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Kryptowährungen und Bitcoin - Das digitale Gold

Kryptowährungen wie der Bitcoin sind immer wieder in den Schlagzeilen. Für viele Menschen ist das Thema aber noch ein Mysterium. Wir erklären einfach und verständlich, was der Bitcoin ist und was er nützt.
28.07.2021, 20:47
Lesedauer: 8 Min
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Kryptowährungen und Bitcoin - Das digitale Gold
Von Jean-Pierre Fellmer
Kryptowährungen und Bitcoin - Das digitale Gold

Bitcoin ist die stärkste und älteste Kryptowährung - wir erklären, was es mit ihr auf sich hat.

123RF
Inhaltsverzeichnis

Was sind Kryptowährungen?

Kryptowährungen sind digitale Währungen, die mithilfe von Computern geschaffen und verwaltet werden. Manche ähneln dem Euro oder dem US-Dollar, können gehandelt und in bestimmten Fällen zum Bezahlen verwendet werden. Es gibt sie jedoch digital und nicht in Form von Münzen und Scheinen.

Welche Kryptowährungen gibt es?

Die Internetseite Coinmarketcap verzeichnet mehr als 11.000 Kryptowährungen, “aber nur ein Teil davon möchte Geld sein”, sagt Leonard Pust. Der Bremer ist Gründer der Plattform Bitmoin, einem Beratungsunternehmen für Bitcoin, Vorträge und Workshops, und lehrt als Dozent für Kryptowährungen an der Hochschule Bremen sowie am International Graduate Center Bremen. Die älteste und mit Abstand größte und bekannteste Kryptowährung ist der Bitcoin (BTC). Er hat mit rund 750 Milliarden US-Dollar (Stand: 28. Juli 2021) die größte Marktkapitalisierung. Das bedeutet: Die Anzahl aller Bitcoin (derzeit circa 18,8 Millionen) multipliziert mit dem aktuellen Marktwert eines einzelnen Bitcoin (etwa 39.800 US-Dollar). 

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Leonard Pust, Gründer von Bitmoin und Dozent für Kryptowährungen an der Hochschule Bremen und am International Graduate Center Bremen.

Foto: Paymentandbanking (BEX18)/ Sarah Eick

“Wenn man sich die Marktkapitalisierung anschaut, sind am Ende 80 bis 100 Kryptowährungen ökonomisch relevant, wobei Bitcoin circa 50 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung ausmacht”, sagt Pust. Auf den Bitcoin folgen in der nach Marktkapitalisierung sortierten Liste die Kryptowährungen Ethereum, Tether, Binance Coin, Cardano und XRP.

Nennenswert ist auch der Dogecoin, der zunächst nur als Parodie auf den Bitcoin gedacht war, mittlerweile aber eine Marktkapitalisierung von rund 27 Milliarden US-Dollar hat.

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Wofür braucht man Bitcoin?

Wie auch der Euro kann der Bitcoin als Tauschmittel für Waren und Dienstleistungen genutzt werden. Außerdem kann BTC zur Wertanlage genutzt werden.

“Als Bürger in Bremen braucht man Bitcoin nicht – zumindest nicht als Werkzeug”, sagt Pust. Damit meint er: Es gibt ein funktionierendes Bankensystem, die Menschen können mit Euro bezahlen. “Das ist aber der Blick aus der westlichen Welt. In anderen Ländern braucht man den Bitcoin, um autoritären Regimen zu entfliehen.” Pust nennt Beispiele: Demonstranten in Hongkong oder Belarus können die Konten gesperrt werden, Bitcoin können sie dennoch empfangen. Der russische Oppositionelle und Aktivist Alexei Nawalny habe seine Spenden in BTC bekommen, weil die russische Regierung andere Geldflüsse blockiert habe. Auch Wikileaks habe Bitcoin als Zahlungsmittel akzeptiert, weil die US-Regierung Mastercard und Visacard unter Druck gesetzt hatte, Überweisungen an Wikileaks zu verbieten, sagt Pust.

