Eltern suchen Betreuung

In Bremen fehlen mehr als 1000 Kita-Plätze

Der Platzmangel in Bremer Kindergärten bleibt ein Problem. Laut der Bildungsbehörde fehlen mehr als 1000 Plätze. Die CDU spricht von mehr als 2000 und einer Katastrophe.
26.06.2020, 06:13
Lesedauer: 3 Min
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In Bremen fehlen mehr als 1000 Kita-Plätze
Von Pascal Faltermann

Der Mangel an Plätzen in Bremer Kindergärten bleibt ein Problem. Laut Bildungsbehörde können ab dem 1. August 1066 Kinder nicht in einer Einrichtung untergebracht werden, die von ihren Eltern angemeldet wurden. Damit sind die Zahlen im Vergleich zum vergangenen Sommer gestiegen, zu einem Bericht aus dem Dezember stagnieren sie. Trotz eines angekündigten massiven Ausbaus von Kita-Plätzen entkommt Bremen damit nicht dem Mangel. „Das ist eine Katastrophe, ein Armutszeugnis“, sagt CDU-Politikerin Sandra Ahrens, die von noch höheren Zahlen spricht. Sie habe auf Nachfrage im nicht öffentlichen Unterausschuss für frühkindliche Bildung von 2072 fehlenden Betreuungsplätzen erfahren.

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Für dieses Kita-Jahr sind laut einer Tagesliste 984 Kinder unterversorgt, sagt Annette Kemp, Sprecherin der Bildungsbehörde. Zum kommenden Jahr liegen weitere Anmeldungen vor. sie werden für einen aktuellen Statusbericht für die Bildungsdeputation zunächst zu den Unversorgten gezählt. Das sind dann insgesamt 1870. Das sei allerdings eine „dynamische Zahl, die nicht tagesaktuell ist, weil derzeit unversorgte Kinder mit denen gemischt werden, die für das Kita-Jahr 2020/21 angemeldet sind“, erklärt Kemp. Dem gegenüber stehen allerdings die bis dahin neu geschaffene Plätze. Ziehe man diese ab, komme man auf die 1066 fehlenden Plätze zum 1. August.

Bildungsressort kommt beim Kitaplatz-Ausbau nicht hinterher

Diese Zahl ist aber nicht komplett aussagekräftig. Denn laut Behördensprecherin Kemp sollen ab August bis zum Jahresende weitere 403 Betreuungsplätze geschaffen werden. Bis März 2021 sollen dann weitere 370, und im Juli 2021 weitere 40 hinzu kommen. Die Sprecherin von Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) muss allerdings auch einräumen, dass das Ressort mit dem Ausbau beziehungsweise Neubau der Nachfrage nicht hinter herkommt. „Wir sind selbst nicht zufrieden und müssen besser werden“, findet Kemp. Auch wenn weitere Bauvorhaben in der Pipeline seien. Einer der Gründe: Es werden immer mehr Kinder, vor allem unter drei Jahren (U3), für einen Betreuungsplatz angemeldet. Entsprechende Prognosen seien niedriger ausgefallen.

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Für die frühkindliche Bildung hat sich die rot-grün-rote Regierung klare Ziele gesetzt: Insgesamt 2100 Kita-Plätze sollen laut Koalitionsvertrag neu geschaffen werden. Bis 2020 soll zudem eine Versorgungsquote von mindestens 50 Prozent für Kinder unter drei Jahren und 98 Prozent für Drei- bis Sechsjährige (Ü3) erreicht werden. Und es ist etwas passiert: Unter anderem entstehen die Kita Bunte Weser (Blumenthal, bis Jahresende), die Kita Dobbheide (Vegesack, ab Januar 2021), die Kita St. Bonifatius (Findorff, September 2020), die Kita Am Vorgfeld (Huchting, März 2021) oder die Kita Theodor-Billroth-Straße (Obervieland, März 2021). Das Platzangebot ist laut einer Deputationsvorlage im Vergleich zum gleichen Zeitraum im Vorjahr um 632 Plätze erweitert worden. Zudem bestehe großer Aufholbedarf: In Gröpelingen und Schwachhausen werden rechnerisch sieben Gruppen – vor allem im Ü3-Bereich – benötigt. In Hemelingen und Vegesack sind es jeweils sechs Gruppen. In Hemelingen ist der Bedarf bei U3 groß, in Vegesack stärker im Ü3-Bereich.

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CDU-Sprecherin beklagt Fachkräftemangel

„Die Zahl unterversorgter Kinder steigt weiter an“, sagt die CDU-Sprecherin für Kinder, Jugend und Familie, Sandra Ahrens. Hinzu komme der Mangel an Fachkräften. Dabei dürfe man aber nicht nur betrachten, dass Erzieher in Krippen und Kindergärten gebraucht werden, sondern auch in vielen weiteren Bereichen wie Schulen oder sozialen Einrichtungen. „Bremen hat den Kita-Ausbau und die Ausbildung von Fachkräften verschlafen“, meint Ahrens. Sie fordert und erwartet nun, dass zumindest eine Lösung für die Fünfjährigen gefunden werde, die bislang nicht in einer Kita waren.

„Im Grunde freut es mich riesig, dass die Nachfrage für Kita-Plätze Jahr für Jahr steigt und gleichzeitig bin ich ernüchtert, dass seit Jahren Bedarf, Planung und faktischer Ausbau nicht aufeinander abgestimmt werden", sagt Birgit Bergmann, bildungspolitische Sprecherin der FDP. Das Ziel, bis wann alle Kinder der Stadt mit einem Kita-Platz versorgen werden, müsse endlich definiert und dann auch entsprechend geplant werden. "Die nervenaufreibende Suche nach einem Kita-Platz und das Bangen auf eine Zusage bleibt ein Spannungsfeld", bilanziert Bergmann. So versage man den Kindern den Zugang zu frühkindlicher Bildung.

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