Vorzüge des Festivals in Vegesack

Entspannt an der Weser beim Festival Maritim

Bei einem guten Tropfen oder einem herzhaften Bissen die Sonne genießen. Dazu beschwingte Musik von Fahrten über die Weltmeere und in ferne Länder. Das Festival Maritim sorgt für gute Stimmung.
05.08.2018, 22:06
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Entspannt an der Weser beim Festival Maritim
Von Barbara Wenke
Entspannt an der Weser beim Festival Maritim

Eine Besonderheit des Festivals: Nicht nur auf den Bühnen wird musiziert, sondern an vielen Orten, hier singt der Shantychor Roaring Fifties an der Promenade.

Maximilian von Lachner

Kinder sitzen im warmen Sand und lassen versonnen die Körnchen durch die Finger rieseln. Ältere Semester beißen herzhaft in ein Fischbrötchen oder lassen sich einen guten Tropfen schmecken. Und Personen im Alter irgendwo dazwischen lachen viel bei einer Partie Kubb, dem sogenannten Wikingerspiel. Das Festival Maritim hat viele Gesichter.

Doch eines ist allen Besuchern gemein: Ihnen klingt beschwingte Seemannsmusik in den Ohren. Wie haben uns unter den Fans des Festivals umgehört. „Ich bin gerne und viel auf Festivals“, sagt Florian Lauer. Wegen eines mehrjährigen Auslandsaufenthalts gehörte das Festival Maritim jedoch lange nicht zu seinen Anlaufstellen. Doch jetzt wohnt Lauer wieder in Löhnhorst.

Was lag da näher, als sich an diesem Wochenende auf den Weg nach Vegesack zu machen? An gleich drei Tagen nacheinander hat der Löhnhorster sein „Festival-Outfit“ – orangefarbene Hose, weißes Hemd, blaue Weste und ein breites blaues Stirnband – übergestreift. Am Festival Maritim gefällt ihm besonders die Atmosphäre, „diese Lage direkt am Wasser mit dem breit gefächerten Musikangebot.“

Lesen Sie auch

Noch auffälliger als Florian Lauer in seinem Festival-Outfit ist Marcus Reinken. Wo auch immer der Nordbremer auftaucht, zieht er die Blicke auf sich. Sein langes Haupthaar trägt Reinken offen. Den Kinnbart hat er dafür zu zwei Zöpfen geflochten. An seinem breiten Gürtel hängt ein Trinkhorn, das der Folk- und Shantyfan gerne benutzt.

Marcus Reinken.

Marcus Reinken.

Foto: Christian Kosak

„Da kommt Met rein“, erzählt der Mann, in dessen Adern nach eigenen Aussagen schottisches Blut fließt. Eben dieses Blut ist es wohl, das für den auffälligsten Teil von Marcus Reinkens Garderobe verantwortlich ist: Der Mann trägt „Kilt, keinen Rock“, wie er betont. Und das nicht nur, wenn er wochenends auf Festivals geht. „Ich bin Betriebsrat“, erzählt der Nordbremer, „während der Sitzungen trage ich den Kilt genau wie hier. Man muss einfach man selbst sein.“

Unbeschwerte Stunden

Aline Gützlaff und ihre Freundinnen staunen nicht schlecht, was sich ihnen bei ihrem ersten Besuch an der Weserpromenade in Vegesack alles bietet. Die 26-jährige Nordenhamerin ist von ihren Bekannten ebenso wie ihr zukünftiger Ehemann zwecks Junggesellenabschieds nach Vegesack verschleppt worden. In einem Bauchladen bietet sie nun Schmuck, Kondome und kleine Flaschen Hochprozentiges an.

Aline Gützlaff.

Aline Gützlaff.

