Werder, VfL und Polizei Das sind die Reaktionen auf die umstrittene Kontrolle der Werder-Fans

Die Polizeiaktion am Rande des Spiels zwischen dem VfL Wolfsburg und Werder Bremen erhitzt weiter die Gemüter. Was die Vereinsverantwortlichen sagen und wie die Polizei auf die Kritik reagiert.
07.08.2022, 17:31
Lesedauer: 5 Min
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Das sind die Reaktionen auf die umstrittene Kontrolle der Werder-Fans
Von Malte Bürger

Kopfschütteln, Wut und ganz viel Unverständnis. Die Palette der Emotionen ist lang, die durch die Polizeiaktion am Wolfsburger Hauptbahnhof hervorgerufen wurde. Im Vorfeld der Partie beim VfL waren zahlreiche Werder-Fans festgesetzt worden, etliche wurden durchsucht, ihre Personalien aufgenommen.

Auf einem Video, das unserer Deichstube vorliegt, ist zu sehen, wie die friedlichen Anhänger von Beamten umgeben sind und per Durchsage darüber informiert werden, dass es ein Aufenthaltsverbot im gesamten Stadtgebiet für sie gebe und sie ausschließlich mit polizeilicher Begleitung zum Stadion gehen dürften. Viele Fans, darunter zahlreiche Ultras, hatten daraufhin aus Protest gegen die aus ihrer Sicht überzogenen Kontrollen auf einen Stadionbesuch verzichtet und den Heimweg angetreten. Werder zeigte dafür vollstes Verständnis und kritisierte im Gegenzug das Handeln der Polizei.

"Ich erwarte da eigentlich eine politische Korrektur von den Entscheidungsträgern, denn das kann so nicht stehen bleiben und darf sich nicht wiederholen", forderte etwa Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald bei Sky. Auch Clemens Fritz, Werders Leiter Profifußball, zeigte sich irritiert: „Ich verstehe es nicht. Ich weiß nicht, wer das entschieden hat und ich weiß auch nicht, wer sich da verwirklichen wollte, aber ich finde es eine Frechheit“, schimpfte er.

Polizei hat die Partie als sogenanntes Rot-Spiel eingestuft

Die Ereignisse in Wolfsburg verwunderten alle Beteiligten auch deshalb, weil es im Vorfeld aus ihrer Sicht keinen Anlass zur Sorge gegeben hatte. Beide Vereine hatten sich ausgetauscht, auch aufgrund der Erfahrungen aus den Vorjahren war die Begegnung mit der niedrigsten, der Kategorie „grün“ bewertet worden. Die Polizei sah das anders: "Die Polizei Wolfsburg als auch die Polizeibehörde Bremen stuft das Verhältnis beider Fanlager als rivalisierend ein. Die Spielbegegnung wurde durch die Polizei als sogenanntes Rot-Spiel eingestuft", informierten die niedersächsischen Beamten am Sonntagnachmittag. "Dies wurde dem Verein VfL Wolfsburg bereits am 11. Juli 2022 mitgeteilt." 

Nach Angaben von Hubertus Hess-Grunewald hatten allerdings auch die VfL-Verantwortlichen am Samstag angegeben, von der Polizeiaktion überrascht worden zu sein. Der dortige Sportchef Jörg Schmadtke kritisierte anschließend in der "Wolfsburger Allgemeinen Zeitung": „Wenn diese Gangart der Beamten Standard ist, stellt das für mich die gesamte Polizeiarbeit infrage. Es kann doch nicht sein, dass die Polizei eingreift, bevor du überhaupt etwas getan hast.“ Und weiter: „Ich habe mir die Bilder von dem Einsatz angesehen. Ich bin bestürzt. Das ist eine Blamage für den Fußball-Standort Wolfsburg.“ In diesem Zusammenhang erklärte er, dass der VfL die Kosten der dadurch nicht entwerteten Eintrittskarten der Werder-Fans erstatten wolle.  

Womöglich droht nun sogar ein juristisches Nachspiel, die Fanhilfe Bremen kündigte nämlich an, dass man „die Rechtmäßigkeit der Polizeimaßnahmen genauestens prüfen und rechtliche Schritte einleiten“ werde. „So geht man nicht mit Gästen um. Die anreisenden Werder-Fans hatten der Polizei keinerlei Anlass für eine solche Maßnahme gegeben“, heißt es in einer Erklärung. „Angesichts der Tatsache, dass alle Fans ohnehin am Stadioneingang kontrolliert werden, muss eine zusätzliche Kontrollstelle der Polizei als Schikane bewertet werden.“

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Polizei erklärt Aktion als präventive Maßnahme

Auch in dieser Hinsicht widersprachen die Beamten, witterten indes die Gefahr des Einsatzes von pyrotechnischen Gegenständen. "Die Anordnung der Kontrollstelle fußte auf konkreten polizeilichen Erkenntnissen, dass eine Vielzahl an Personen sogenannter Risikogruppen solche pyrotechnischen Gegenstände mit sich führen und deren Abbrand insbesondere auch in den Zuschauerblöcken der Volkswagen-Arena anstreben würden", heißt es in der Erklärung.

"Es handelte sich somit um eine präventive Maßnahme der Gefahrenabwehr und nicht um eine repressive Maßnahme der Strafverfolgung, die sich erst nach dem Auffinden verbotener Gegenstände oder einer bereits eingetretenen Verletzung von Menschen hätte anschließen können. Diese polizeiliche Bewertung wurde dann durch das konkrete Anreiseverhalten dieser Risikogruppen am Spieltag noch einmal untermauert." Werder hatte in der Vergangenheit immer wieder mit Zündeleien der eigenen Fans zu kämpfen, vor allem bei Auswärtsspielen. Auf Nachfrage unserer Deichstube teilte der Verein allerdings mit, dass keinerlei Zwischenfälle aus den Zügen während der Anreise nach Wolfsburg bekannt seien.

Derweil versuchte die Polizei auch den Vorwurf zu entkräften, dass sich sämtliche Fans am Bahnhof nicht hätten frei bewegen dürfen. "Gleichwohl wurden diese Maßnahmen in einem stark differenzierenden und abgestuften Verfahren durchgeführt. Personen, die nicht den Risikogruppen zugeordnet werden konnten, konnten den Bahnhof sofort nach ihrer Ankunft ohne weitere polizeiliche Maßnahmen verlassen und ihren Weg in Richtung Volkswagen-Arena oder in das sonstige Stadtgebiet fortsetzen", erklärt Pressesprecher Thomas Figge.

"Dies betraf ausdrücklich auch deutlich erkennbare Fans des SV Werder Bremen, die ohne polizeiliche Kontrolle und teilweise völlig ohne polizeiliche Begleitung die Volkswagen-Arena erreichten. Darüber hinaus bestand zu keiner Zeit ein Zwang, sich den polizeilichen Kontrollmaßnahmen zu unterziehen. Personen, die eine solche Kontrolle für sich ablehnten, konnten entweder unkontrolliert am oder im Bahnhof verbleiben oder auch ihre Reise einfach fortsetzen." Laut Polizei haben sich schließlich etwa 270 Fans dazu entschieden, vorzeitig abzureisen. Im Stadion seien letztlich rund 4200 Werder-Anhänger gewesen. Auf Nachfrage wollten sich die Werder-Verantwortlichen am Sonntag nicht mehr zu den Angaben der Wolfsburger Polizei äußern.

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Dieser Artikel wurde am 7. August 2022 um 17.30 Uhr mit einem weiteren Statement der Polizei ergänzt.

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