Nach tödlichen Badeunfällen

Bremer Kinder sollen in Seen schwimmen lernen

Die Bremer FDP-Fraktion fordert zusätzliche Kurse an Badeseen anlässlich der regulären Schwimmausbildung. Am Donnerstag startet zudem ein Runder Tisch, der sich mit der Badesicherheit beschäftigt.
15.10.2018, 19:12
Lesedauer: 3 Min
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Bremer Kinder sollen in Seen schwimmen lernen
Von Sabine Doll
Bremer Kinder sollen in Seen schwimmen lernen

Sprung in den Werdersee: Die Badesicherheit beschäftigt die Bremer Parteien. Anlass sind die sechs Unfälle mit tödlichem Ausgang in diesem Sommer.

Frank Thomas Koch

Sechs tödliche Badeunfälle in diesem Sommer – diese Bilanz hat eine politische Debatte mit einer ganzen Reihe von Forderungen der Parteien rund um das Thema Schwimmenlernen ausgelöst. Jetzt hat sich auch die FDP mit einem Vorstoß eingeschaltet, wie Risiken und Badeunfälle gerade in offenen Gewässern wie Seen verhindert werden könnten. "Die Wasserfläche des Landes Bremen liegt mit über zwölf Prozent weit über der von Niedersachsen.

Und die Badeseen in Bremen spielen vor allem bei den Freizeitaktivitäten junger Menschen eine herausragende Rolle", betont der innenpolitische Sprecher der FDP, Peter Zenner. "Deshalb halte ich es gerade vor dem Hintergrund der tödlichen Unfälle in diesem Sommer für besonders wichtig, diese freien Bademöglichkeiten – und ganz konkret die offiziellen Badeseen – für das Schwimmenlernen zu nutzen."

Vorstellbar, so der Abgeordnete, seien etwa Kompaktkurse, die als Ergänzung in die reguläre Schwimmausbildung von Kindern integriert würden. Die Weser klammert Zenner aus, weil es sich um ein fließendes Gewässer mit Tidenhub, Strömung und anderen Risiken handele. „Zwar gibt es an der Weser beim Café Sand auch eine offizielle Badestelle, allerdings hat sie keinen abgegrenzten Nichtschwimmerbereich, in dem solche Kurse stattfinden könnten. Dazu kommt, dass sich dort bislang auch keine Station der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft befindet.“

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An allen anderen offiziellen Badestellen mit abgegrenzten Nichtschwimmerbereichen und DLRG-Stationen seien Schwimmkurse nicht nur realistisch, sondern sinnvoll. Zenner: „Das drängt sich auf, Kinder und junge Menschen sollten bei der Schwimmausbildung auch Erfahrungen mit natürlichen Gewässern machen.“ Vorteile seien außerdem: Schwimmzeiten in den Bädern müssten in der Regel bezahlt werden, an den Seen sei dies nicht der Fall. Dazu käme der Druck auf die Wasserflächen und die Schwimmzeiten in den Bädern.

Senat: Flüsse und Seen für das Schulschwimmen keine Option

Einer entsprechenden Anfrage der Liberalen hat der Senat vor Kurzem allerdings eine Abfuhr erteilt: Das Schwimmenlernen in Flüssen sei aus Sicherheitsgründen auszuschließen. „Dasselbe gilt für Badeseen, da kaum vorstellbar ist, Kindern ohne Wassererfahrung in größtenteils ungesicherten und unübersichtlichen Gewässern das Schwimmen beizubringen“, heißt es in der Antwort. Auch für das Schulschwimmen seien Flüsse und Seen keine Option. Und weiter: „Bereits die im Regelfall nicht beziehungsweise nicht ausreichend vorhandenen sanitären Anlagen schließen Unterricht aus. Darüber hinaus stellen fließende und/oder trübe Gewässer ein unnötiges erhöhtes Sicherheitsrisiko dar.“

Dieses Argument hält der FDP-Abgeordnete für „absolut dürftig“, weshalb die FDP jetzt überlege, einen Antrag zu Schwimmkursen an offiziellen Badestellen in die Bürgerschaft einzubringen. Dass etwa Seen nicht gechlort und trübe sind, sei klar. „Die Leute gehen da aber trotzdem schwimmen. Und dass sanitäre Anlagen nicht ausreichend vorhanden sind, dürfte wohl kein Hinderungsgrund sein, um in die Badesicherheit zu investieren. Dann stellt man eben zusätzliche Anlagen auf. Das sind regelbare Umstände.“

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In seiner Antwort hatte der Senat außerdem einen Runden Tisch angekündigt, der Strategien zur Verhinderung von Badeunfällen entwickeln soll. „Am kommenden Donnerstag tagt dieses Gremium zum ersten Mal“, sagt Bernd Schneider, Sprecher von Sportsenatorin Anja Stahmann (Grüne), dem WESER-KURIER auf Nachfrage.

Badeunfälle sollen verhindert werden

Neben der Sport- und Umweltbehörde sollen auch Vertreter der Ortsämter, in deren Bereichen es Badestellen gibt, des Landessportbundes sowie aus Schwimmsportvereinen und Verbänden sitzen. Schneider: „Es geht zunächst um eine Bestandsaufnahme und darum, eine Art 'Steinbruch' für Verbesserungsansätze zu schaffen – also Ideen zu sammeln, die sich aus verschiedenen Perspektiven ergeben.“ Man müsse realistisch bleiben, für Badeunfälle gebe es viele Ursachen. Dazu zählten auch Leichtsinn, Selbstüberschätzung oder Alkohol. „Niemand wird ein Konzept erstellen können, das alle Risiken ausschaltet und Badeunfälle auf Dauer und verlässlich verhindert“, betont der Sprecher der Senatorin.

In den vergangenen Wochen hatte es bereits mehrere Vorstöße fast aller Parteien zu den Themen Schwimmenlernen und Badesicherheit gegeben: Sie reichen von freiem oder reduziertem Eintritt für Kinder, Jugendliche und Sozialhilfeempfänger bis hin zur Verlegung des Schwimmunterrichts von der dritten in die zweite Klasse.

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