Laut einer Studie der Nichtregierungsorganisation Human Rights Foundation leben 54 Prozent der Menschen auf der Welt in autoritären Regimen. Und: “Über eine Milliarde Menschen haben kein Bankkonto, die sind von der Wirtschaftlichkeit komplett ausgeschlossen”, sagt Pust. Deswegen habe das Land El Salvador auch beschlossen, Bitcoin zum gesetzlichen Zahlungsmittel zu machen. “Dort haben 70 Prozent der Bürger kein Bankkonto, aber die meisten haben ein Handy. In Verbindung mit dem Internet ist das alles, was man braucht, um Bitcoin zu benutzen”, sagt Pust.

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Wie unterscheidet sich der Bitcoin vom Euro?

Auch wenn der Euro auf vielen Bankkonten nur digital existiert und hin und her geschoben wird, gibt es große Unterschiede zum Bitcoin. “Bitcoin ist eine kluge Kombination aus bestehenden Technologien”, erklärt Pust (siehe Text unten).

Bitcoin hat laut Pust folgende Eigenschaften: Er ist dezentral, weil die Kryptowährung durch ein Netzwerk und nicht durch Mittelsmänner wie Banken verwaltet wird. Bitcoin ist offen – jeder kann mitmachen und etwa BTC über Ländergrenzen versenden. Das Bitcoin-System ist neutral und resistent gegenüber Zensur, weil Mittelsmänner wie Banken oder Regierungen keinen direkten Einfluss nehmen können. “Und Bitcoin ist transparent”, sagt Pust: Jeder weiß zu jedem Zeitpunkt, wie viele Bitcoin existieren, wie viele es in der Vergangenheit gab und wie viele es in der Zukunft geben wird. Auch beim Thema Sicherheit unterscheiden sich Bitcoin und Euro: Der Euro funktioniere durch Vertrauen in das Bankensystem und die Regierung, Bitcoin funktioniere über Mathematik und Kryptografie, sagt Pust.

Eine weitere Eigenschaft ist, dass Bitcoin eine festgelegte Obergrenze hat. Diese liegt bei 21 Millionen BTC. Das ist im System festgelegt. Im Gegensatz zu Währungen wie dem Euro, bei dem Zentralbanken neues Geld erschaffen können, ist das beim Bitcoin nicht möglich. Daher ist der Bitcoin theoretisch – trotz seiner derzeitig hohen Wertschwankungen – gut dazu geeignet, um einen Wert für lange Zeit zu speichern, weil die Geldmenge im Gegensatz zum Euro oder dem US-Dollar immer gleich bleibt und es dadurch keine Inflation beim Bitcoin gibt. Zur besseren Handhabung ist der Bitcoin wie der Euro in Cent in eine Unterwährung unterteilt: Satoshi. 100 Millionen Satoshi ergeben einen Bitcoin.

Wo liegt der Ursprung des Bitcoin?

Das Konzept der Kryptowährung Bitcoin stammt aus einem sognenannten white paper aus dem Jahr 2008, der auf einer Mailingliste über Kryptografie von einem Pseudonym namens Satoshi Nakamoto geteilt wurde. Um wen es sich bei Nakamoto handelt und ob es ihn wirklich gibt oder ob das nur ein Pseudonym ist, ist nicht geklärt.

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Was sind die Vorteile und Nachteile des Bitcoin?

Viele Vorteile des Bitcoin liegen in den beschriebenen Eigenschaften. Befürworter sehen in ihm ein Mittel zu einem demokratischen Finanzsystem, das zu mehr Gerechtigkeit und so einer besseren Welt führen kann.

