Islamisten drohen auf Deutsch Zwei Bremer in IS-Propaganda-Video erkennbar

Eine Kalaschnikow im Arm, sitzt ein bärtiger Mann im Schneidersitz unter Palmen schwärmt vom Heiligen Krieg - auf Deutsch. Neben ihm sitzen zahlreiche andere bewaffnete Bärtige - auch zwei Bremer.
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Zwei Bremer in IS-Propaganda-Video erkennbar
Von Hauke Hirsinger

Eine Kalaschnikow im Arm, sitzt ein bärtiger Mann neben zahlreichen anderen bewaffneten Bärtigen. Im Schneidersitz spricht und schwärmt er im Sand unter Palmen vom Heiligen Krieg.

Anders als in anderen Propaganda-Videos des Islamischen Staates sind keine Untertitel notwendig, um das zu verstehen. Der Mann mit dem russischen Sturmgewehr spricht makelloses Deutsch. Unter seinen Gefolgsleuten sind auch die beiden Bremer Islamisten Harry S. und Adnan S. zu erkennen.

„Es ist das erste deutschsprachige Droh- und Hinrichtungsvideo“, sagt Hans-Joachim von Wachter, Chef des Bremer Landesamtes für Verfassungsschutz. „Die tragende Botschaft ist, Deutsche für den Islamischen Staat anzuwerben oder sie dafür zu gewinnen – wenn sie nicht ausreisen können –, Anschläge in Deutschland zu verüben.“ Dem Verfassungsschutz ist das Video bereits seit dem 5. August bekannt. „Unmittelbar darauf wurde es aus dem Netz entfernt und Ermittlungen eingeleitet“, sagt von Wachter.

Fünf Minuten und 24 Sekunden ist der hochauflösende Film lang. Er wurde von der „IS-Medienstelle, Medienbüro der Provinz Homs“ produziert. Dem WESER-KURIER wurde das Video, über das zuerst Radio Bremen berichtet hatte, am Donnerstag zugänglich gemacht. Neben der Schneidersitz-Runde werden marschierende Gotteskrieger und ein Pick-up-Konvoi gezeigt, der über Straßen in einer Wüstenlandschaft fährt.

Zwei Bremer Islamisten

Auf den Ladeflächen der Autos stehen dicht an dicht schwerbewaffnete Dschihadisten. Einige von ihnen schwenken die schwarze Fahne des Islamischen Staates. Darunter sind die beiden Bremer Harry S. und Adnan S. Einer der Bärtigen im Schneidersitz ist der verurteilte Österreichische Terrorist Mohamed Mahmoud. Er preist den Heiligen Krieg als eine Art Urlaub an und fordert die deutschen Zuschauer dazu auf, ihm zu folgen.

Im letzten Drittel des Propaganda-Films wird der Ernst hinter den bewegten Bildern schlagartig deutlich. Mahmoud und ein weiterer Deutschsprachiger stehen mit ihren Kalaschnikows im Anschlag zwischen Ruinen. Vor ihnen knien zwei Gefangene. Ihnen ist deutlich anzusehen, dass sie sich bereits in die Hoffnungslosigkeit ihrer Situation ergeben haben. In einer weiteren Ansprache droht der Österreicher Mahmoud unter anderem der Bundeskanzlerin. Er spricht von Angela Merkel, „dieser dreckigen Hündin“. Außerdem fordert er die Zuschauer dazu auf, Ungläubige zu richten. Direkt in Deutschland. Es sei Zeit für die Muslime, aufzuwachen. Es sei nicht mehr Morgen, sondern bereits Mittag.

Dann laden die beiden IS-Kämpfer die Magazine ihrer Sturmgewehre mit Patronen. Anschließend folgt die Erschießung der Gefangenen in Nahaufnahme. Daran sind die beiden Bremer Harry S. und Adnan S. zumindest nicht sichtbar beteiligt. „Ob sie an den Erschießungen teilgenommen haben, kann man nicht abschließend beurteilen. So ein Film wird ja zurechtgeschnitten“, sagt Rose Gerdts-Schiffler, Sprecherin des Bremer Innensenators, und fügt hinzu: „Das Bemerkenswerte an dem Video ist, dass ganz gezielt deutsche Islamisten angesprochen werden.“

Umfeld des verbotenen Kultur- und Familienvereins

Harry S. und Adnan S. gehören zu der Gruppe der rund 20 ausgereisten Bremer, die sich dem Islamischen Staat angeschlossen haben sollen. Beide sind dem Umfeld des im vergangenen Dezember verbotenen Kultur- und Familienvereins zuzurechnen. „Wir vermuten, dass Adnan S. noch im Irak oder in Syrien ist“, erklärt Landesverfassungsschutz-Leiter von Wachter. Im Gegensatz dazu wurde der 27-jährige Harry S. im vergangenen Juli bei seiner Rückkehr nach Bremen verhaftet. Seither sitzt er in Untersuchungshaft. Rose Gerdts-Schiffler gibt zu bedenken: „Wer vom Islamischen Staat abhaut, dem droht die Todesstrafe. Das gelingt zunehmend weniger Menschen.“

Am Mittwoch erging Haftbefehl durch den Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof in Karlsruhe. In einer Erklärung des Generalbundesanwalts heißt es: „Der Beschuldigte Harry S. ist dringend verdächtig, sich als Mitglied an der ausländischen terroristischen Vereinigung Islamischer Staat beteiligt zu haben. … Er durchlief eine Schusswaffenausbildung…“

Der Bremer Anwalt von Harry S., Udo Würtz, erklärt, dass sein Mandant der Propaganda des IS erlegen sei. „Er hat dort Gewalt erlebt und entschloss sich deshalb zur Flucht. Dabei wurde auf ihn geschossen.“ Würtz beteuert, dass die Flucht von Harry S. keine Finte gewesen sei. „Er hatte Glück, dass er überlebt hat. Er hätte von der Türkei aus leicht woanders hinfliehen können.“ S. habe aber nur dem Horror des Islamischen Staates entkommen wollen und sich bewusst für seine Heimat Bremen entschieden. „Ihm war klar, dass er verhaftet wird, wenn er zurückkehrt. Ich halte ihn nicht für gefährlich.“

Seit seiner Vernehmung in Koblenz am Mittwoch sitzt Harry S. wieder in Untersuchungshaft. „Zuständig ist jetzt der Bundesgerichtshof. Die Verhandlung wird voraussichtlich vor dem Oberlandesgericht in Hamburg stattfinden. Dort werden für gewöhnlich die Bremer Staatsschutz-Fälle verhandelt“, sagt Würtz.

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