom Tempo, das der Verein in Sachen Personal an den Tag gelegt hat. So weiß er schon sehr früh, mit welchen Spielern er planen und arbeiten kann.
04.07.2022, 18:38
Lesedauer: 4 Min
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Von Malte Bürger

Man kennt das ja. Da wird sich zu Hause durchgerungen und mühsam eine To-do-Liste zusammengekritzelt – nur um dann am Ende festzustellen, dass die meisten Punkte dieser Aufzählung sowieso nicht erfüllt werden. Ob nun aus Bequemlichkeit oder deshalb, weil die Ziele zu unrealistisch sind. Beim SV Werder ist das in diesem Jahr vollkommen anders.

Dort wurde der Katalog quasi in Windeseile abgearbeitet, so früh wie lange nicht haben die Bremer Planungssicherheit. Ob alle Entscheidungen letztlich die richtigen sind, wird sich erst noch zeigen, doch Sportchef Frank Baumann, Clemens Fritz als Leiter Profifußball und Scouting sowie die anderen Verantwortlichen haben ganze Arbeit geleistet.

Der Marktwert des Kaders wurde allein durch ablösefreie Transfers um mehr als 20 Millionen Euro gesteigert, lediglich für Jens Stage ist aus Bremer Sicht tiefer in die Tasche gegriffen worden. Das Potenzial für eine sportlich-wirtschaftliche Win-Win-Situation ist also vorhanden. Jetzt geht es darum, dieses zu nutzen.
„Es ist einfach wichtig, dass wir mit nicht mehr allzu vielen offenen Stellen durch die Vorbereitung laufen“, sagt einer, der ganz besonders vom aktuellen Tempo profitiert: Ole Werner. Der Trainer genießt den komfortablen Zustand, dass bereits Anfang Juli die größten Personalfragen geklärt sind und er weiß, mit wem er wie arbeiten kann.

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Nach dem Abstieg im Vorsommer war solch ein Szenario noch eine unerfüllbare Sehnsucht. „Wir sind Aufsteiger in einer neuen Liga. Wir werden sicherlich ganz stark über mannschaftliche Themen kommen müssen, über den Zusammenhalt in der Gruppe, über die Fehlerkultur in einer Gruppe“, betont Werner. „Wir werden über klare Abläufe auf dem Platz kommen müssen – und je eher alle Leute da sind, desto eher kannst du diese Dinge auch festigen. Dafür ist die Zeit jetzt einfach da.“ Aber was hat Werder eigentlich schon alles angepackt und erledigt? Ein Überblick.

Stammspieler gehalten: Natürlich ist der Wiederaufstieg in die Bundesliga ein Anreiz, den sich kein Spieler einfach so entgehen lässt. Bekanntlich reicht dieses Argument allein aber nicht, um automatisch einen neuen Vertrag aufsetzen zu können. Und so gab es durchaus Fragezeichen, ob Profis wie Milos Veljkovic oder Marco Friedl tatsächlich bleiben würden. Die beiden Verteidiger sind Nationalspieler ihrer Heimatländer, stünden aufgrund ihrer Erfahrung und ihres Leistungsvermögens auch anderen ambitionierten Clubs gut zu Gesicht und könnten sicherlich andernorts ein paar Euro mehr verdienen. Sportchef Baumann ist es trotzdem gelungen, das Duo mit neuen Arbeitspapieren auszustatten – und das ist keine Selbstverständlichkeit. In Stammtorhüter Jiri Pavlenka und Mittelfeldmann Romano Schmid waren zuvor bereits zwei weitere Leistungsträger gehalten geworden, die auch künftig bei Werder eine wichtige Rolle einnehmen sollen. Fehlt nur noch Niclas Füllkrug, dessen Vertrag in einem ausläuft. Erste Gespräche haben stattgefunden.

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Investitionen in die Zukunft: Die Zweitliga-Saison war noch nicht beendet, da fällte Werder bereits einige richtungweisende Entscheidungen. So wurde etwa der Kontrakt von Felix Agu erneuert. Der 22-Jährige hat schon mehrfach auf den Außenbahnen gezeigt, was er kann, wenngleich er manchmal auch wieder auf der Bank landete. Künftig soll er im Optimalfall dauerhaft spielen – oder zumindest dafür sorgen, dass der Konkurrenzkampf auf den Flügeln tobt. In der Offensive wünscht sich Werder, dass Eren Dinkci perspektivisch ein Faktor wird, falls Niclas Füllkrug oder Marvin Ducksch einmal schwächeln. Dem 20-jährigen Bremer gehört aktuell die Jokerrolle, die er gegen Konkurrenten wie Benjamin Goller oder Oliver Burke jedoch erst einmal behaupten muss. Dann ist da noch Ilia Gruev, der in der vergangenen Spielzeit bewiesen hat, dass er längst nicht mehr „nur“ ein hoffnungsvolles Talent ist. Beim 22-jährigen defensiven Mittelfeldspieler dürfte es spannend sein, wie er dieses Mal in der deutschen Beletage zurechtkommt, nachdem er den Abstieg meist noch von der Bank aus erlebte. Jetzt will er sich auch in Liga eins beweisen. Das möchte am liebsten auch Dikeni Salifou. Der 19-jährige Sechser kam ablösefrei vom FC Augsburg, verletzte sich aber direkt zum Beginn der Vorbereitung. Er war aber ohnehin nicht als Soforthilfe vorgesehen. 

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Offene Baustellen geschlossen: Die Aufstiegsparty lief eigentlich noch, da regnete es bereits die ersten Transfers. In der Abwehr schuf Werder früh klare Verhältnisse, indem Amos Pieper (von Arminia Bielefeld) und kurz darauf Niklas Stark (von Hertha BSC) ablösefrei verpflichtet wurden. Da ließ es sich etwas leichter verschmerzen, dass der bisherige Kapitän und Abwehrchef Ömer Toprak das Angebot für einen stark leistungsbezogenen Vertrag ablehnte und zu Antalyaspor wechselte. Auch sonst wurden die Bremer zeitig auf dem Transfermarkt tätig und ließen sich dabei auch nicht von Rückschlägen wie den geplatzten Transfers von Daniel-Kofi Kyereh oder Sarpreet Singh beirren. Stattdessen wurde für eine Ablöse von vier Millionen Euro Jens Stage vom FC Kopenhagen abgeworben, der im Mittelfeld Präsenz zeigen soll. In der Offensive wurde der ablösefreie Oliver Burke geholt, für die linke Seite ist Lee Buchanan eingeplant. Gehen diese Transfers auf, profitiert Werder sowohl finanziell als auch sportlich.

Was noch fehlt: Eine Lücke will Werder zeitnah schließen – auf der rechten Abwehrseite. Nachdem der feste Wechsel von Mitchell Weiser von Bayer Leverkusen an die Weser geplatzt ist, sieht sich der Verein nach Alternativen um. „Ich glaube, dass wir echt weit sind, was die Kaderplanung angeht. Und das war auch unser Ziel, dass wir im Trainingslager die Mannschaft weitestgehend zusammen haben“, sagt Clemens Fritz. „Jetzt werden wir uns aber nicht treiben lassen und in aller Ruhe schauen, was für uns auf dieser Position möglich ist.“ Das Transferfenster ist ja auch noch bis zum 1. September geöffnet. Reichlich Zeit also zum Handeln. Und Baumann ließ durchblicken, dass er den vor allem Schnäppchenmarkt mit Leihspielern im Blick behalten wird.
 

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