Es gibt aber auch viel Kritik am Bitcoin. Bemängelt wird oft der hohe Stromverbrauch. Laut Statista verbraucht der Bitcoin mehr Strom als die Niederlande in einem Jahr. Der Grund ist das dezentrale Netzwerk an Computern, deren Rechenleistung viel Energie verbraucht. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die Transaktionen im Bitcoin-Netzwerk pseudonym sind – das heißt, dass die Personen hinter den Transaktionen meist unerkannt bleiben. Das ist einer der Gründe, weshalb BTC auch für illegale Geschäfte im Darknet oder bei Erpressung durch Cyberkriminelle verwendet wird. Die hohen Wertschwankungen des BTC sorgen aus Sicht vieler Kritiker dafür, dass sich der Bitcoin nicht als Zahlungsmittel und Geldanlage eignet.

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Die Kritik am BTC sei berechtigt, sagt Pust, allerdings nur teilweise. Auch Euro und Dollar würden für illegale Geschäfte genutzt; die jeweilige Währung könne nichts für ihren Verwendungszweck. Der Stromverbrauch sei tatsächlich hoch, dafür biete der Bitcoin durch sein System auch ein hohes Maß an Sicherheit – die aufzuwendende Energie sei der Preis dafür. Und wegen seiner Wertschwankungen ist der Bitcoin laut Pust in einem kurzen Zeitraum sicher ein sehr riskantes Investment.

Über einen längeren Zeitraum ist der Wert des Bitcoin zwar gestiegen, ob das so bleibt, ist jedoch unklar. Im Gegensatz zu einer Aktie, die den Wert eines Unternehmens abbildet, ist der Bitcoin nicht an etwas geknüpft, das im Wert steigt.

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Wieso schwankt der Bitcoin-Kurs so stark?

Im Vergleich zum Euro oder Gold ist die Marktkapitalisierung deutlich geringer und nur wenige Menschen nutzen den Bitcoin. “Je größer der Markt, desto weniger volatil ist der Kurs”, erklärt Pust. Bildhaft gesprochen kann der Bitcoin mit der Seefahrt verglichen werden: Ein kleines Boot spürt den Seegang deutlich heftiger als ein Tanker. „Daher sind andere Kryptowährungen noch deutlich volatiler als Bitcoin“, sagt Pust.

Staaten wie China versuchen den Bitcoin zu regulieren, was sich oft negativ auf dessen Kurs auswirkt. Auch Nachrichten wie die schlechte Klimabilanz des Bitcoin wirken sich auf den Kurs aus.

Bis 2017 lag der BTC-Kurs noch bei unter 1000 Euro pro Bitcoin. Mittlerweile ist er bei 33.700 Euro, am 13. April 2021 hatte er seinen Höchstwert von rund 53.300 Euro (siehe Grafik).

Wie entstehen Bitcoin?

Bitcoin entstehen durch das sogenannte Mining, abgeleitet von den Goldgräbern, die das Edelmetall schürfen. “Sinn und Zweck von Mining ist es nicht allein, neue Bitcoin zu schürfen, sondern Miner sind vielmehr der Buchhaltungsservice von Bitcoin”, sagt Pust. “Die Miner überprüfen alle Transaktionen im Netzwerk und für diese Aufgabe erhalten sie neue Bitcoin.” Für diese Arbeit wird die Rechenleistung benötigt, die den Stromverbrauch in die Höhe treibt.

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Wie bewahre ich Bitcoin auf?

Bitcoin gibt es nur in der Blockchain, sie können nicht heruntergeladen werden. Um den Besitz eines Bitcoin nachzuweisen, gibt es sogenannte Wallets (englisch für Brieftasche). Wer einen Bitcoin erwerben will, braucht zunächst so ein Wallet. Durch kryptografische Methoden wird ein Schlüsselpaar erstellt: der öffentliche und der private Schlüssel. Der öffentliche Schlüssel ist vergleichbar mit einer Kontonummer, der private Schlüssel mit einem Passwort oder der Pin. Beide Schlüssel sind mathematisch miteinander verbunden. Wenn jemand ein Bitcoin besitzt, dann steht bei dem jeweiligen Bitcoin in der Blockchain die öffentliche Adresse als Besitzer. Der Besitzer kann sich dann mit dem privaten Schlüssel identifizieren. Dieser ist aber deutlich länger und dadurch sicherer als ein Passwort, aber auch schwer zu merken. Dafür gibt es Wallets: Sie speichern die privaten Schlüssel. Grundsätzlich kann der private Schlüssel auch auf einem Papier aufgeschrieben werden – dann spricht man von einem Paper Wallet. Wallets gibt es als Online-Services oder auch als Hardware, vergleichbar mit einem USB-Stick.

