Nach Remis in Wolfsburg Wie Werder Bremen die Bundesliga-Konkurrenz beeindrucken will

Wie konkurrenzfähig ist Werder Bremen in der Bundesliga? Beim Punktgewinn in Wolfsburg hat der Aufsteiger gezeigt, dass er mithalten kann. Trainer Ole Werner will da jedoch noch keinen Haken dran machen.
07.08.2022, 16:49
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Wie Werder Bremen die Bundesliga-Konkurrenz beeindrucken will
Von Malte Bürger

Es war und ist eine der ganz großen Fragen der neuen Bundesliga-Saison: Ist der SV Werder Bremen nach all den Turbulenzen der vergangenen Jahre, dem zwischenzeitlichen Abstieg und der jetzigen Rückkehr tatsächlich konkurrenzfähig in Deutschlands Fußball-Beletage? Nach dem 2:2 zum Auftakt beim VfL Wolfsburg ist man geneigt, mit einem deutlichen Ja zu antworten.

Oder wie es Stürmer Niclas Füllkrug unmissverständlich am Sky-Mikrofon ausdrückte: „Die erste Halbzeit war ein Topspiel von uns. Auf dieser Leistung lässt sich aufbauen. Man hat gesehen: Wir haben keine Probleme, in der Bundesliga mitzuhalten.“ Für die Bremer wird es an den kommenden 33 Spieltagen nun darum gehen, diese forsche Ansage mit weiteren guten Darbietungen zu untermauern. Sonst ist dieser eine gewonnene Zähler am Ende nicht allzu viel wert.

In Wolfsburg war es vor allem die erste Hälfte, die imponierte. Werder begann überfallartig, hatte schnell erste Gelegenheiten – und kassierte dann doch nach dem ersten VfL-Angriff überhaupt das 0:1 durch Lukas Nmecha (11.). „Man sieht, dass wenn du in dieser Liga auch nur eine kleine Chance zulässt, es sofort hinten wieder raschelt“, meinte Kapitän Marco Friedl später. Es hat schon Aufsteiger gegeben, die sich von einem derartig frühen Rückschlag nicht so schnell erholten, gar untergingen. Die Bremer allerdings taten genau das Gegenteil. Sie schüttelten sich kurz und spielten weiter mutig nach vorne.

Werder kommt aus der zweiten Liga und hat alles in die Waagschale geworfen und Gas gegeben.
VfL-Trainer Niko Kovac

Zur Belohnung gab es erst den zügigen Ausgleichstreffer von Niclas Füllkrug per Flachschuss (21.), ehe Leonardo Bittencourt keine 120 Sekunden später mit einem sehenswerten Kopfball die Partie komplett drehte (23.). „Werder kommt aus der zweiten Liga und hat alles in die Waagschale geworfen und Gas gegeben – nach vorne und nach hinten“, lobte VfL-Coach Niko Kovac anerkennend. Und die Gäste hätten bei weiteren Möglichkeiten bis zur Pause sogar nachlegen, die Partie vielleicht schon entscheiden können. Taten sie aber nicht, weshalb Wolfsburg nach dem Seitenwechsel wesentlich besser agierte, spät durch Josuha Guilavogui zum 2:2 kam und Werder so den perfekten Einstand vermasselte (84.).

Dem trauerte auch Ole Werner hinterher, andererseits hatte er viel Gutes gesehen. „Speziell in der ersten Halbzeit haben wir ganz viel von dem umsetzen können, was wir uns vorgenommen haben. Wir haben eine Leistung gebracht, die nicht nur Mut macht für die kommenden Aufgaben, sondern auch gezeigt hat, dass wir grundsätzlich mit der Art und Weise, wie wir Fußball spielen, in dieser Liga zurechtkommen können“, bilanzierte Werders Cheftrainer – und schob einen kleinen, aber elementar wichtigen Halbsatz hinter: „Wenn wir uns an unserem Leistungslimit bewegen.“

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In der Tat dürften die Bremer darauf angewiesen sein, stets an ihre Grenzen oder womöglich darüber hinaus zu gehen. Jedes Tor, jeden Punkt werden sie sich hart erarbeiten müssen. Auch deshalb will Ole Werner anders als Stürmer Niclas Füllkrug noch nicht ganz so eilig einen Haken hinter das Thema Konkurrenzfähigkeit machen. „Ein Spiel allein gibt dir nicht die Rückschlüsse, ob das alles über ein Jahr geht. Du musst ja auch immer auf unterschiedliche Situationen, auf unterschiedliche Gegner reagieren“, hob er hervor. „Ich glaube trotzdem, dass wir gesehen haben, dass man ganz grundsätzlich mit der Art und Weise, wie wir Fußball spielen wollen, erfolgreich Spiele bestreiten kann und dass wir eben auch, wenn wir uns an der Leistungsgrenze bewegen, Spieler haben, die in dieser Liga auch mal den Unterschied machen können.“

Startelf-Debütant Jens Stage, der gerade seine ersten Erfahrungen überhaupt im deutschen Profifußball sammelt, sieht das ganz ähnlich. „Für mich ist Werder ein Bundesliga-Club. Ich erwarte von uns, dass wir in dieser Liga mithalten können. Der Club und die Spieler sind groß genug dafür“, betonte der Däne.

In Wolfsburg war vor allem zu erkennen, dass die Bremer immer dann stark waren, wenn das hohe Gegenpressing funktionierte. Nachteil der ganzen Sache: Eine derartige Spielweise geht enorm an die Substanz, irgendwann schleicht sich zwangsläufig eine ausgedehntere Ruhephase ein. So wie aktuell in der zweiten Halbzeit, als Werder nicht mehr ganz so auffällig war.

„Sicherlich kannst du nicht 90 Minuten am gegnerischen Strafraum anlaufen. Ich glaube, das kann keine Mannschaft der Welt, wir werden das auch nicht können“, erklärte Ole Werner. Missen wollte er das couragierte Anrennen aber ebenso wenig wie Clemens Fritz, Werders Leiter Profifußball. „Wir sind unheimlich weite Wege gegangen, haben aber auch gut miteinander gesprochen und zusammengearbeitet. Um die letzten Prozent zu bekommen, brauchst du jetzt einfach diesen Spielrhythmus, aber wir haben eine absolut gute Grundlage“, ist der 41-Jährige überzeugt. „Dieses selbstbewusste Auftreten und den Wunsch danach, immer mutig zu bleiben – das ist genau das, was wir sehen wollen.“ Gelingt das, dürfte auch die Frage nach der Konkurrenzfähigkeit schnell beantwortet sein.

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