Treffer beim 5:1-Sieg Wie Mitchell Weiser sein Tor gegen Gladbach vorhergesehen hat

Beim 5:1-Sieg gegen Borussia Mönchengladbach hat bei Werder Bremen einfach alles gepasst. Auch für Mitchell Weiser. Denn der hat seinen Treffer sogar vorhergesehen.
04.10.2022, 17:18
Lesedauer: 3 Min
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Von Daniel Cottäus

Das Tor war noch gar nicht gefallen, da hatte es Mitchell Weiser schon erzielt – in Gedanken. Quasi vorausgeahnt. „Als ich den Lauf gemacht habe, war es meine Vision, dass er den Ball genauso anlupft und ich ihn reinschieße“, sagte der 28-Jährige am Dienstag über das Zusammenspiel mit Teamkollege Niclas Füllkrug, an dessen Ende der Ball tatsächlich im Netz gelegen hatte. Eine herrliche Szene, die einen herrlichen Samstagabend aus Sicht des SV Werder Bremen vollends abrundete – 5:1 gegen Borussia Mönchengladbach. „Phasenweise war es wie im Rausch“, hielt Weiser fest, der bereits früh im Spiel gewusst hatte, „dass an diesem Tag einfach alles passt“. Der dann aber doch ziemlich überrascht davon war, dass er sogar Tore vorhersehen kann: „Das war schon außergewöhnlich.“ Und es dürfte für Weiser ein weiterer Beleg dafür gewesen sein, mit seinen Entscheidungen pro Bremen im Sommer 2021 und 2022 alles richtig gemacht zu haben.

„Für mich hat es sich ausgezahlt“, sagte der Mann von der rechten Außenbahn, der nach dem Bremer Bundesliga-Abstieg zunächst leihweise für ein Jahr und im vergangenen Juli dann fest von Bayer Leverkusen zu Werder gewechselt war – und seiner ziemlich ins Stocken geratenen Karriere damit neuen Schwung verliehen hat. Gegen Gladbach zeigte Weiser seine bis dato womöglich beste, weil auffälligste Leistung im Bremer Trikot – wichtiger Bestandteil der Startelf von Cheftrainer Ole Werner ist der ehemalige Bayern-Spieler aber schon lange. „Wir profitieren sehr von Mitch“, sagte der Coach nach dem Gladbach-Spiel, um an dieser Stelle nur einen Satz aus Werners ausführlicher Lobeshymne auf Weiser wiederzugeben.

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In der laufenden Bundesliga-Saison verpasste der Profi lediglich 28 von bisher möglichen 720 Einsatzminuten, weil er zwei Mal (in Wolfsburg und gegen Frankfurt) in der Schlussphase ausgewechselt wurde. Mit drei Vorlagen ist er nach Stürmer Marvin Ducksch (fünf) aktuell Werders bester Assistgeber – und seit dem Gladbach-Spiel eben auch einer der Torschützen des Teams.

„Ich mag es, Tore zu schießen. Es hat mir gut getan, auch wenn es am Ende kein so wichtiges Tor mehr war“, sagte Weiser über seinen Treffer zum 5:1, der eine lange Wartezeit für ihn beendet hatte. Zuvor war er am 16. Dezember 2020 letztmals in der Bundesliga erfolgreich gewesen, damals noch für Bayer Leverkusen während eines 4:0-Derbysieges beim 1. FC Köln. Danach sollten für Weiser bis zum Sommer 2021 nur noch zwei weitere Einsätze für die Werkself folgen. Unter dem damaligen Coach Peter Bosz geriet Weiser sportlich aufs Abstellgleis, auch unter den Nachfolgern Hannes Wolf und Gerardo Seoane sollte sich das nicht mehr ändern. Deshalb im Sommer 2021 die Last-Minute-Flucht nach Bremen, wo Weiser unter Trainer Markus Anfang zunächst Anlaufschwierigkeiten hatte, unter Ole Werner aber später aufblühen – und mit dem Club den Bundesliga-Aufstieg feiern sollte. Für Weiser stand nach der Saison dann schnell fest, dass er gerne fest nach Bremen wechseln würde, worauf sich die beiden Vereine schließlich auch verständigen konnten.

Es ist gerade eine schöne Momentaufnahme.
Mitchell Weiser

Und so kam es, dass sich die bisherige Bundesliga-Perspektive des Spielers veränderte: Statt um Plätze im internationalen Geschäft geht es für Weiser mit Werder nach dem Aufstieg nun darum, „dass wir in der Liga bleiben wollen“. Dafür zähle jeder Punkt. Nachdem die Mannschaft drei weitere gegen Gladbach eingefahren hatte, sangen die Fans trotzdem euphorisch „Europapokal, Europapokal!“. Was Weiser mit einem Schmunzeln zur Kenntnis nahm. „Die Fans dürfen natürlich träumen, aber wir haben noch sehr viele Spiele vor uns. Es ist gerade eine schöne Momentaufnahme.“

Weiter mutig sein, mit der Mannschaft den eigenen Fußball auf den Platz bringen – darauf möchte sich Weiser konzentrieren. „Ich versuche, voranzugehen und die Jungs mitzureißen“, sagte der 28-Jährige, ehe er die gute Entwicklung sowie den starken Zusammenhalt des Teams hervorhob: „Wir mussten als Mannschaft in der vergangenen Saison sehr viel durchstehen. Das schweißt einen natürlich zusammen, und das sieht man dieses Jahr.“ Zudem habe jeder Spieler „noch etwas draufgepackt“, sich gut weiterentwickelt, und auch der Druck sei nun ein anderer: „In der 2. Liga mussten wir um jeden Preis erfolgreich sein, das hat uns manchmal etwas gehemmt. Jetzt sind wir sehr mutig. Das zeichnet uns gerade aus.“

Am vergangenen Samstag war das sehr schön zu beobachten gewesen. In einem Spiel, in dem Werder vom Anpfiff weg nahezu alles gelang, in dem ein Rädchen ins andere griff – und ein Spieler sogar plötzlich Tore vorhersehen konnte.

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