Trotz Coronakrise

Breminale soll in diesem Jahr stattfinden

Vom 15. bis zum 19. Juli soll am Osterdeich wieder die Breminale stattfinden. Die Planung für das große Festival an der Weser läuft trotz aller Widrigkeiten durch die Coronakrise vorerst weiter.
26.03.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Breminale soll in diesem Jahr stattfinden
Von Jürgen Hinrichs
Breminale soll in diesem Jahr stattfinden

Der Deich war voll, das Wetter prima – die Breminale im vergangenen Jahr.

Anne Werner

Olympische Spiele? Abgesagt. Bundesliga? Spielt nicht mehr. Theater, Konzerte, Ausstellungen? Vorbei. Ein Trauerspiel, weil Corona es so will. Doch Achtung! An einer Veranstaltung wird noch festgehalten. Sie ist das große Fest in Bremen, und bleibt mit ihren Zelten und Buden bisher so standhaft wie das gallische Dorf bei Asterix und Obelix. Ist das verrückt, oder haben sie dort einen Zaubertrank, irgendetwas, was Wunder wirkt?

Das Fest ist die Breminale. „Wir gehen bis jetzt davon aus, dass das Festival stattfindet“, sagt Esther Siwinski, Geschäftsführerin bei Concept Bureau, das die große Sause an der Weser plant und veranstaltet. Vom 15. bis zum 19. Juli soll es auf diversen Bühnen wieder eine Kaskade von Konzerten geben. Genauso das übliche Kinderprogramm, diverse Happenings und andere Aktionen, und natürlich auch genug zu essen und zu trinken.

Seit mehr als 30 Jahren

Auf den Wiesen am Osterdeich und im kleinen Park vor der Kunsthalle versammeln sich rund 80 Gastronomen. Feiern bis zum Abwinken, so ist das Tradition. Die Breminale gibt es seit mehr als 30 Jahren. Sie ist nach dem Aus des Viertelfestes vor neun Jahren die einzige Gelegenheit in Bremen, jenseits der beiden Jahrmärkte Osterwiese, die für dieses Jahr bereits abgesagt ist, und Freimarkt im Oktober in großen Massen zusammenzukommen, um Kultur und Kulinarisches zu genießen.

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„Eine Glaskugel haben auch wir nicht“, sagt Siwinski. Keine übernatürlichen Fähigkeiten, um in die Zukunft zu schauen, nichts, auch keinen Zaubertrank. „Wir warten ab und hoffen“, so die Veranstalterin. Seit Januar werde mit sieben Mitarbeitern im Büro an den konkreten Vorbereitungen gefeilt. Jede Vereinbarung, jeder Vertrag mit den Künstlern könne storniert werden oder sei noch nicht unterschrieben. „Wir sind gegenseitig sehr zurückhaltend. Die Breminale ist ja nicht das einzige Festival, das wegen der Corona-Krise ausfallen könnte.“ Entscheidend sei, was die Behörden sagen: „So lange es von dort keine Ansage gibt, machen wir weiter.“

Stark bremisches Programm

Das Kulturressort unterstützt die Breminale. Sie gibt für das Programm in diesem Jahr einen Zuschuss von 65.000 Euro. „Die Veranstalter haben in dieser Ausnahmelage sehr früh den Kontakt zur Staatsrätin gesucht. Das kam gut an“, erklärt Behördensprecherin Alexandra Albrecht. Man sei sich einig gewesen, das Programm dieses Mal stark bremisch aufzuziehen, also weniger mit teuren Künstlern von außerhalb. Ansonsten, so Albrecht, gelte vorerst die Devise, situationsgerecht weiter zu planen.

In der Regel werden bei der Breminale mehr als 200.000 Besucher gezählt. Der Osterdeich ist wegen des Ansturms während der Festivaltage gesperrt. Die Menschen müssen keinen Eintritt bezahlen. Es gilt das Prinzip umsonst und draußen, was seit jeher den Charme der Veranstaltung ausmacht. Die Besucher werden lediglich um Spenden gebeten. Außerdem ist es die Lage direkt am Fluss, was zwar manchmal Probleme bereitet, wenn das Wasser über die Ufer tritt, aber ungemein die Stimmung hebt.

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Ein Vorläufer der Breminale stellte diesen Vorzug mit seinem Namen heraus. Es war die „Weserlust“, ein Kulturfest, das von der Stadt organisiert wurde und 1982 das letzte Mal stattfand. Die erste Breminale ging am 16. September 1987 über die Bühne. Nur einmal fiel sie seitdem aus, im Jahr 2007. Der Grund waren finanzielle Probleme.

Sorge um die Gastro-Partner

Das Festival wie es sich heute präsentiert kostet nach Angaben von Concept Bureau rund 700 000 Euro. Neben dem Geld von der Kulturbehörde kommen als Förderung finanzielle Mittel von der Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) hinzu, die je nach Bedarf auf 60 000 Euro ansteigen können. Unterstützer sind ferner die Sparkasse, Radio Bremen, swb und AOK. „Wir sind froh, wenn wir unsere Kosten decken können“, sagt Siwinski. Sollte es wider Erwarten ein Plus geben, werde das Geld an die Stadt zurückgezahlt. Während der Tage von Auf- und Abbau der Zelt- und Budenstadt und der Zeit des Festivals beschäftigt Concept Bureau nach eigenen Angaben rund 150 Mitarbeiter.

Besonders sensibel ist die Lage gerade in Hinsicht auf die Gastro-Partner der Breminale. Das sind Cafés, Bars, Kneipen und Clubs, die nach der von den Behörden verfügten Schließung ohne Einnahmen dastehen, während Miete, Pacht und Personalkosten weiterlaufen. „Um die machen wir uns schon aktuell Sorgen“, sagt Siwinski, „wie lange schaffen die das?“ Als Beispiel nimmt sie das Papp-Café in der Neustadt, das auch eine Musikbar ist. „Da habe ich mich noch gar nicht zu fragen getraut.“ Viel Ungewissheit also, und die Veranstalterin macht sich nichts vor: „Keine Ahnung, was diese Krise mit dem Bewusstsein der Menschen macht, ob sie danach überhaupt noch Lust auf Massenveranstaltungen haben.“

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