Nach Mieterprotesten Vonovia will weniger modernisieren

Vonovia will bei seinen Wohnungen weniger Geld in die energetische Modernisierung investieren, weil es den Mietern dabei an Akzeptanz mangele. Was das neue Gesetz dazu im Kleingedruckten versteckt hat.
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Vonovia will weniger modernisieren
Von Florian Schwiegershausen

Der größte deutsche Wohnungskonzern Vonovia will seine Investitionen in Modernisierungen drastisch kürzen. Hintergrund sei eine „dramatisch zurückgegangene“ gesellschaftliche Akzeptanz für die in der Regel mit Mietsteigerungen verbundenen energetischen Modernisierungen, sagte Vonovia-Chef Rolf Buch: „Es nutzt nichts, wenn die Leute das nicht wollen.“

Ab sofort will Vonovia die energetischen Investitionen von rund einer Milliarde Euro um rund 40 Prozent kürzen. Wie Vonovia-Finanzvorstand Klaus Freiberg dem WESER-KURIER sagte, waren in Bremen für 2018 fast 50 Millionen Euro eingeplant. Das Unternehmen will die Modernisierungsquote nun von fünf auf rund drei Prozent reduzieren.

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Laut eigenen Angaben hatte Vonovia bislang im Durchschnitt sieben Prozent der energetischen Modernisierungskosten jährlich auf die Miete umgelegt – etwa für Fassadendämmung oder den Austausch alter Fenster. Das hatte manchmal Mieterhöhungen von mehr als drei Euro pro Monat und Quadratmeter zur Folge.

Bewohner klagten gegen Mieterhöhungen

Der Konzern zählt mit einem Bestand von rund 400.000 überwiegend in Deutschland gelegenen Wohnungen zu den größten deutschen Vermietern. Knapp 12.000 Wohnungen besitzt das börsennotierte Unternehmen in Bremen. Gerade bei Wohnungen im Viertel und auf dem Peterswerder, die früher der Beamten-Baugesellschaft Bremen (BBG) gehörten, hatte Vonovia mit einer energetischen Modernisierung begonnen. Davon konnte der Konzern bisher elf Prozent der Kosten auf die Jahresmiete umlegen. Verboten ist es, übliche Instandhaltungskosten in die energetische Modernisierung mit hineinzurechnen. Mehrere Bremer Mieter setzen sich gegen die Mieterhöhungen zur Wehr und gewannen 2018 ihre Klage vor dem Bremer Landgericht.

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Wegen zweifelhafter Mieterhöhungen hat sich auch der Bremer Vonovia-Mieter Björn Kleinhammer gerichtlich zur Wehr gesetzt. Er sagt, dass Vonovia allgemein ein Problem mit Abrechnungen habe: „Laut meiner aktuellen Nebenkostenabrechnung soll ich auch für den TÜV des Fahrstuhls zahlen. Dabei haben wir überhaupt keinen Fahrstuhl im Haus.“ Andere Bremer Vonovia-Mieter berichteten von ähnlichen Beispielen.

Künftig wird es laut Vonovia-Chef Buch durch Modernisierungen keine Mietaufschläge von mehr als zwei Euro je Quadratmeter geben. Aktuelle Projekte, bei denen das der Fall sei, werde man „genau ansehen“. Buch beklagte den Verzicht gleichzeitig als Rückschlag für den Klimaschutz.

Vonovia will verstärkt in Neubauten in Schweden investieren

Aus Sicht des deutschen Mieterbunds führen Modernisierungen aber oft gar nicht zu deutlichen Energieeinsparungen. „Wenn Häuser immer dicker gedämmt werden, heißt das noch lange nicht, dass sie unbedingt viel Energie einsparen“, sagte Mieterbund-Sprecherin Silke Gottschalk. Statt die Modernisierungskosten einfach nur anteilig auf die Kaltmiete umzulegen, sei es sinnvoller, sich bei der Umlage an den tatsächlich eingesparten Betriebskosten zu orientieren, sagte Gottschalk. Der Präsident des Spitzenverbands der Wohnungswirtschaft, Axel Gedaschko, forderte eine Lösung für das „Klimaschutzdilemma“. „Das Erreichen der Klimaschutzziele ist nach der bisherigen Methodik für die verantwortlich handelnden Wohnungsunternehmen sowohl wirtschaftlich als auch sozial extrem schwer umsetzbar“, sagte er.

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Vergangene Woche verabschiedete der Bundestag das Gesetz, dass Hausbesitzer nach energetischen Modernisierungen statt elf nur noch maximal acht Prozent der Renovierungskosten auf die Jahresmiete umlegen dürfen. Der Bremer Fachanwalt für Mietrecht, Valentin Weiß, kritisiert das Gesetz: „Bei Modernisierungen bis zu 10.000 Euro pro Wohnung wird künftig pauschal angenommen, dass 7000 Euro auf die Modernisierung und 3000 Euro auf die Instandsetzung entfallen. Verfahren, wie sie gegenwärtig erfolgreich gegen Vonovia geführt werden, sind dann in Zukunft nicht mehr möglich.“ Der Bundesrat muss dem Gesetz noch zustimmen.

Vonovia will nun verstärkt in Neubauten und Modernisierungen in Schweden investieren, wo die Akzeptanz dafür größer sei. Das Unternehmen konnte seinen operativen Gewinn in den ersten neun Monaten auch dank steigender Mieten um knapp 13 Prozent auf 778 Millionen Euro kräftig steigern.

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++ Dieser Artikel wurde am 6.12.18 um 21.48 Uhr aktualisiert. ++

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