Foto: Christian Kosak

Mit ihrem pinkfarbenen Top und dem Krönchen im Haar ist sie schon aus der Ferne gut zu erkennen. Von allen Seiten fliegen der jungen Frau Glückwünsche zu. Für Jessica Bouillon liegt die eigene Hochzeit schon etwas zurück. Ebenso wie der letzte Festival-Maritim-Besuch. „Bevor die Kinder auf die Welt kamen, waren wir öfter hier“, sagt die Schwanewederin.

Jessica Bouillon.

Jessica Bouillon.

Foto: Christian Kosak

Mit dem Nachwuchs hingegen nur einmal. Dieses Mal haben sie und ihr Ehemann einen Babysitter gefunden und können nun einige unbeschwerte Stunden mit Freunden verbringen. Die haben das Wurfspiel „Kubb“ und einen Bollerwagen samt Campingtisch für die Verpflegung mitgebracht. Jessica Bouillon freut sich, dass die Gruppe nach der Spieleinheit noch an den Cocktailstand weiterziehen wird. Das Festival Maritim hat die Schwanewederin in ihr Herz geschlossen. „Für mich ist das Publikum hier angenehm.“

Lesen Sie auch

Während die Schwanewederin im Schatten eine leichte Brise genießt, bedient Jürgen Emrich seine Kunden. Seit gut 15 Jahren nimmt der Winzer aus Rheinhessen samt seiner edlen Tropfen den weiten Weg nach Vegesack auf sich. Das wirkt sich aus, wie er schildert: „Unser Stand an der Signalstation hat sich mit den Jahren zu einem Treffpunkt entwickelt. Es kommen auch viele Bremer Kunden aus der City hierher.“

Jürgen Emrich.

Jürgen Emrich.

Foto: Christian Kosak

Außer seinen jährlichen Besuchen beim Festival Maritim hat der Rheinhesse noch eine ganz persönliche Beziehung zur Hansestadt. Er bezieht seine Barriquefässer von Alfred Krogemann im Industriehafen. „Die Bremer“, sagt Jürgen Emrich, „sind unwahrscheinlich treu.“ Ob die Sonne vom Himmel lacht – wie in diesem Sommer – oder Regen fällt, die Bremer kommen trotzdem zum Festival Maritim an den Fluss, hat der Winzer beobachtet. „Bei diesem Wetter geht das Fest eben erst ein bisschen später los.“ Dafür blieben die Leute aber auch bis Mitternacht „und länger, wenn sie könnten.“

Acht bis neun Konzerte pro Band

Neben dem Weinstand bauen sich just Bert Hobo und seine fünf Musikerkollegen auf. Der Niederländer ist Stammgast in Vegesack. Schon beim ersten Festival Maritim hat der Sänger und Akkordeonspieler mitgewirkt. Damals mit einer anderen Gruppe. Heute ist er mit "Paddy‘s Passion" am Start und bringt Shantys und irische Volksmusik zu Gehör.

Bert Hobo.

Bert Hobo.

Foto: Volker Kölling

Neben der Bühne am Anleger liebt Bert Hobo die Bühne am Utkiek. „Da kommen so viele Leute vorbei. Da ist der Platz vor der Bühne immer schnell voll“, freut sich der Niederländer. Acht bis neun Konzerte hat jede einzelne Band im Rahmen des dreitägigen Festivals gegeben. Für Florian Huxmann vom 1. Bremer Ukulelenorchester zählt ein Auftritt auf der Fähre zu den Highlights.

Florian Huxmann.

Florian Huxmann.

Foto: Christian Kosak

„Die Leute freuen sich immer, kurbeln ihre Fensterscheiben herunter und singen mit“, erzählt der Achimer mit der weißen Kapitänsmütze. „Und der Fährmann dreht mit uns manchmal noch eine Extrarunde.“ Die ein oder andere Extrarunde haben auch die Besucher über das langgestreckte Festivalgelände gedreht. Und sich zwischen Bühnen, Buden und Marktständen treiben lassen.

Lesen Sie auch

Lesen Sie auch

Lesen Sie auch

Lesen Sie auch

Lesen Sie auch

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+