Start des Kitajahres 1260 Bremer Kinder ohne Betreuungsplatz

Zum Start des Kita-Jahres hat das Bildungsressort aktuelle Zahlen vorgelegt. Aktuell haben 1260 Bremer Kinder keinen Platz in einer Krippe oder einem Kindergarten.
19.08.2022, 13:14
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1260 Bremer Kinder ohne Betreuungsplatz
Von Nina Willborn

Rund 23.300 Bremer Kinder werden in diesen Tagen das erste Mal in einer Krippe oder Kindergartengruppe betreut. Zum Start des neuen Kita-Jahres gibt es aber auch viele Kinder, die zwar von ihren Eltern für frühkindliche Bildungsangebote angemeldet wurden, die aber keinen Platz in ihrer Wunscheinrichtung oder einer anderen bekommen haben – das hatte sich bereits anhand der Zahlen des Statusberichts I abgezeichnet. Wie Kinder- und Bildungssenatorin Sascha Aulepp (SPD) mitteilte, sind nach aktuellem Stand insgesamt 1260 Kinder unversorgt, der Großteil (773 Kinder) davon im Kindergartenbereich. Im Bereich der Krippen sind 487 Kinder unversorgt. "Es tut mir im Herzen weh", sagte Aulepp, "aber es ist auch wichtig, offen und ehrlich zu sagen, wie die Situation ist, statt einem Mangel hinterherzuhecheln."

Wo die Betreuungslücke besonders groß ist

Groß ist die Lücke bei Betreuungsplätzen für Kindergartenkinder der Senatorin zufolge in Vegesack, wo 140 Plätze fehlen, und in Blumenthal. Dort klafft eine Lücke von 112 Plätzen für Kinder im Alter ab drei Jahren, auch in Burglesum gibt es 76 Plätze zu wenig. Für Vegesack nannte Aulepp eine große Zunahme der Bevölkerung auch durch viele Geflüchtete mit Kindern als Grund, aber auch dort entstandene Neubaugebiete wie das Tauwerkquartier. Hinzu kommen in Vegesack wie auch in anderen Stadtteilen zwei strukturelle Probleme: Fertig gebaute Kitas wie die der Awo an der an der Alten Hafenstraße, die mangels Personal nicht betrieben werden kann sowie Verzögerungen bei Investoren-Projekten wie an der Dobbheide.

Im Krippenbereich fehlen in Huchting mit Abstand die meisten (minus 107 Plätze). "Dort ist der Nachholbedarf besonders groß", sagte Aulepp. Das gelte auch für Findorff (45 fehlende Plätze), die Neustadt (36) und Vegesack (42).

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Was neu an der Berechnung ist

Die Zahl der fehlenden Kitaplätze ist größer als im Vorjahr. Damals waren mit Stand August 986 Kinder als unversorgt gemeldet worden. Dass die Zahl sich trotz des verstärkten Ausbaus vergrößert hat, liegt auch daran, dass das Bildungsressort die Zahlen anders aufgeschlüsselt hat. Neu ist, dass Kinder, die über die zentrale Vermittlung der Behörde auf der Warteliste stehen oder auf einer der Listen der Kitas selbst, mitgezählt wurden. Aulepp: "Wir müssen deutlich machen, wie hoch der Bedarf wirklich ist."

Das gelte auch in Bezug auf die Ausbauziele. Der Senatorin zufolge braucht Bremen bis zum Jahr 2026 insgesamt zwischen 5000 und 6000 neue Kitaplätze – und das entsprechende Personal für die Betreuung der Kinder. In Planung sind derzeit etwa 3500 Plätze. "Das wird ein wahnsinniger Kraftakt", sagte Aulepp. Bei den Prognosen für die kommenden Jahre hat das Bildungsressort die Berechnung insofern verändert, als dass seit Kurzem das gestiegene Einschulungsalter mit einbezogen wird. Das bedeutet: Bei rund 55 Prozent der Sechsjährigen geht die Behörde davon aus, dass sie weiterhin einen Betreuungsplatz brauchen, weil sie erst mit knapp sieben Jahren in die Schule gehen.

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Das plant das Ressort

Die Bildungsbehörde versucht, die Situation mit unterschiedlichen Mitteln zu verbessern. Das beginnt bei der Stadtplanung: Wenn neue Wohnquartiere entworfen werden, müssten ausreichend Möglichkeiten der Kinderbetreuung von Beginn an mitgeplant werden, sagte Aulepp. "Vorbildlich ist das im Speicher-Quartier und im Steingut-Quartier geschehen."

Weil klar ist, dass die Kluft zwischen Bedarf und Angebot erst nach und nach kleiner wird, sollen auch provisorische Angebote wie Spielkreise oder Vorschulkurse helfen, in denen Kinder stundenweise in festen Kleingruppen betreut werden. Den Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz ersetzen sie nicht. Auch die Betreuungsmöglichkeiten durch Tagesmütter oder -väter soll ausgeweitet und ihre finanziellen Bedingungen (Stichwort Sachkostenpauschale) verbessert werden. Am kommenden Dienstag werde sich der Senat mit dem Thema beschäftigen, sagte die Senatorin. Gleichzeitig starte nun in Kooperation mit der Gewoba eine Werbekampagne im Bremer Osten, um Interessenten für die Kindertagespflege zu gewinnen. Auch die Kapazitäten bei der Erzieher-Ausbildung sollen weiter ausgebaut werden. "Die Nachfrage nach Plätzen an den Fachschulen ist um ein Drittel gestiegen", sagte Aulepp. Das Gefälle in der Bezahlung habe sich bei der schulischen Ausbildung im Vergleich zum unter anderem von den Linken bevorzugten "Pia"-Modell durch die Digitalisierungs und die Mobilitätspauschale angeglichen.

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