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Mitchell Weiser macht das "neue" Werder komplett

Am letzten Tag der Transferperiode hat Werder den letzten "Baustein" in die neue Mannschaft eingefügt – mit der Verpflichtung von Außenverteidiger Mitchell Weiser. Er ist der sechste externe Neuzugang.
01.09.2021, 06:55
Lesedauer: 4 Min
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Von Carsten Sander

Der letzte Baustein des „neuen“ SV Werder kommt aus Leverkusen. Am Schlusstag der Transferperiode hat der Bundesliga-Absteiger aus Bremen Außenverteidiger Mitchell Weiser verpflichtet. Der 27-Jährige wird für eine Saison von der Werkself ausgeliehen, ob Werder danach eine Kaufoption besitzt, ist nicht bekannt.

Weiser ist der sechste externe Neuzugang bei den Bremern – dieser Zahl stehen bei den Bremern elf Abgänge aus dem Stammkader der vergangenen Bundesliga-Saison gegenüber. Insgesamt nahm Werder knapp 34 Millionen Euro an Transfererlösen ein, reinvestierte aber nur – Leihsummen inklusive – etwa vier Millionen. Der Altersschnitt des neuen Kaders liegt bei 24 Jahren, der Gesamtmarktwert des Teams laut Branchenportal „transfermarkt.de“ aber immer noch bei stattlichen 51,38 Millionen Euro. Damit übertrifft Werder den FC Schalke (46,28 Millionen Euro) sowie den Hamburger SV (39,08) deutlich und führt das Zweitliga-Ranking an.

Dass die Bremer deshalb auch der Aufstiegsfavorit sind, ist leicht zu behaupten, Sportchef Frank Baumann will diese Rolle aber nicht annehmen. Zu groß war der Umbau des Kaders, als dass jetzt alles gleich reibungslos laufen könnte. „Die Mannschaft muss sich erst noch finden. Da bitte ich um Geduld“, sagte er.

Geduld ist ein gutes Stichwort: Selbige hatte der Manager in den vergangenen Monaten bei den Fans mehr als ausgereizt. Lange dauerte es, ehe die für die Offensive so notwendigen Verstärkungen kamen. In Marvin Ducksch präsentierte Baumann letztlich den Königstransfer des Sommers. 3,2 Millionen Euro kostete Ducksch, damit liegt er weit vor den anderen Neuverpflichtungen Anthony Jung, Lars Lukas Mai, Nicolai Rapp, Roger Assale und nun Weiser, die sich mit Ablöse oder Leihgebühr alle jeweils im sechsstelligen Bereich bewegen. „Mit diesem Kader“, bilanzierte Baumann die Transferphase, „sind wir für die Zukunft gut gerüstet. Ich bin zufrieden.“

Werder-Mittelfeld bleibt eine Baustelle 

Der Ex-Nationalspieler hatte während der Wochen des Suchens und Wartens viel Kritik einstecken müssen, beim zweiten Heimspiel gegen den SC Paderborn (1:4) forderten sogar viele Fans lautstark seinen Rauswurf. Und obwohl Ducksch ein Top-Transfer war für die 2. Liga, die ohnehin schon mit einer überdurchschnittlichen Innenverteidigung ausgestattete Abwehr mit Weiser noch mehr Qualität bekommt, blieb eine Baustelle offen: das Mittelfeld.

Am Ende der Transferphase ist der Handlungsbedarf dort sogar noch größer als zu Beginn. Maximilian Eggestein und Kevin Möhwald wurden abgegeben, ein neuer Sechser ist in Nicolai Rapp zwar verpflichtet worden, ein Spieler mit der Qualität, ein Spiel lenken zu können aber nicht. Baumann argumentiert jedoch dagegen, sagt: „Wir sind trotzdem gut aufgestellt. In Niklas Schmidt ist ein Spieler zu uns zurückgekommen, der aktuell aus der Mannschaft nicht mehr wegzudenken ist.“ Aber da war auch ein bisschen Glück dabei. Schmidt galt nach zwei Jahren als Leihspieler beim VfL Osnabrück zu Beginn der Transferphase als Abschiebekandidat, dann ist er leistungsmäßig explodiert.

Baumann hat auch intensiv nach Spielern für das Mittelfeld gefahndet, aber weder den Norweger Fredrik Aursnes (wechselte zu Feyenoord Rotterdam) noch den Schweizer Christian Fassnacht (bleibt bei Young Boys Bern) bekommen. Gründe: Die Bremer sind an die Grenzen ihrer sportlichen Attraktivität und ihrer finanziellen Leistungskraft gestoßen. Bei Baumann liest sich das zusammengefasst so: „Als Zweitligist haben wir nur begrenzte Möglichkeiten.“

Toprak, Veljkovic und Pavlenka sollen bei Werder bleiben

Ob der Sportchef aus diesen Möglichkeiten genug gemacht hat, bewertete er natürlich nicht selbst. „Das überlasse ich anderen“, meinte er. Nun gut, wird sind so frei und vergeben wegen guter Verkäufe, dem Ducksch-Transfer sowie solider Spieler wie Rapp und Jung auf der einen, aber eben auch den Defiziten im Mittelfeld eine 3+. Mit leichter Tendenz zur 2-. Nachschläge für den Kader durch derzeit vertragslose Spieler (ihre Verpflichtung ist auch nach Ende der Transferphase) sind laut Baumann „nicht geplant“.

Ebensowenig wie Spielerverkäufe in Ligen mit noch geöffneten Transferfenstern – zum Beispiel die Türkei oder Russland. „Da gibt es weder von uns noch von Spielerseite irgendwelche Absichten.“ Ein Transfer von Ömer Toprak in die Türkei ist damit abgehakt, auch Milos Veljkovic und Jiri Pavlenka werden bleiben.

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In Mitchell Weiser haben die Bremer auf jeden Fall einen Spieler mit einer sehr interessanten Vita verpflichtet. Als ganz junger Spieler gewann er mit dem FC Bayern drei Deutsche Meisterschaften sowie zweimal den DFB-Pokal. Mit der deutschen U 21-Auswahl wurde er zudem 2017 Europameister. Doch so glanzvoll, wie die Karriere begann, verlief sie nicht weiter. Über Hertha BSC ging es weiter zu Bayer Leverkusen, wo der Sohn des Ex-Bundesliga-Profis Patrick Weiser (Stationen: 1. FC Köln, Stade Rennes, VfL Wolfsburg) zuletzt keine Rolle mehr spielte.

Nur fünf Bundesliga-Einsätze waren es in der vergangenen Saison, in der laufenden Serie hat der neue Bayer-Trainer Gerardo Seouane ihn abgesehen von zwei Minuten im DFB-Pokal gar nicht berücksichtigt. Womit sich auch Weisers Motivation erklärt, nach insgesamt 140 Bundesliga-Einsätzen und 23 internationalen Auftritten zu Werder in die 2. Liga zu wechseln: Er muss seine Karriere wieder in Schwung bringen.

„Ich freue mich auf die Aufgabe und will hier so viele Einsätze wie möglich haben“, wird er in einer Pressemitteilung des SV Werder zitiert. Im Bremer Team wird Weiser auf der Rechtsverteidiger-Position eingeplant. Heißt: Felix Agu könnte wieder auf die linke Seite wechseln. Sein Debüt im Werder-Trikot wird Weiser schon am Mittwoch (16 Uhr) in Lohne im Testspiel gegen Heracles Almelo feiern.

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