Wie kaufe ich Bitcoin?

Bitcoin können entweder direkt von Person zu Person gehandelt oder auf Online-Börsen im Internet gekauft werden. Wie beim Handel mit Dollar oder Euro gibt es einen Wechselkurs. Es gibt aber auch Automaten, an denen Bitcoin eingekauft werden können – diese geben dann ein Paper-Wallet aus, der private Schlüssel kann dann in einem sicheren Wallet gespeichert werden. So gab es auch einen Automaten in Bremen.

Wo kann ich mit Bitcoin bezahlen?

Bislang kann man im Alltag nur selten mit Kryptowährungen bezahlen. Der Zahlungsdienstleister Paypal hatte Ende März die Zahlung mit den Kryptowährungen Bitcoin, Bitcoin Cash, Ether und Litecoin eingeführt, vorerst nur in den USA. Auch der Konzern Tesla hatte Bitcoin als Zahlungsmittel akzeptiert, dies aber Mitte Juni 2021 wegen der schlechten Umweltbilanz der digitalen Währung wieder rückgängig gemacht. Tesla will Zahlungen mit Bitcoin wieder ermöglichen, wenn mehr saubere Energie zum Einsatz kommt, twitterte der Firmenchef Elon Musk. Mittlerweile hat Musk seine Aussagen relativiert. Eine weitere Möglichkeit, in Deutschland mit Bitcoin zu zahlen, ist der Lieferdienst Lieferando.

MediaSlot: Tweet twitter.com/elonmusk/status/1404132183254523905

Wie sieht die Zukunft von Bitcoin und Kryptowährungen aus?

“Am Anfang haben die Leute gesagt, Bitcoin benutzen ja nur Nerds. Dann wurde gesagt, es sei nur ein Spekulationsobjekt, dann wurde gesagt nur kleine Unternehmen halten Bitcoin. Später sagten Kritiker dann, nie würde ein Land Bitcoin als Zahlungsmittel akzeptieren”, sagt Pust. Ihn würde es nicht wundern, sagt er, wenn in den nächsten Jahren weitere Länder Bitcoin als gesetzliches Zahlungsmittel akzeptieren.

Es gibt auch politische Bestrebungen, eigene digitale Währungen einzuführen. So plant die Europäische Zentralbank etwa den digitalen Euro.

Wohin die Reise für den Bitcoin geht, weiß niemand. Als das Internet noch neu war, war auch nicht klar, was aus der neuen Technologie wird. “Wenn man die Analogie zum Internet nimmt, kann man sagen, dass wir uns bei Bitcoin noch in den frühen 90er-Jahren befinden - da kann noch ganz viel passieren.”

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Bitcoin als Investition

Bitcoin kann zur Wertanlage genutzt werden, die Investition in den Coin aufgrund seiner hohen Wertschwankungen spekulativ ist. Im Vergleich zu anderen Kryptowährungen ist der Bitcoin laut Pust wohl noch das am wenigsten riskante Krypto-Investment. Experten wie Thomas Mai von der Verbraucherzentrale Bremen warnen allerdings: „Bitcoins sind hoch spekulativ und eigenen sich nicht für langfristige Anlagen.“ Wer also Vermögen, beispielsweise für die Rente, aufbauen will, sollte das Mai zufolge mit anderen Anlageformen tun.

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